Satellitenfotos: Keine schöne neue Welt

Die Umwelt-Behörde der Vereinten Nationen (National Environment Programme, UNEP) hat einen Satelliten-Bildatlas publiziert. Die Motive zeigen den Zustand von 80 Landstrichen - vor etwa 30 Jahren und heute

Mesopotamisches Sumpfland, Irak

Wo Euphrat und Tigris zusammenfließen, breitete sich noch 1973 auf bis zu 20 000 Quadratkilometern Marschland aus (kleines Bild). Ein Refugium für Artenvielfalt, eine wichtige Station für Zugvögel und lange Zeit Heimat bedeutender Völker. Unter Saddam Hussein wurden Staudämme und Bewässerungsprojekte an den oberen Flussläufen installiert. Die Folge: Das Marschland trocknete aus, das Ökosystem kollabierte. Seit dem offiziellen Ende des Irakkrieges sind die Schleusen wieder geöffnet. Zögerlich leben Flora und Fauna auf, vor allem im zentralen und westlichen Bereich.

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Hamoun-See, Iran

Der Hamoun-See im Iran ist abhängig von Zuflüssen aus dem benachbarten Afghanistan. 1976 war das ökologische Verhältnis ausbalanciert. Dann wurde Afghanistan von einer langen Trockenheit heimgesucht. In nur zwei Jahren, zwischen 1999 und 2001, trocknete der Hamoun-See völlig aus. Das Beispiel zeigt eindringlich, wie klimatische oder von Menschen gesteuerte ökologische Veränderungen in einem Land Folgen für eine ganze Weltgegend haben können. Während der Trockenphase trieb der Wind Dünen aus trockenem Meeressand vor sich her; zahlreiche Fischerdörfer wurden verschüttet. Ergiebige Regenfälle haben dazu geführt, dass der See sich seit 2003 auf dem Weg der ökologischen Genesung befindet.

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Balkhash-See, Kasachstan

Noch versorgt der zweitgrößte See Zentralasiens die Menschen mit Fisch und Trinkwasser, die Landwirte und Industrien mit Nutzwasser. Doch billige Preise fördern die Verschwendung des wertvollen Rohstoffs. Schon sind abhängige Seen (rechts unten) dramatisch geschrumpft. Umweltxperten der Vereinten Nationen haben der Regierung Kasachstans dringend empfohlen, die Wassernutzung zu disziplinieren. Sonst droht dem Balkhash-See dasselbe Schicksal wie seinem größeren Bruder, dem Aral-See: die völlige Verwüstung.

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Toshka Project, Ägypten

Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde damit begonnen, Nilwasser aus dem Nasser-Stausee bei Assuan in Oberägypten abzuleiten. Durch einen Betonkanal fließt das Wasser hinab in die Toshka-Senke, wo sich inzwischen vier neue Seen gebildet haben. Über Sprinkleranlagen werden die neu erworbenen Feldflächen gewässert. Die Agrarprogramme in der Wüste haben die landwirtschaftliche Nutzfläche Ägyptens in nur 15 Jahren verdoppelt. Um welchen ökologischen Preis, wird derzeit noch erforscht.

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Torréon, Mexiko

In der Gegend um Torréon in der zentralmexikanischen Provinz Coahuila werden Baumwolle und Getreide angepflanzt und Vieh gezüchtet. Ein wasserintensives Gewerbe, dem nun mehr und mehr der Nachschub abhanden kommt. 1992 überwies die Landesregierung die Verantwortung für den Wasserhaushalt an die Kommune und sogar einzelne Landbesitzer. Seither steigen die Wasserpreise unaufhörlich und um die begehrten Wasserrechte ist ein heftiger Kampf entbrannt.

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Tensas River, USA

272 000 Hektar misst das Becken des Tensas River im Osten des amerikanischen Bundestaates Louisiana. Einst war dieses Gebiet (links vom Fluß) zu 90 Prozent bewaldet. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte der Kahlschlag ein, um Anbauflächen für Sojabohnen zu schaffen. Heute hat sich das Wild in die wenigen verbliebenen Wäldchen zurückgezogen; Bodenerosion und Überschwemmungen machen den Bauern zu schaffen. Welcher Wandel die Landschaft auf der linken Flussseite getroffen hat, verdeutlicht der Blick nach rechts: Auf dem Territorium des Bundestaates Mississippi blieb der Wald unangetastet.

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Santa Cruz, Bolivien

Noch 1975 markierte der Rio Grande (Guapay) die natürliche Grenze zwischen der prosperierenden Stadt Santa Cruz und dem weitgehend intakten Regenwald. 1986 waren bereits Straßen in das undurchdringlich anmutende Grün getrieben worden. Ihnen folgten Heerscharen von Siedlern. 2003 ist die Region fast völlig abgeholzt und in Äcker und Weiden verwandelt worden. Auf der jüngsten Aufnahme sieht man links oben ein Netz sternförmig angelegter Feldflächen. Im Zentrum jedes Sterns befindet sich ein Dorf.

