USA Als die Niagarafälle einmal trockengelegt wurden

Unzählige Münzen und zwei Leichen von mutmaßlichen Selbstmördern: Als die Niagarafälle das letzte Mal trockengelegt wurden, kam so einiges zum Vorschein. Ein Rückblick auf das Jahr 1969 - als der einmalige Anblick viele Touristen anlockte
Niagarafälle, trocken, 1969

Die Niagarafälle im Juni 1969. Nur ein Rinnsal floss noch über die Klippen, als das "donnernden Wasser" für Untersuchungen trockengelegt wurde.

Die Niagarafälle machen ihrem indianischen Namen "donnerndes Wasser" alle Ehre: Aus bis zu 57 Metern jagen je nach Jahreszeit 2.800 bis 5.700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Abbruchkanten. Das sind 154 Millionen Liter pro Minute, die im Sommer allein über die "Horseshoe Falls" fließen. Ohne den Eingriff des Menschen wäre die Wassermenge fast doppelt so groß. Der Zufluss ist schon seit Jahren künstlich gedrosselt. Vor allem zur Energiegewinnung. Außerhalb der Touristensaison und nachts fließen so knapp 90 % der natürlichen Wassermenge an den Klippen vorbei in Richtung eines Stauwehrs. Dort erzeugen Turbinen eine große Menge Strom. Ein Knopfdruck genügt und die Schaulustigen erleben tagsüber wieder das atemraubende Naturspektakel – ohne etwas von dem Eingriff zu merken.

Doch es geht noch extremer: 1969 wurde ein großer Teil der Niagarafälle das erste Mal in der Geschichte tatsächlich ganz trockengelegt. Fast fünf Monate plätscherte an den American Falls nur ein Rinnsal über das Gestein. Mit enormen Aufwand wurden die Erosionsauswirkungen untersucht, die dafür sorgen, dass Jahr für Jahr große Mengen Geröll in den Ontariosee stürzen. Doch das Unterfangen gab nicht nur den Blick auf die Gesteinsmasse frei, es brachte auch unzählige Münzen und zwei Leichen von mutmaßlichen Selbstmördern ans Tageslicht. 

Seit dem Jahr 2016 wird nun wieder diskutiert, ob die Niagarafälle ein zweites Mal komplett stillgelegt werden sollen. Denn zwei alte Brücken müssen dringend repariert werden. Bedenken gibt es, wie sich das Vorhaben auf die Natur auswirken könnte. Das Ökosystem käme in Bedrängnis, viele Fische und Amphibien würden ihren Lebensraum zumindest vorübergehend verlieren, mahnen Umweltschützer. Jill Jedlicka, Direktorin der Buffalo Niagara Flusserhaltung, sagte gegenüber Buffalo News, dass dabei an alle Langzeit- sowie Kurzzeit-Schäden gedacht werden müsse. Oberste Priorität sei es, keinen Schaden anzurichten. Denn das Gebiet sei auch für den Arten- und Biotopschutz von ansässigen Vögeln wichtig.

Auch die Folgen für den Tourismus sind nicht genau absehbar. Während das Gebiet ohne Wasser für einige ihren Reiz verlieren könnten, lockten die trockenen Niagarafälle bereits 1969 große Mengen interessierter Pilgerer an. Aus organisatorischen aber nicht zuletzt aus finanziellen Gründen ist die Planung also längst nicht abgeschlossen und vor 2019 scheint eine Umsetzung sehr unwahrscheinlich.

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