Klasse(n) für die Kasse: Das EU-Label

Woran erkenne ich Stromsparer unter meinen Haushaltsgeräten? Worauf muss ich beim Kauf achten? Und was bedeutet eigentlich das A++ auf meinem Kühlschrank?
In diesem Artikel
Europäische Neuregelung des Labels ist geplant
Tipps zum Kauf von Kühlschrank & Co

Das EU-Label gibt seit zehn Jahren Auskunft darüber, wie energieeffizient ein Haushaltsgerät arbeitet. Und hilft damit dem Verbraucher, sich auf dem nicht leicht zu überschauenden Markt der Geräte und Gerätehersteller besser orientieren zu können. Denn was alle vom Bio-Siegel im Supermarktregal kennen, gibt es auch für Stromgeräte wie Waschmaschinen, Trockner, Wasserkocher, Elektrobacköfen und Raumklimageräte. Das EU-Etikett zum Energieverbrauch soll klare und nachvollziehbare Fakten liefern. Das Label gibt nicht nur Auskunft über den Stromverbrauch, sondern auch zu anderen Daten wie Wasserverbrauch (etwa bei Wasch- und Spülmaschinen), Nutzinhalt, Fassungsvermögen, Wasch- und Schleuderwirkung und Geräuschentwicklung. So kann der Kunde Produkte schnell vergleichen.

Schulnoten fürs Stromsparen: Von G bis A++

Eingeteilt ist die Klassifizierung wie bei amerikanischen Schulnoten, und zwar in sieben Effizienzklassen von A bis G. Die Ziffer A zeigt den geringsten Energieverbrauch an, G den höchsten. Mit E bis G werden jedoch mittlerweile nur noch einige Typen von Glühlampen klassifiziert, die einen besonders schlechten Wirkungsgrad besitzen. Weil nun aber das Label bereits seit 1998 existiert und Energiesparneuerungen schnell veralten, entstand bald ein Problem: Was tun mit jenen Geräten, die vor mehreren Jahren das Gütesiegel A erhielten, heutzutage aber höchstens noch B oder schlechter erreichen? Der solcherart ausgezeichnete Hersteller sah begreiflicherweise keinen Grund, das Gütesiegel der Wirklichkeit anzupassen.

„Beim Sport bezeichnet niemand einen Bronzemedaillengewinner als Weltmeister. Auch eine Drei auf dem Schulzeug geht nirgendwo als Eins durch. Doch bei Elektrogeräten ist das anders: Hier dürfen sich Geräte mit dem Energiesparlabel der Klasse A schmücken und den Anschein erwecken, Bester zu sein“, ereifert sich die Stiftung Warentest auf ihrer Homepage zum Thema Umwelt und Energie. Es musste also nachgebessert, präziser: nachetikettiert werden. So erhalten aktuelle Spitzenreiter im Stromsparen seit 2004 ein A+ oder A++, was andererseits die Gefahr in sich birgt, für Verwirrung beim Verbraucher zu sorgen. Es scheint zudem schwer, diese Super-Plus-Etikettierung zukünftig zu steigern.

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Europäische Neuregelung des Labels ist geplant

Bisher resultiert das EU-Label aus mehreren europäischen Richtlinien. Zwar plant die EU-Kommission eine einheitlichere und übersichtlichere Etikettierung auf europäischer Ebene, doch stehen noch keine Termine für eine Neuregelung fest. Im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wird darüber nachgedacht, die Plus-Etikettierung abzuschaffen und durch ein „echtes“ A oder eine aussagekräftige Zahl eins zu ersetzen. Jedenfalls wolle man „nicht wieder in die Bredouille kommen, dieses Label sofort wieder ändern zu müssen, wenn sich die technische Wirklichkeit ändert“, sagt Pressesprecher Steffen Moritz. Bis dahin muss der Kunde wissen: Bei A ist noch lange nicht Schluss in Sachen Stromsparen.

Jedoch kann nicht jedes Markengerät im Haushalt die Top-Klassifizierung A+ oder A++ erreichen, derzeit schaffen dies vor allem Kühlschränke und Gefriertruhen. Und: Für manche Haushaltsgeräte gibt es noch keine Energie-Etikettierung, so zum Beispiel bei Kochstellen und Elektroherden.

Tipps zum Kauf von Kühlschrank & Co

Tipps und Tricks zum Kauf von Haushaltsgeräten:

Stichwort Lampen

Im Allgemeinen kommt auch die beste Glühlampe nicht über die Klasse D hinaus. Es ist deshalb ratsamer, stattdessen auf Energiesparlampen zu setzen. Die sind zwar in der Anschaffung deutlich teurer, rentieren sich aber aufgrund der längeren Lebensdauer und dem deutlich geringeren Stromverbrauch schon nach wenigen Jahren. Die Sparmeister in Sachen Licht erreichen in den meisten Fällen die Effizienzklasse A. Sie werden jedoch mit B ausgezeichnet, wenn sie von einem milchigen Glaskolben umgeben sind, der etwas Licht abhält.

Wichtig: Energiesparlampen gehören im Unterschied zu Glühlampen nicht in den Hausmüll, da sie geringe Mengen an Quecksilber und wieder verwertbarem Leuchtstoff enthalten. Sie können bei den üblichen städtischen Sammelstellen für Schadstoffe, in vielen Fällen auch beim Händler selbst zurückgegeben werden.

