Bio-Diesel: Ein ökologischer Irrtum?

Erst wurde er als umweltfreundlicher Kraftstoff der Zukunft gefeiert - dann als ökologischer Irrtum verdammt: Was taugt Bio-Diesel wirklich?

Als in Berlin noch die rot-grüne Koalition regierte, zählte ein Engagement im Biodiesel-Sektor zu den zukunftsträchtigsten Investitionen. Wer Grünpflanzen in Sprit verwandeln wollte, wurde mit staatlichen Subventionen, Steuervorteilen und Schutzzöllen gelockt. In ländlichen, häufig auch strukturschwachen Regionen entstanden zahlreiche Biodiesel-Raffinerien. Wer an der Börse in Aktien aus dieser Branche spekulierte, strich hohe Gewinne ein.

Jähes Ende einer Vision 2006 platzte die grüne Vision mit einem lauten Knall. Die Große Koalition führte die schrittweise Besteuerung von Biokraftstoffen ein. So schrumpften die Preisvorteile gegenüber herkömmlichen Spritsorten dramatisch. Die Folge: Die ohnehin erst kleine Gruppe der Biodiesel-Fahrer wandte sich enttäuscht ab. Die Hersteller fanden keine Abnehmer mehr. Die Börsenkurse notierter Unternehmen rauschten in den Keller.

Die Stimmen der Kritiker So mutierte die vermeintliche Zukunftsbranche zum wirtschaftlichen Sorgenkind. Und es kommt noch schlimmer. Internationale Studien entlarven den Traum vom umweltfreundlichen Alternativsprit als Irrtum. Die Herstellung von Biodiesel verursache eine negative Ökobilanz. So berechnete die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, dass die Produktion von Bioethanol aus Getreide und Kartoffeln mehr Energie koste als später nutzbar würde.

Ist Biosprit gar ein Klimakiller? Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bilanzierte Mitte September 2007, dass die Kohlendioxidemissionen mithilfe von Biokraftstoffen gerade um drei Prozent gesenkt werden könnten. Autoren des Wissenschaftsmagazins "Science" warnen, dass die Gewinnung von Ethanol aus Zuckerrüben, Weizen, Mais oder Raps den Treibhauseffekt indirekt sogar noch anfeuern würde, statt die Kohlendioxid-Emissionen zu mindern.

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Bio-Diesel in den Tank: die richtige Entscheidung?

Amerika und Brasilien bleiben uneinsichtig Während der Traum in Deutschland geplatzt ist, wird er andernorts, beispielsweise in Brasilien und den USA, von staatswegen nach Kräften weiter gefördert. In den Agrarregionen Nordamerikas erstrecken sich subventionierte Monokulturen bis zum Horizont. Nach OECD-Angaben fördert der Staat die Bauern mit jährlich sieben Milliarden Dollar. Doch intensive Düngung, der großflächige Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln, die Verdrängung anderer Anbauflächen oder, wie in Brasilien, die Gewinnung neuer Flächen durch Rodung - all diese Faktoren haben zu einem ökologischen Umdenken geführt. Die kritischen Stimmen mehren sich, die eine politische Korrektur des Biodiesel-Booms verlangen.

Monokulturen für Verbrennungsmotoren Wissenschaftler der Universität Leeds haben folgende Rechnung aufgemacht: Ein zehnprozentiger Ersatz von Benzin und Diesel durch Biokraftstoffe würde in den nächsten 30 Jahren jeweils etwa 40 Prozent der Landwirtschaftsfläche Europas und der USA erfordern. Dazu müssten Wälder und Grünland für den Biokraftstoff in Äcker umgewandelt werden.

Die Industrie hängt am seidenen Faden Doch von genau dieser Beimischung hängt das Überleben der Biodiesel-Industrie hierzulande ab. Noch sind die Mineralfirmen verpflichtet, auf jeden Liter 1,2 Prozent Biokraftstoff zuzusetzen. 15 Prozent sollten es nach Meinung der Biodiesel-Lobby sein, damit die Branche gerettet würde. Doch längst fehlt es am politischen Willen, diese indirekte Subvention mitzutragen. Vielleicht hat sich aber auch die ökologische Einsicht durchgesetzt, dass Biodiesel keine Alternative zu den fossilen Brennstoffen ist. Im Gegenteil: Forscher behaupten, Mineralbrennstoffe seien letztlich noch umweltfreundlicher als der grüne Kraftstoff.

Biodiesel verschleißt Motorteile Aber auch in der alltäglichen Praxis hat der alternative Treibstoff die Hoffnungen nicht erfüllt. Lastwagen, zum Beispiel, verbrauchen mehr Biodiesel als Sprit. Und Ölfilter müssen bis zu dreimal öfter gewechselt werden als bei herkömmlichen Antrieben. Die Experten sind sich einig, dass es besser sei, wenn Autos gar nicht mit kohlenstoffhaltigem Treibstoff führen. Hierzu bietet sich die Wasserstoff-Technologie an - sofern dieses Gas nicht aus Erdgas, sondern beispielsweise elektrolytisch mit Solarstrom gewonnen wurde.

Schlechte Perspektiven also für den Biosprit.

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