Olive (Italien)

In Italien wird die Olivenfliege Bactrocera oleae zum Problem, weil die Lebensbedingungen für sie hier immer besser werden. Was das Insekt liebt, sind moderate Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad, also keine Hitzewellen. Bei mehr als 30 Grad stellt sie ihre Vermehrung ein, ebenso ihre Angriffe auf die Olivenplantagen. Was sie unbedingt braucht, ist Feuchtigkeit, Regenfälle, wie sie in Mittelitalien seit einigen Jahren auch im Sommer zur Regel werden. Sie bringen auch die notwendige Abkühlung ins sommerliche Land und damit mehr vom Wohlfühlklima, das die Olivenfliege für eine schnelle Vermehrung braucht.

Orange (USA)

Der "Gelbe Drache" ist eine Orangenkrankheit, die durch einen Blattfloh und ein Bakterium ausgelöst wird - und sich seit einigen Jahren vom heißen Teil Asiens über die Welt ausbreitet. Weltweit steigende Temperaturen könnten seine Ausbreitung begünstigen. So schrumpfen auch in Orangen-Anbaugebieten der USA die Ernten immer stärker. Im Dezember 2015 kündigte das U. S. Department of Agriculture an, dass die Orangenernte 2016 voraussichtlich um 20 Prozent niedriger ausfallen werde, ein Verlust von 74 Millionen Kisten. Das wäre die kleinste Ernte seit 50 Jahren.

Tomaten (Spanien)

Die Ebene von Almería ist der Gemüsegarten Europas. Und ein Meer aus Gewächshäusern und Plastikfolien. Eines der drängendsten Probleme hier ist der gigantische Wasserbedarf: Allein die Tomaten verbrauchen pro Kilogramm rund 180 Liter Trinkwasser. Pro Jahr verlassen 2,7 Millionen Tonnen Obst und Gemüse die Provinz Almería. 600 000 Tonnen Tomaten, Paprika und Auberginen sind allein für deutsche Supermärkte. Damit fließen auch rund 150.000 Kubikmeter Wasser aus dem trockenen Andalusien in die regenreichen Regionen Nordeuropas, die größte Menge nach Deutschland. Besonders problematisch: Im Zuge des Klimawandels bleibt der wichtige Winterregen über Spanien immer häufiger aus. Vor den Pyrenäen fehlen bis zu 130 Millimeter Niederschlag, was eine Verringerung um bis zu 60 Prozent, in manchen Regionen sogar um bis zu 80 Prozent, des langjährigen Durchschnitts bedeutet.

Fleisch (Deutschland)

Deutsche Schweinehalter sind zu einem großen Teil von Soja-Importen aus Südamerika abhängig. Denn der Fleisch-Zuwachs pro Tag wird durch Soja gesteuert. Als Mehl und Schrot rieselt es mit in die Mast-Ration. 40 Kilo Soja, so rechnen die Experten, vertilgt ein Mastschwein in seinem kurzen Leben. 83 Millionen Tonnen Soja verbraucht China, um seine Mastfabriken in Gang zu halten. Dagegen ist Deutschland ein Zwerg mit seinen fünf Millionen Tonnen Importsoja. Aber was, wenn der Nachschub aus Südamerika stockt? Eine Missernte in Brasilien ist unter veränderten Klimabedingungen jederzeit möglich, ebenso eine Dürre in den USA. Beides zur gleichen Zeit könnte die Preise auf dem Weltmarkt explodieren lassen, so wie 2007. Damals schossen die Weltmarktpreise für Getreide innerhalb von Wochen um bis zu 300 Prozent in die Höhe.

Tee (Indien)

Ohne ausreichende Regenfälle wächst in Indien wenig. Künstliche Bewässerung über Kanalsysteme oder Brunnen ist nur in einigen Regionen wie z. B. im nordindischen Bundesstaat Punjab möglich und wird immer schwieriger. Zwei Drittel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Indien sind ausschließlich auf Regen angewiesen – zur rechten Zeit und in der richtigen Menge. Und genau diese Kombination wird immer seltener, stattdessen ist das Wetter zunehmend chaotisch und unvorhersehbar. In der Teeregion West-Bengalen liegt die Niederschlagsmenge im Januar normalerweise bei 16,8 Millimeter, gefallen sind 2016 jedoch nur 9,9 Millimeter, 40 Prozent des langjährigen Durchschnittswertes. Im Dezember hat es ebenfalls fast überhaupt nicht geregnet. Teil dieser Teeregion sind die berühmten, in den Vorbergen des Himalayas gelegenen Teegärten Darjeelings. Die Plantagenbesitzer dort rechnen mit besonders starken wirtschaftlichen Einbußen, denn der fehlende Regen macht sich vor allem bei der ersten und wertvollsten Ernte, dem »First Flush« bemerkbar.

