Blauer Schwede

Der "Blaue Schwede", auch "Blue Congo" genannt, stammt vermutlich aus Südamerika. Die alte Kartoffelsorte zeichnet sich durch ihren kräftigen, leicht süßlichen Kartoffelgeschmack und die blau-lila Färbung aus. Das violette Fleisch der Kartoffel wird beim Kochen zwar heller, behält aber seine blaue Tönung und bietet daher einen tollen Kontrast auf dem Teller.
 

Verantwortlich für die blaue Färbung sind sogenannte Anthocyane, natürliche Farbpigmente, die die Kartoffelpflanze vor gefährlichen Stoffen, den freien Radikalen schützen. Der "Blaue Schwede" gilt als außerordentlich gesund und ist damit eine sinnvolle, natürliche Nahrungsergänzung. Im Jahr 2006 wurde der "Blaue Schwede" sogar zur "Kartoffel des Jahres" gekürt.
 

  • Anbau: Der Anbau des "Blauen Schweden" ist einfach und unterscheidet sich kaum von anderen Kartoffelsorten. Die Kartoffelpflanze benötigt zum Wachsen viel Licht. Setzen Sie die Kartoffeln in 15 Zentimeter tiefe Löcher mit einem Abstand von etwa 40 Zentimetern, damit die Kartoffeln genug Platz zum Wachsen haben.
  • Aussaat: zwischen April und Mai
  • Ernte: Ende August bis September
  • Geschmack: kräftig, leicht süßlich
  • Verzehren: geeignet für Kartoffelsalat und als- Back- Pell- oder Salzkartoffel
  • Konsistenz: vorwiegend festkochend

Ochsenherz-Tomate

Weltweit gibt es gut 10.000 Tomatensorten: Salattomaten, Eiertomaten, Fleischtomaten und Cocktailtomaten in den verschiedensten Formen und Farben - fast alles ist möglich. Über Spanien, Frankreich und Italien gelangte das von den Azteken "Xitomatl" genannte Fruchtgemüse Anfang des 16. Jahrhunderts schließlich nach Deutschland.


Dass heutzutage die Tomaten aus dem Supermarkt meist nach nichts schmecken, daran haben wir uns schon gewöhnt. Ganz anders die Ochsenherztomate (auch "Coeur de Boeuf"), die ihrem Namen alle Ehre macht und sofort ins Auge fällt: Die Fleischtomatensorte kann nämlich bis zu 500 Gramm auf die Waage bringen und ihre Form und das Volumen erinnern tatsächlich an ein Ochsenherz.
 

  • Anbau: Samenkerne in feuchte Anzuchterde legen, mit Erde bedecken und Klarsichtfolie darüber spannen. Sobald die ersten Tomatensprösslinge zu sehen sind, die Folie entfernen und bei einer Höhe von etwa fünf Zentimetern in einen extra Topf geben. Nach der Frostzeit können die Ochsenherztomaten nach draußen gebracht werden. Wenn die Ochsenherztomaten eine kräftige Farbe haben und reif sind, können Sie die Tomaten ernten.
  • Aussaat: Mitte bis Ende Februar
  • Ernte: Ende Juli bis Anfang Oktober
  • Verzehren: Weil Ochsenherztomaten recht saftarm sind, eignet sich die Tomatensorte gut für Salate, Suppen und Soßen.
  • Geschmack: aromatisch, süß

Topinambur

Französische Seefahrer brachten den Topinambur (Helianthus tuberosus) Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa, dessen Knollen schon bald zur begehrten Delikatesse an den französischen Fürstenhöfen wurden. Als die Kartoffel jedoch die Topinamburknolle in der Mitte des 18. Jahrhunderts verdrängte, geriet die Knolle in Vergessenheit.


Die mehrjährige Pflanze trägt an ihren Stielen gelbe Sonnenblumen und überwintert mit etwa faustgroßen Rhizomen, den Topinamburknollen. Diese Knollen erinnern im Aussehen an Ingwer, schmecken ähnlich wie Artischocken und lassen sich zubereiten wie Kartoffeln. Topinambur ist zudem ideal für Typ-2-Diabetiker: Er steckt voller Ballaststoffe, hat wenig Kalorien und beeinflusst kaum den Blutzuckerspiegel.
 

