Glühbirnenverbot: Einleuchtendes Beispiel

Energiesparlampe statt 100-Watt-Glühbirne. Das Verbot erhitzt die Gemüter. Zu Unrecht, findet GEO.de-Redakteur Peter Carstens

Abends wird es nun immer früher dunkel. Wo war noch der Lichtschalter? Wie lange das dauert, bis die Lampe richtig leuchtet! Und richtig toll ist das Licht auch nicht, wenn sie warmgelaufen ist. Blöde Energiesparlampe!

Seit dem 1. September sind die Tage der Glühbirne gezählt. Aus den Kaufhausregalen verschwinden zuerst Lampen mit 100 Watt und mehr. Und solche, die mattiert sind. Bis zum Jahr 2012 dürfen überhaupt keine herkömmlichen Glühbirnen mehr verkauft werden. Viele Menschen fühlen sich bevormundet, sehen regulierungswütige oder womöglich korrupte EU-Beamte am Werk, die in ihre private Häuslichkeit eingreifen wollen. Wie? Wir dürfen unser trautes Heim nicht mehr in das gemütliche Licht der guten alten Glühbirne tauchen? Müssen uns das grell-kalte, enervierende Gleißen einer Leuchtstoffröhre diktieren lassen? Manche Kritiker sprechen gar von einem Eingriff in die Freiheitsrechte.

Das ist natürlich Unsinn. Es steht ja nach wie vor jedem frei, mit Glühbirnen beliebig viel Energie zu verschwenden. Man kann sich mit Glühbirnen bevorraten und sie auch später noch aus dem Ausland beziehen. Und mal ehrlich: Wer lässt heute bei sich zu Hause noch 100-Watt-Birnen brennen?

Zu dem Widerwillen gegen Verbote gesellen sich ästhetische Bedenken. So soll Spinat im Licht von Energiesparbirnen nicht so richtig grün aussehen. Nun ja. Hinweise auf eine mögliche gesundheitliche Gefährdung muss man allerdings ernst nehmen. Doch scheinen negative Auswirkungen wissenschaftlich nicht - oder noch nicht - belegbar zu sein. Epileptische Anfälle durch Energiespar-Licht? Oder wenigstens eine kleine Migräne? Vielleicht. Erwiesen ist der Zusammenhang keinesfalls. Es hat eher den Anschein, dass viele Anti-Regulierer nicht davor zurückschrecken, gesundheitliche Gefahren hochzuspielen. Das ist verantwortungslos. Und entbindet, auf der anderen Seite, nicht von der Pflicht, energiesparende Leuchttechnik weiterzuentwickeln und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Organismus weiter zu erforschen. Immerhin haben Forscher der Berliner Charité jüngst herausgefunden, dass Energiesparbirnen sich negativ auf den Schlaf auswirken können. Der höhere Blau-Anteil ihres Lichts hemme die Produktion des schlaffördernden Hormons Melatonin.

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Das ab 1. September geltende Verbot betrifft alle mattierten Glühbirnen - weil ihr Glas die Lichtausbeute zusätzlich verringert

In den Markt soll Bewegung kommen

Aber genau darum geht es ja auch bei dem Verbot: Es soll den Druck auf die Hersteller erhöhen, bessere Energiesparbirnen zu entwickeln - Leuchtmittel, die nicht nur gesundheitsverträglich sind, sondern auch eine gute Umweltbilanz aufweisen können, also zukünftig nicht mehr in den Sondermüll gehören. Schon jetzt sind LED-Lampen auf dem Markt, die noch effizienter sind und ohne Quecksilber auskommen. Sie werden in wenigen Jahren die gute alte Energiesparbirne in den Schatten stellen. Der Faustkeil bot den Menschen Jahrmillionen lang ein unübertroffenes Hilfsmittel. Irgendwann wurde er durch effizientere Werkzeuge ersetzt. Warum soll die Glühlampe, an deren Technologie seit ihrer ersten Patentierung im Jahr 1854 kein nennenswerter Durchbruch gelang, der Technik letzter Schluss sein? In Zeiten der sich abzeichnenden Klimakatastrophe ist ein Leuchtmittel, das aus 95 Prozent der aufgewendeten Energie kein Licht macht, sondern Wärme, ein Fossil.

Ist die Energiesparlampe wirklich ökologisch?
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Sicher, man hätte versuchen können, den Bürger anders zum Stromsparen zu animieren. Man hätte Anreize schaffen können, statt zu verbieten. Etwa mit einem satten Aufpreis, aus dem Klimaschutzprojekte gefördert werden könnten. Doch das Verbot geht eine entscheidende Nuance weiter. Statt zu signalisieren "Ihr dürft ruhig weiter Strom verschwenden, wenn ihr nur bereit seid, mehr Geld dafür zu zahlen", meint es: "Wir nehmen euch eine Möglichkeit weg, Strom zu verschwenden." Das Entscheidende daran ist wohl nicht die erwartete Einsparwirkung - ein Paar Euro im Privathaushalt oder die Leistung von vier großen Atomkraftwerken bis zum Jahr 2020 - sondern: deutlich zu machen, dass jeder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann und soll. Und dass wir das auch von anderen verlangen können. Von Politikern zum Beispiel.

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