Kaffee (Brasilien)

Seit 2010 verlieren die Sträucher, an denen die Kaffeebohnen reifen, weltweit an Kraft. Die Erträge lassen nach. In den großen Kaffeeregionen der Welt, in Afrika und Brasilien, dort, wo die Königin der Bohnen, die Arabica, wächst, nehmen die Temperaturen zu, stellte 2015 eine Studie des internationalen Agrarforschungsinstituts CGIAR fest. Besonders in den Nächten kühlt es sich immer weniger ab. Abkühlung aber gehört zur wichtigsten Voraussetzung für guten Kaffee. Doch seit der Jahrtausendwende bleibt sie immer häufiger aus. Die Kaffeebauern könnten mit ihren Plantagen höher in die Berge ziehen, aber in vielen Kaffeeregionen der Welt ist der Gipfel schon erreicht.

Kakao (Westafrika)

Die Elfenbeinküste und Ghana produzieren zusammen zwei Drittel der Kakaobohnen für den Weltmarkt. Doch das Klima ändert sich auch in Westafrika, es regnet mal viel zu viel, mal viel zu wenig. Das führt zu Ernteeinbußen. Das nationale Ghana Cocoa Board rechnete für die Saison 2014/2015 mit einer Million Tonnen Kakao, geerntet wurden jedoch nur 700.000 Tonnen: 30 Prozent Ausfall durch die extreme Wetterlage. Auch der Anstieg der Temperaturen trifft den Kakaoanbau. Denn schon bei einem Plus von einem Grad Celsius beginnen die Kakaobäume zu kümmern.

Meeresfrüchte und Speisefische (weltweit)

Seit Jahren beobachten Forscher eine Abnahme des pH-Werts in den Ozeanen. Der Grund dafür: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt, und das Klimagas wird von den Meeren aufgenommen. Das hat gravierenden Folgen für zahllose Meeresorganismen mit Kalkpanzern - und damit für die ganze Nahrungskette. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung warnte schon 2013 in seinem Gutachten zum Zustand der Meere vor dem, was die Welt riskiert, wenn sie einfach so weitermacht wie bisher. „Eine weiterhin ungebremste Versauerung würde die Ozeanchemie für Jahrtausende verändern, wobei wahrscheinlich viele Meeresorganismen und marine Ökosysteme davon betroffen wären.“ Heute wissen wir es besser. Wir können das „wahrscheinlich“ streichen.

Mandeln und Gemüse (Kalifornien, USA)

Ex-Präsident Obama sagte 2014 in einer Ansprache in Kalifornien: „Dürreperioden sind schon ein Teil des Lebens hier im Westen gewesen, bevor einer von uns auch nur geboren war. (…) Aber es ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Klimawandel sie verstärkt. Eines ist unwiderlegbar richtig: Sich verändernde Temperaturen beeinflussen Dürre in mindestens dreifacher Weise: 1. Mehr Regen fällt als Sturzregen. Dadurch gibt es mehr Oberflächenablauf und das Wasser kann nicht gespeichert und nutzbar gemacht werden. 2. Mehr atmosphärischer Niederschlag in den Bergen fällt als Regen und nicht als Schnee, dadurch führen die Flüsse früher im Jahr kein Wasser mehr. 3. Das ganze Jahr über verlieren Boden und Wasserreservoirs mehr Wasser durch Verdunstung."

Wein

In Europa bedroht die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege Drosophila suzukii die Weinernten. Die Europäische Pflanzenschutz-Organisation EPPO kam schon 2012 in ihrer Risikobewertung zu dem Schluss, dass die Fliege sich in den meisten Regionen Europas weiter ausbreiten und dass ihre Ausrottung nicht möglich sein wird. Das Klima jedenfalls wird ihr bei ihren Beutezügen keinen Strich durch die Rechnung machen. Ganz im Gegenteil: Die Prognose des Weltklimarates IPCC ist auf der Seite der Kirschessigfliege. Der Klimawandel mit den vorhersehbar steigenden Temperaturen verschafft ihr weiterhin optimale Startbedingungen auf ihrem Weg in die Wein- und Obstbaugebiete der Welt.