Ökologie: Der grüne Schrecken aus Fernost

Eine Pflanze wuchert ungebremst im Südosten der USA. Vor über 100 Jahren war sie aus Asien importiert worden

Manches an dieser Geschichte erinnert an das Erfolgsmusical "Der kleine Horrorladen". 1876 war die Pflanze mit den großen Blättern und dem süßlichen Duft noch einer der Stars der Jubiläums-Ausstellung der USA in Philadelphia. Ein Ehepaar aus Florida fand Gefallen an dem Rankengewächs, züchtete es und verbreitete Setzlinge per Post. In den 1930er Jahren setzte man die Pflanze auf Empfehlung von US-Behörden systematisch ein, um die Erosion weiter Landstriche im Süden aufzuhalten. Dabei muss das Kraut außer Kontrolle geraten sein. Denn inzwischen macht die Plage vielen Einheimischen mächtig zu schaffen. In Georgia, so heißt es im Volksmund, sollte man nachts besser die Fenster schließen, damit das wild wuchernde Grün nicht ins Haus eindringe.

Nirgendwo auf der Welt hat sich die Kudzu-Bohne (Pueraria lobata) so ausgebreitet wie im Süden der USA. Um bis zu 30 Zentimeter pro Tag wächst die Pflanze, ihre knollenartigen Wurzeln graben sich bis zu dreieinhalb Meter tief ins Erdreich. Verlassene Gehöfte werden von dem Gestrüpp in kürzester Zeit überwuchert; ein Entfernen des Unkrauts - als solches gilt Kudzu in den USA seit 1970 - erscheint fast unmöglich. Nur durch den wiederholten und konsequenten Einsatz von schweren Giften über zehn Jahre können ausgewachsene Pflanzen vernichtet werden. Die Gifte sind allerdings so wirksam, dass sie auch allen anderen Pflanzen den Garaus machen. Jüngere Kudzu-Teppiche lassen sich am besten durch gefräßige Ziegen und Schafe kurz halten.

In ihrer ursprünglichen Heimat - Indien, China, Taiwan und Japan - dämpfen Parasiten das Wachstum, und seit über 2000 Jahren gilt die Pflanze dort als nahrhaftes Viehfutter und als Rohstoff zur Papiergewinnung. Aus den Wurzelknollen werden Heilmittel hergestellt. Auch in den USA hat man mittlerweile gelernt, den Einwanderer aus Fernost auf seinen Nutzen hin auszuprobieren: Kudzu-Quiche, Blütensirup und Korbwaren sind die Renner in der Kudzu-Verwertungsbranche.

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Eine Pflanze wuchert ungebremst im Südosten der USA. Vor über 100 Jahren war sie aus Asien importiert worden
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GEO Nr. 05/97
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