Stichwort Kühl- und Eisschrank

Insgeheim ahnte man es schon immer: Der alte Kühlschrank ist nicht nur laut, er frisst auch ziemlich viel Strom, und das Tag und Nacht. Doch was machen mit dem lieb gewonnenen Stück? Nostalgie oder einfach nur Bequemlichkeit kostet oft eine Menge Geld. Gegenüber dem Jahr 1990 ist der Stromverbrauch heutiger effizienter Kühl- und Gefriergeräte um ca. 60 Prozent gesunken. Generell gilt: Je mehr Plus vor dem A steht, desto energiesparender ist das Gerät, wobei natürlich auch die Größe eine Rolle spielt. Kühl- und Gefriergeräte, die in der Regel 24 Stunden täglich laufen, sind besonders stromintensiv. Bei ihnen sollte man möglichst immer auf eine der besten Klassifizierungen achten.

Neben der A-Klasse sind Geräte der Klassen A+ und A++ sparsamer. Ein Kühlschrank mit dem EU-Wert A+ verbraucht rund ein Viertel weniger Strom als ein in Volumen und Ausstattung vergleichbarer Typ der Klasse A. Wichtig ist auch, keinen unnötig großen Kühlschrank zu kaufen. Ein halbleerer Kühlschrank verschwendet Strom für nichts. Vor jedem Kauf sollte man sich deshalb die Frage stellen: Brauche ich als Single tatsächlich einen 200-Liter-Kühlschrank? Wie viel Volumen ist sinnvoll in einem Mehrpersonenhaushalt?

Stichwort Wäschetrockner

Kurz und klar: Wäschetrockner sind Stromfresser. Sehr viele Trockner schaffen es lediglich zur Effizienzklasse C. Allein der Wäschetrockner mit Wärmepumpe erhält die A-Note, da er Energie nicht im wahrsten Sinne des Wortes verschleudert, sondern die Abluftwärme in die Wäsche zurückleitet. Die deutsche Energie-Agentur (dena) rechnet im Auftrag der Stiftung Wahrentest vor, wie viel Ersparnis ein Wärmepumpen-Trockner der Klasse A gegenüber stromintensiveren Geräten bringen kann: Zwar kostet der C-Wäschetrockner im Durchschnitt 350 Euro weniger, schluckt aber jährlich 265 kWh mehr Strom als sein Pedant der Klasse A.

In zwölf Jahren rechnet sich das auf Mehrkosten von 640 Euro hoch. Nach Abzug der Mehrkosten beim Ankauf sind das ganze 290 Euro Ersparnis. Auch beim Trockner gilt es, darauf zu achten, keinen Platz zu verschwenden. Je voller, desto besser: für Klima und Geldbeutel.

Stichwort Waschmaschine

Das EU-Label existiert auch für Waschmaschinen. In diesem Fall gibt es nicht nur den Strom-, sondern auch den Wasserverbrauch und die Schleuderwirkung an. Waschwirkung und Energieverbrauch stehen in einem engen Zusammenhang. Eine Waschmaschine der Klasse A verbraucht im Schnitt 0,19 KWh je Kilogramm Wäsche und lässt in der Schleuderwirkung eine Restfeuchte von 45 Prozent an der Wäsche zurück. Im Vergleich zieht eine Waschmaschine der Klasse D 0,31 Kilowatt Strom und entlässt die Wäsche mit 72 Prozent Restfeuchte. Früher galt beim Waschen oft die Devise: je heißer, desto reiner.

Das ist heute anders. Effiziente Waschmaschinen erreichen mittlerweile auch mit relativ niedrigen Wärmegraden ein optimales und hygienisches Ergebnis. Porentiefe Reinheit lässt sich auch mit 30 oder 40 Grad erreichen. Nur stark verschmutzte Kochwäsche erfordert 60 Grad. Vorwäsche ist in den meisten Fällen unnötig. Das alles hat Auswirkungen auf den Stromverbrauch. Wer seine Wäsche mit 40 anstatt mit 60 Grad Celsius wäscht, spart die Hälfte an Strom ein. Wie bei den Wäschetrocknern gilt: Volle Beladung bringt viel Stromersparnis.

Stichwort Spülmaschine

Feinde des automatischen Geschirrspülens können aufatmen: Das Vorurteil, geübtes Geschirrspülen per Hand verbrauche weniger Strom und Wasser als die Geschirrspülmaschine, hält der Realität nicht stand. Eine effiziente Spülmaschine reinigt nicht nur spülerisch leicht, sondern ist auch in punkto Energiesparen die bessere Lösung – wenn man einige Regeln beachtet.

Erstens: Immer mit einem Energie- und Umweltprogramm spülen, ob es nun ECO, Spar oder Intelligent heißt. Beim Kauf sollte man sein Augenmerk darauf legen, dass das Gerät über ein solches Programm verfügt. Ein Gerät der Klasse A reinigt bei diesen Programmen bei 50 Grad vollkommen ausreichend. Zweitens: Auch die Spülmaschine möglichst voll beladen.

Stichwort Elektrobacköfen

Bei elektrischen Bachöfen ist das Energie-Label obligatorisch. Hier sollte man sich ebenfalls für ein Gerät der A-Klasse entscheiden. Ähnlich wie beim Teekochen der Wasserkocher die bessere Alternative zur Heizplatte darstellt, gehören Toast und kleinere Brötchen in oder auf den Toaster und nicht in den Backofen – zumindest, wenn man Strom sparen will. Insgesamt heizen Backöfen mit Umluft wirkungsvoller als jene mit Ober- und Unterhitze.

Eine Funktion wie „Selbstreinigung“ im Backofen klingt zwar schön, ist aber auch kein Perpetuum Mobile, das ohne Energie funktioniert. Jeder Reinigungsvorgang in einem solchen Backofen frisst immerhin ein Kilowatt Strom. Bevor man also auf den Knopf drückt, um den Backofen wieder aufblitzen zu lassen, sollte es sich auch wirklich lohnen.

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