  • Anbau: Der Topinambur-Anbau im Garten ist einfach, denn Topinambur stellt keine grossen Anforderungen an seinen Standort. Pflanzen Sie die Saatknollen im Frühjahr wie Kartoffeln, etwa einen halben Spaten tief und im Abstand von etwa 40 Zentimetern. Ideal ist ein lockerer, leicht sandiger Boden an einem sonnigen Platz.
  • Pflanzzeit: Februar bis Anfang Mai
  • Ernte: November bis März
  • Verzehren: Topinambur schmeckt sehr mild und passt hervorragend zu Fleisch und Fisch. Auch für die Suppe oder im Gemüseauflauf werden die Knollen gern verwendet. Roh geraspelt und mit feinem Öl angemacht verfeinert das Wurzelgemüse Salat.
  • Geschmack: mild nussig, süßlich
  • Hinweis: Wegen ihrer dünnen Schale sind Topinamburknollen, anders als Kartoffeln, kaum lagerfähig - sie faulen leicht. Am besten sind Topinamburknollen bis zum Kochen in der Erde aufgehoben.

Meerkohl

Der Meerkohl (Crambe maritima) wächst an den Küsten der Nordsee, des Atlantiks, des Baltikums und des Schwarzen Meeres. Während die Engländer ihren "Sekale", die Franzosen ihren "Chou marin" und die Niederländer ihren "Zeekool" nach wie vor anbauen, ist der Meerkohl in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert weitesgehend in Vergessenheit geraten - der Produktionsaufwand sehr hoch und weil in Deutschland kaum jemand mehr den Meerkohl kennt, ist der Absatz entsprechend gering.

 

  • Anbau: Meerkohl benötigt als Tierwurzler durchlässigen, nicht zu schweren Boden mit genügend Nährstoffen und Feuchtigkeit. Pflanzen Sie die Meerkohlpflanze an einem vorwiegend sonnigen Ort in die Erde.
  • Ernte: ab dem Frühjahr des dritten Jahres
  • Geschmack: herb, erinnert vage an Brokkoli
  • Verzehren: Meerkohl als Schaumsüppchen, im Kartoffelsalat oder als Meerkohlgemüse an Fisch
  • Hinweis: Das Sammeln von Meerkohl in der Natur ist nicht erlaubt, da dieser unter Naturschutz steht. Saatgut oder Pflanzen sind aber in gut sortierten Staudengärtnereien erhältlich.

Erdmandel

Dem ein oder anderen mag die Erdmandel (Cyperus esculentus) vielleicht im Spanienurlaub schon einmal begegnet sein: Als "Horchata de chufa" werden dort die kleinen Knollen der Pflanze als Erfrischungsgetränk überall angeboten.
 

Die Erdmandel-Pflanze ist eine krautige Pflanze und sieht aus wie Ziergras, doch ihr Talent verbirgt sich unterirdisch: Dort verbreitet sie sich über Rhizome, die ein dichtes Geflecht bilden und Speicherknollen anlegen. Diese braunen, etwa erdnussgroßen Knollen sind außerordentlich gesund, da sie viele Ballaststoffe und Kohlenhydrate enthalten, die Verdauung fördern und vor Magen-Darm-Erkrankungen schützen.
 

Für Nussallergiker ist die Erdmandel zudem eine tolle Alternative, da sie gut verträglich ist und bei Rezepten problemlos Nüsse oder Mandeln ersetzen kann. Außerdem sind die Knollen gluten- und laktosefrei!
 

