Fischkonsum Warum Sie auf Pangasius verzichten sollten

Der Exot aus Südostasien gehört zu den fünf beliebtesten Speisefischen in Deutschland. Zu Unrecht
Pangasius

Der Aal ist tot, es lebe der Pangasius. Während nicht nur deutsche, sondern auch internationale Gewässer großenteils stark überfischt sind und einzelne Fischarten – wie der Aal – vor dem Aussterben stehen, erlebten Zuchtfische aus Fernost vor einigen Jahren einen regelrechten Boom. Gerade der anspruchslose Pangasius, eine Wels-Art, wurde über Nacht zum Star in den Tiefkühlregalen – trotz oder gerade wegen seines unaufdringlichen Geschmacks. Heute gehört er zu den fünf beliebtesten Speisefischen der Deutschen.

Nach Angaben der FAO stieg die weltweite Produktion von 41.000 Tonnen im Jahr 1997 auf 1,6 Millionen Tonnen im Jahr 2014. Haupterzeugerland mit einem Anteil von über 90 Prozent ist Vietnam. Das südostasiatische Land liefert jedes Jahr Pangasius im Wert von 1,5 Milliarden Euro in 130 Länder.

Doch der Exportschlager hat gravierende Nachteile:

1. Die Fischzucht schädigt die Umwelt

Berichte über schmutzige Fischfarmen schreckten schon vor Jahren Verbraucher und Einzelhandel auf. Die Supermarktkette Carrefour listete in diesem Jahr alle Pangasius-Produkte aus Vietnam aus. In Spanien, einem der wichtigsten Abnehmerländer in der EU, sorgte ein Report über die Zuchtbedingungen in Vietnam für einen Umsatzeinbruch. Der Grund:

Fischzucht in Aquakulturen bringt große Mengen an Fäkalien, Medikamenten, vor allem Antibiotika, und Futterresten mit sich – allesamt Abfälle, die die Umwelt belasten. Hinzu kommen Reste von Desinfektions- und Algenvernichtungsmitteln. Da die Zuchtfarmen sich vor allem im Mekong-Delta befinden, wurde hier die Fischzucht zu einem der drängendsten Umweltprobleme überhaupt.

Der WWF bemängelt, dass es für die Zucht oft keine gesetzlichen Umwelt-, Sicherheits- oder Gesundheitsvorschriften gibt. Und dass bei der Errichtung häufig wertvolle Ökosysteme, zum Beispiel Feuchtgebiete, zerstört werden.

2. Der Futterbedarf dezimiert Wildfisch-Bestände

Pangasius ist zwar ein genügsamer Fisch, benötigt also nur geringe Eiweiß- und Fettmengen, um zu wachsen. Doch in der konventionellen Zucht werden überwiegend Fischmehl und Fischöl verfüttert. Für dessen Herstellung müssen Wildfische gefangen werden. Um ein Kilo Pangasius zu erzeugen, braucht es ungefähr ein Kilo Wildfisch. Das belastet die Wildfischbestände zusätzlich.

3. Fischfarmen sind nur eine andere Art der Massentierhaltung – mit denselben Tierschutzproblemen

Die Zucht von Fischen in Teichen oder Netzen in offenen Gewässern ist zwar praktisch für den Betreiber. Für die Tiere allerdings ist das eine Tortur. Auf einen Quadratmeter Teichfläche kommen in der Intensivzucht bis zu 300 Fische. Die Tiere, die sich in freier Natur aus dem Weg gehen können, müssen hier auf engstem Raum zusammengepfercht überleben – um schließlich beim Abfischen der Teiche zerdrückt zu werden oder auf dem Weg zum Markt oder zur Fabrik zu ersticken.

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Welcher Pangasius darf’s noch sein?

Generell ist wegen der Umwelt- und Tierschutzprobleme von Pangasius eher abzuraten. Greenpeace empfiehlt in seinem Fischratgeber 2016 lediglich Fische aus vietnamesischen, Naturland-zertifizierten Zuchten. Die Bio-Fische machen allerdings nur einen verschwindend geringen Anteil der Produktion aus. Der WWF ist etwas großzügiger und hält Fisch aus ASC-zertifizierten Zuchten für vertretbar. ASC ist der Nachhaltigkeitsstandard für Aquakulturen. Das Label soll garantieren, dass für die Farmen keine wertvollen Lebensräume zerstört werden, dass das Futter aus nachhaltigen Quellen stammt, Medikamente nur kontrolliert eingesetzt werden und die Verschmutzung der Gewässer auf ein Mindestmaß reduziert wird.