Geowissenschaften: Olympischer Wassersegen

Der griechische Götterberg birgt enorme Überschüsse an kostbarem Nass, mit dem der jährliche Wasserbedarf von 1,3 Millionen Menschen gedeckt werden könnte. Genutzt wird dieser Reichtum des Olymp jedoch bislang nicht

Wasser ist knapp in Griechenland. Bis zum Jahr 2050, so behaupten Experten, drohe vielen Landesteilen die Versteppung. Mit einer wichtigen Ausnahme: dem Bergmassiv des Olymp an der Grenze zwischen den nördlichen Provinzen Thessalien und Makedonien. Dort, wo nach antikem Glauben die Götter über Wohl oder Weh der Menschen entschieden, gibt es Wasser im Überfluss.

Als "riesiges Reservoir" für die rund elf Millionen Einwohner Griechenlands bezeichnet der Hydrogeologe Stergios Tzimurtas speziell den 520 Quadratkilometer großen Nordteil des Massivs, dessen höchster Gipfel 2917 Meter in den Himmel ragt.

Sechs Jahre lang hat der Wissenschaftler dort die Wasservorkommen für das staatliche geologische Institut in Thessaloniki (IGME) erforscht. Wie ein Schwamm sauge das rissige und poröse Kalkgebirge die Niederschläge auf, die im Jahresdurchschnitt bis zu 1500 Millimeter erreichen. Nach Tzimurtas' Berechnungen fließen durch das Berggestein und das an natürlichen Quellen reiche Umland jährlich rund 360 Millionen Kubikmeter Wasser - so viel verbrauchen in der EU etwa vier Millionen Menschen pro Jahr.

Den größten Teil benötige allerdings die Natur um den Berg Olymp für ihr ökologisches Gleichgewicht.

"Rund 220 Millionen Kubikmeter Wasser müssen permanent im Gebirge und im Boden des Umlandes verbleiben", so Tzimurtas, "damit kein Meerwasser in die unterirdischen Bahnen des Süßwassers vordringen kann."

Trotzdem bleibe ein Überschuss von 120 Millionen Kubikmeter für die Jahresversorgung von mehr als einer Million Menschen. Wasser von bester Trinkqualität: Es ist durch Bergsalze, Magnesium sowie Kalzium angereichert und weist einen geringen Sodiumwert auf.

In den Genuss des Wassersegens vom Olymp kommen zurzeit aber nur kleine, am östlichen Gebirgsrand eingebettete Siedlungen; etwa die 8000 Einwohner zählende Gemeinde Litochoron. Der größte Teil des Quellwassers ergießt sich - vielfach über unterirdische Kanäle - ins Meer.

Nun laufen erste Planungen, die ökologisch vertretbare Wassermenge kontrolliert abzupumpen und in wasserarme

Gebiete zu transportieren. Gedacht ist an

eine Pipeline, die am Meeresboden quer durch den Thermaischen Golf bis zur Halbinsel Chalkidiki gelegt werden soll - oder über Land bis in die 90 Kilometer nördlich von Litochoron gelegene Metropole Thessaloniki.

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GEO Nr. 05/97
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