Technik II: Grünes Kataster

Wie steht es um die Gesundheit der Bäume in einer Stadt? Ein grafisches Informationssystem gibt Auskunft auf einen Blick

Was kaum jemand weiß: Behördlich gezählt und verwaltet werden nicht nur die Bürger eines Landes. Auch sämtliche Bäume an kommunalen Verkehrsflächen, Spielplätzen und in Grünanlagen müssen von Amts wegen registriert werden - in Hamburg sind es allein über 245000 Straßenbäume und 150000 frei stehende außerhalb geschlossener Bestände.

Für den Aufwand gesorgt hat in erster Linie die Gesetzgebung zur Sicherung der Verkehrswege. Stürzt etwa ein maroder Baum auf die Straße, beschädigt ein Auto oder verletzt einen Menschen, drohen der Kommune erhebliche Schadensersatzansprüche.

Mit recht altmodischen Mitteln kamen die Grünflächenämter in der Vergangenheit ihrer Verpflichtung nach: Mitarbeiter der Behörde suchten jeden einzelnen Baum auf und vermerkten Alter, Größe und gesundheitlichen Zustand in einem gebundenen Buch; anders als lose Karteikarten, garantierte dieses Verfahren die korrekte zeitliche Abfolge der Einträge. Die Bücher wurden in den Ämtern archiviert; ein rascher Überblick über den Zustand aller Bäume einer Stadt war aus den dicken Kladden freilich kaum zu gewinnen.

Computerexperten der Bremer Firma geoVAL haben in Zusammenarbeit mit der Hamburger Umweltbehörde nun Abhilfe geschaffen. Statt mit Büchern gehen die Kontrolleure der Hansestadt mit einem so genannten Tablett-PC auf Datensammeltour.

Wohin sie sich begeben müssen, erfahren sie anhand einer digitalen Karte auf dem Bildschirm des handlichen Computers, auf dem jeder einzelne Baum verzeichnet ist. Am Standort ermitteln die Kontrolleure den Zustand des Untersuchungsobjekts, geben die Daten anhand einer Checkliste in den PC ein und empfehlen Schutz- und Pflegemaßnahmen. Von einem Rechner der Behörde werden die Daten anschließend zentral erfasst und ausgewertet. Jedes einzelne Merkmal - zum Beispiel Pilzbefall - lässt sich abrufen und grafisch für alle davon betroffenen Bäume eines Gebiets darstellen sowie mit anderen Merkmalen kombinieren.

Auf diese Weise ermöglicht das digitale Baumkataster verlässliche Aussagen zum Gesamtbestand und hilft, den Finanzbedarf für Pflege und Sicherung zu ermitteln. Davon profitiert auch der Umweltschutz: Mit dem neuen Verfahren kann zum Beispiel der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Streusalz und Baumschäden festgestellt werden. Auch die Verbreitung eines bestimmten Schädlingstyps - etwa der Rosskastanien-Miniermotte - wird im Nu anschaulich gemacht, um gezielt Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Und für den Fall, dass ein Baum einmal mit seiner Krone allzu weit in den Straßenraum hineinragt, wird ihm vom Amt ein "Lichtraumprofilschnitt" verordnet - die Äste werden gekürzt.

"Die Rechte der Bäume" und das digitale Baumkataster

Alle GEOSKOPE aus dem Magazin 8/04

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