Tauwetter am Nordpol

Neuesten Berechnungen zufolge könnte die Arktis Ende des Jahrhunderts eisfrei sein. Das ergab die Auswertung von Satellitendaten der NASA

Dass das Eis der Arktis schmilzt, ist keine neue Erkenntnis. Aber kaum ein Wissenschaftler hätte für möglich gehalten, was jetzt ein Forscherteam um Josefino Comiso vom NASA Goddard Space Flight Center herausfand: Die Eismasse verringert sich innerhalb von zehn Jahren um rund neun Prozent. Und in dieser Zeit erhöht sich die Temperatur jeweils um 1,2 Grad Celsius. Die Folge: Das Tauwetter im Sommer beginnt früher, die Frostperiode im Winter dagegen später.

9a4a25845684b55c567e6f8ce1035ed8

Die Ausdehnung der arktischen Eisdecke am 1. Januar 1990

Solide Datenbasis

8b263b2a51ad08c36163124c106d97d8

Neun Jahre später ist die Eisfläche auf dem Arktischen Ozean sichtbar zurückgegangen

In seiner Studie wertete Comiso Daten aus den Jahren 1978 bis 2000 aus. Die jüngsten Daten, die nicht mehr in die Studie einflossen, zeigen, dass die Ausdehnung des Sommereises der Arktis die geringste Ausdehnung seit Beginn der Satelliten-Messungen hat. Comiso untersuchte vor allem die minimalen Eisdicken am Ende des arktischen Sommers. Die Schollen erreichen dann immer noch eine Dicke von drei bis sieben Metern.

Ein Prozess, der sich selbst beschleunigt

Bei den Berechnungen geht Comiso davon aus, dass sich er Erwärmungs- und damit der Schmelzprozess beschleunigen wird. Denn steigen erst einmal die Temperaturen in der Arktis, zieht sich die Eisdecke im Sommer ungewöhnlich weit zurück. Die freigelegte Wasseroberfläche absorbiert Sonnenwärme, die von den Eisschollen weitgehend reflektiert wurde. Das so erwärmte Oberflächenwasser verzögert im Herbst das Wachstum des Eises. Und eine geringe Dicke des Eises im Winter macht die Eisdecke im Sommer erneut für ein rasantes Abschmelzen anfällig.

Gravierende Folgen Das Tauwetter am Nordpol könnte kurz- und langfristig gravierende Folgen haben: Für die Schifffahrt ergäben sich neue eisfreie Routen, und das Schmelzwasser würde das Plankton-Wachstum begünstigen. Aber auch auf das globale Klima wirkt sich der rasante Eisschwund aus: Denn wo die Eisdecke fehlt, kann sich zwar das Meer erwärmen - aber dafür kann sich die Erdatmosphäre nicht durch reflektierte Sonnenstrahlen weiter aufheizen. Und sollte sich Comisos Prophezeiung bewahrheiten, würde in nicht einmal hundert Jahren das komplette Ökosystem Nordpol verschwunden sein - jedenfalls im Sommer.

Quelle: NASA

GEO.de Newsletter