  • Anbau: Die Erdmandel lässt sich ziemlich leicht im eigenen Garten anbauen. Legen Sie die kleinen Knollen vor dem Auslegen ein paar Tage in Wasser zum Quellen. Danach stecken Sie jeweils fünf kleine Knollen in Töpfe und halten diese warm und feucht. Nach der Nachtfrostperiode können die Pflänzchen im Abstand von etwa 30 Zenteimtern dann ausgepflanzt werden. Ein sandig-lehmiger Boden und eine gute Wasserversorgung sind für das Wachstum der Erdmandel optimal.
  • Aussaat: Februar bis März
  • Ernte: im Spätherbst
  • Geschmack: süß, ein Aroma frischer Mandeln und Kokosnüssen
  • Verzehren: Roh, gekocht oder geröstet sind Erdmandeln eine leckere Gemüsebeilage. Als Flocken verfeinern sie Müsli und zu Mus vermahlen ergeben die Knollen einen gesunden Brotaufstrich.
  • Hinweis: In der Naturheilkunde wird die Erdmandel als "Überlebensnahrung" betrachtet, da schon zwei Esslöffel ausreichen, um  den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Monstranzbohne

Um keine Bohne ranken sich so viele Legenden wie um die Monstranzbohne (Phaseolus vulgaris). Grund dafür ist ihre "himmlische" Zeichnung auf den Bohnensamen: Sie ähnelt nämlich der kirchlichen Monstranz, einem Aufbewahrungsgefäß für Hostien. Daher wird die Monstranzbohne seit Langem auch für die Fertigung von Rosenkränzen genutzt, indem die einzelnen Bohnen an einer Schnur aufgefädelt werden.
 

  • Anbau: Monstranzbohnen sind Stangenbohnen und bevorzugen einen sonnigen Standort mit humushaltigem Boden. Pflanzen Sie in zwei Zentimetern Tiefe etwa acht bis zehn Bohnen rund um eine Rankhilfe.
  • Aussaat: zwischen Mai und Juli
  • Ernte: Anfang September bis Mitte Oktober
  • Verzehren: Schmeckt gut als Suppe oder im Salat

Steirischer Ölkürbis

Als "König der Gärten" wird der Kürbis oft bezeichnet. Ein ganz besonderer lokaler Vertreter der Kürbisgewächse ist der "Steirische Ölkürbis" (cucurbita pepo), der eine ganze Region geprägt hat: Die Steiermark ist bekannt für ihr "Schwarzes Gold", das aromatische dunkelgrüne Öl aus den Kürbissamen. Dank seines intensiven, nussigen Geschmacks kann das Kürbiskernöl vielseitig verwendet werden.

 

  • Anbau: Kürbisgewächse lieben feuchtwarme, schattige Standorte. Gepflanzt werden sollte der Gartenkürbis im humosen, tiefgründigen, Boden mit guter Wasserversorgung.
  • Aussaat: Die Anzucht ist unkompliziert. Jungpflanzen können ab Ende April in den Garten gebracht werden.
  • Ernte: Spätsommer bis Herbst
  • Geschmack: aromatisch, nussig
  • Verzehren: Das Kürbiskernöl verfeinert Kürbisgerichte, aber auch Süßspeisen und sogar Eiscreme. Die Kürbiskerne entwickeln durch kurzes Rösten ein charakterisisches Aroma und schmecken pur oder leicht gesalzen, als Snack und als Zugabe im Salat oder Müsli.

Haferwurzel

Als Pendant zur Schwarzwurzel (rechts im Bild) wird die Haferwurzel (Tragopogon porrifoilius) auch "Weißwurzel" (links im Bild) genannt. Schriften des deutschen Bischofs und Albert Magnus (1200-1280) beweisen heute, dass die Haferwurzel hierzulande bereits seit dem 13. Jahrhundert kultiviert wurde. Als die Haferwurzel im 19. Jahrhundert jedoch von ihrer "schwarzen Schwester" verdrängt wurde, geriet sie in Vergessenheit. Zu Unrecht!

 

  • Anbau: Die Haferwurzel bevorzugt einen sandig humosen Boden, den Sie vor der Aussaat lockern sollten, damit die Wurzeln nicht verzweigen. Nach der Aussaat können Sie die grasartigen Jungpflanzen bald auf etwa zehn Zentimeter ziehen. Ab und an gießen und Unkraut jäten, mehr Aufwand ist gar nicht nötig, um Ende Oktober die ersten "vegetarischen Austern" ernten zu können.
  • Aussaat: März bis April in etwa zwei bis drei Zentimeter tiefe Saatrillen
  • Ernte: Ende Oktober bis November
  • Geschmack: süß-säuerlich / Manche erinnert ihr Geschmack an Austern, weshalb die Haferwurzel im Englischen "oyster plant" heißt.
  • Verzehren: Essbar sind vor allem die bis zu 30 Zentimeter langen Wurzeln. Haferwurzeln schmecken in der Suppe, als Püree oder als Gemüsebeilage. Im Frühjahr des zweiten Jahres bieten aber auch die jungen Blätter und Stengel wichtige Vitamine, die als Rohkost verzehrt oder wie Spargel zubereitet werden können.