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Almeria, Spanien

1974 ist die Provinz Almeria an der Südküste Spaniens von traditioneller Feldwirtschaft geprägt. Etwa 30 Jahre später ist die Region fast völlig unter gläsernen Gewächshäusern verschwunden. Hierin werden rund ums Jahre Obst und Gemüse für die europäischen Supermärkte produziert. Inzwischen werden weite Landstriche Spaniens von Wasserknappheit bedroht. 118 Staudämme und 22 Bewässerungsprojekte sorgen für die Umleitung aus wasserreichen in wasserarme Gegenden. Über den ökologisch sinnvollen Umgang mit der Wasserressource denkt Spaniens Regierung erst seit 2004 nach.

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Wasserprojekt im Hochland von Lesotho, Afrika

Um den Wasserbedarf der boomenden Industrie in der südafrikanischen Provinz Gauteng zu befriedigen, soll Nachschub aus Lesothos Maloti-Bergen fließen. Das "Lesotho Highland Water Project" ist eines der größten Infrastrukturprojekte in ganz Afrika. Südafrika profitiert von der steten Zulieferung der Ressource, Lesotho vom Verkauf und der Stromerzeugung. Fertiggestellt ist bislang der Damm von Katse. Seit 1995 hat er seine Schleusen geschlossen. Seither staut sich der Orange River unübersehbar - und wirft viele ökologische und soziale Fragen auf.

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Aral-See, Zentralasien

In der Landessprache bedeutet "Aral" soviel wie "Insel". Und tatsächlich liegt der Aral-See - einst der viertgrößte Binnensee der Welt - wie eine Insel in der Wüste Zentralasiens. Sein Niedergang begann in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals ließ das Regime in Moskau in seinen zentralasiatischen Sowjetrepubliken hauptsächlich ein Produkt anbauen: Baumwolle. Der enorme Wasserbedarf dieser Pflanzen schröpfte den Aral-See rapide. Schon 1987 hatte er 60 Prozent seines ursprünglichen Volumens verloren. Der Salzgehalt hatte sich verdoppelt, die Fische waren ausgestorben. Heute blasen Winde giftigen Meeresboden weit in die angrenzenden Republiken hinein. Der Aral-See ist nur noch 25 Prozent so groß wie vor 50 Jahren.

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Kara-Bogaz-Gol, Turkmenistan

Als der Wasserspiegel des Kaspischen Meeres besorgniserregend gesunken war, wurde 1980 ein Damm errichtet. Er sollte verhindern, dass weiterhin Meerwasser in die riesige Lagune von Kara-Boz-Gol in Turkmenistan strömt. In der Folge trocknete die Lagune aus, es bildete sich Salz, das mit dem Ostwind über Hunderte von Kilometern ausgebreitet wurde, das die Böden versalzte und die Menschen krank machte. 1992 wurde der Damm wieder geöffnet. Der Wasserspiegel im Kaspischen Meer ist heute 2,6 Meter höher als 1978.

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Prudhoe Bay, USA

1968 entdeckte man Öl in der Tundra von Alaska. Inzwischen hat sich die Ölindustrie auf 2600 Quadratkilometern Förderfläche ausgebreitet. In der ehemals unberührten arktischen Wildnis gibt es heute 3893 Bohrtürme, 800 Kilometer Straße, 1769 Kilometer Pipelines, zwei Raffinerien, mehrere Flughäfen und zahlreiche weitere Industrieanlagen. Prudhoe Bay und 18 weitere Naturparadiese wurden dafür geopfert.

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Delta des Gelben Flusses (Huang He), China

Er ist der schlammigste Fluß der Welt und der zweitlängste Chinas: 5475 Kilometer misst der Huang He von Tibet bis zur Mündung in die Bohai-See. "Gelber Fluss" heißt er, weil der Strom gelben Löß aus der heftig erodierenden Landschaft des nördlichen Zentralchinas mit sich reißt und so seine gelbe Farbe annimmt. Wo der Huang He ins Meer fließt, lagern sich die Sedimente ab. In nur etwas über 20 Jahren entstanden so eine völlig neue Landzunge und viele hundert Quadratkilometer zusätzlicher Küstenfläche.

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Filchner-Ronne-Schelfeis, Antarktis

Als Schelfeis bezeichnet man eine große Eisplatte, die auf dem Meer schwimmt und mit einem Gletscher an Land fest verbunden ist. Das Filchner-Ronne-Schelfeis ist vom Volumen her das größte der Welt. 1986 brach die vordere Kante ab und formte drei gigantische Eisberge, die nicht weit von der Abbruchkante auf Grund liefen. 1990 allerdings kam einer der Eisberge frei und trieb über die Weddell-See in den Südatlantik. Anhaltendes Tauwetter hatte diese Passage überhaupt ermöglicht. Eine Folge des Klimawandels?

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Wyperfeld National Park, Australien

Umringt von landwirtschaftlichen Flächen stiftet der 3000 Quadratkilometer große Wyperfield National Park Lebensraum für 450 Pflanzen- und 200 Vogelarten, sowie eine Reihe von Säugetieren und Reptilien. Von Menschen verursachte Waldbrände haben dem Buschland in den letzten Jahren schwere Wunden zugefügt. Das Naturidyll schrumpft zusehends.

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Linktipp

"One Planet - Many People. Atlas of Our Changing Environment" heißt der vom "UN National Environment Programme" herausgegebene englischsprachige Satellitenbildatlas. Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Website: na.unep.net/OnePlanetManyPeople/index.php

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