Hopfenspargel

Der Hopfenspargel (Humulus lupulus) wird seit dem 8. Jahrhundert in Deutschland angebaut. Nüchtern betrachtet sind die Hopfensprossen ein Abfallprodukt des Hopfenanbaus: Für eine kräftige Hopfenpflanze genügen zwei bis sechs Triebe, doch der Stock treibt jedes Frühjahr wesentlich mehr. Diese Triebe müssen entfernt werden, damit die übrigen kräftig wachsen. Die überzähligen Jungtriebe heißen Hopfensprossen.
 

Daher waren Hopfensprossen früher ein Armeleuteessen. In Zeiten maschineller Bewirtschaftung geriet das "Nebenprodukt-Gemüse" jedoch in Vergessenheit. Die wichtigen Inhaltsstoffe machen Hopfensprossen jedoch zu einem sehr gesunden Nahrungsmittel: Lupolin etwa hilft bei Schlafstörungen und Xanthohumol ist – wissenschaftlich erwiesen – krebshemmend.

 

  • Anbau: Für den eigenen Gartenanbau sind Hopfensprossen kaum geeignet, denn die Ernte ist sehr mühsam und zeitintensiv. Die Erde über dem Wurzelstock wird mit einer Hacke abgetragen, dann die einzelnen Hopfensprossen vorsichtig per Hand abgebrochen. Nur wenige Zentimeter lange sind sie, mit dem Durchmesser eines Bleistifts.
  • Ernte: Mitte März bis Mitte April
  • Geschmack: leicht bitter-erdig, erinnert an grünen Spargel
  • Verzehren: Hopfensprossen sind vielseitig verwendbar: Als Salat, Suppe oder gedünstet als Gemüse zu Fisch. Besonders lecker: Cremiges Hopfenspargel-Risotto! Dazu die feinen Hopfensprossen erst ganz zum Schluss zum Reis hinzugeben - so bleibt das Aroma voll erhalten.
  • Hinweis: DaS Putzen des Rohgemüses erfordert sehr viel Gedung: Hopfensprossen sind ein Genuss, den man sich tatsächlich verdienen muss!

Wassernuss

Eine wirklich außergewöhnliche Pflanze ist die Wassernuss (Trapa natans), die auch als Wasserkastanie oder "Jesuitennuss" bekannt ist. Bereits in der Jungsteinzeit wurden die nussartigen Früchte der schwimmende Wasserpflanze als Nahrungsmittel verwendet.
 

Heute ist die Wasserpflanze in Deutschland wegen Flussbegradigungen, Regulierungsbauten oder Gewässerverschmutzung vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Im Jahr 2011 wurde die Wassernuss deshalb auch zur "Wasserpflanze des Jahres" gekürt.
 

Dem stärkehaltige Kern der Wassernuss-Früchte werden revitalisierende Kräfte zugeschrieben. Bisher liegen zwar keine eindeutigen Forschungsergebnisse zur medizinischen Wirksamkeit der Wassernusssamen vor, doch bereits Hippokrates soll Entzündungen verschiedener Art mit einem Getränk aus den Samen der Wassernuss behandelt haben.
 

  • Anbau: Im eigenen Gartenteich kann die Wassernuss ohne Probleme angesiedelt werden.
  • Ernte: September
  • Geschmack: nussig mild, erinnert dezent an Maroni
  • Verzehren: Die Wassernuss lässt sich wie Kartoffeln in Salzwasser zubereiten oder in der Pfanne rösten. Zerkleinert und getrocknet lässt sich die Wassernuss als Mehl beim Brotbacken verwenden.
  • Hinweis: Das Fruchtfleisch der Wassernuss ist essbar, muss jedoch vor dem Essen erhitzt werden.

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