Mailand, Bosco Verticale

Mein Balkon, der Wald: Für seinen Wohnkomplex Bosco Verticale („Vertikaler Wald“) in Mailand bekam der Architekt Stefano Boeri den Internationalen Hochhauspreis. Die 80 und 110 Meter hohen Zwillingstürme stehlen dem Pirelli-Wolkenkratzer aus den 1960ern und dem verschneiten Gipfel des Monte Rosa die Show. Von 2008 bis 2013 wurden die mit 800 Bäumen und 20.000 Sträuchern begrünten Türme errichtet. Die Bäume auf den Terrassen sollen bis zu neun Metern hoch werden. Dafür waren besonders dicke Böden notwendig.

Taipeh, Forest Bus

Mehr Kunstprojekt als ernsthafte Maßnahme zur Stadtbegrünung war der sogenannte Forest Bus, der 2017 eine Woche lang im Großstadtverkehr von Taipeh pendelte. Im fahrenden Wald des Künstlers und Floristen Alfie Lin saßen die Passagiere inmitten von Farnen, Lianen, Orchideen und Lilien. Der grasbewachsene Boden, Bäume und Palmen zwischen den Stehplätzen machten den Bus zum grünen Lichtblick in Taiwans Hauptstadt. Der Dschungel auf Rädern begeisterte Touristen und Einwohner, eine Fortsetzung des Projekts wurde jedoch bislang nicht verkündet.

New York, High Line Park

Einst eine Güterzugtraße im Westen von Manhattan, heute ein 2,33 Kilometer langer Garten: Die High Line wurde 1980 stillgelegt und teilweise abgerissen. Die Reste zwischen der 34. Straße und der Gansevoort Street im West Village wurden von 2006 bis 2014 zu einer Parkanlage umgebaut. Seitdem zieht sich die ehemalige Zugstrecke, die 1932 vor allem die Industriebetriebe im Meatpacking District anbinden sollte, wie eine grüne Schlange durch den ehemaligen Arbeiterbezirk – heute natürlich angesagtes Szeneviertel.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Von 1901 bis 1985 pumpten Hochöfen des Hüttenwerks in Duisburg-Meiderich schwarzen Qualm in den Ruhrpott-Himmel. Heute hat sich das Blatt gewendet. In der alten Industriebrache entstand ein weitläufiger Landschaftspark, nach und nach eroberte die Natur Gebäude, Schlote und Stahlskelette. Wo einst Arbeiter schufteten, finden Menschen nun Kultur und Erholung: Aussichtsplattformen auf dem Hochofen 5, Kletter- und Bunkergärten, Flusspromenaden, eine Tauchlandschaft im Gasometer, ein Sommerkino.

Singapur, Supertrees und Gardens by the Bay

Wie gigantische Pilze von einem anderen Stern wachsen die Supertrees aus dem Großstadtdschungel in den Gardens by the Bay in Singapur. Die knallbunte Beleuchtung bei Nacht verstärkt diesen Eindruck der 25 bis 50 Meter hohen bewachsenen Stahlgerüste nur noch: dann erstrahlen die seltenen Pflanzenarten in pulsierenden Farbspielen. Solarpanels liefern den nötigen Strom für Licht und Aufzucht. Das Parkgelände erstreckt sich über 101 Hektar auf künstlich aufgeschüttetem Land im Zentralbezirk. Mit diesem gigantischen Projekt möchte die Regierung des Stadtstaates in Südostasien die „Gartenstadt“ in eine „Stadt im Garten“ verwandeln.

Hamburg, Übel & Gefährlich

Umfunktioniert ist der ehemalige Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg bereits: Der Musikclub und Konzertort „Übel & Gefährlich“ in Sankt Pauli lockt vor allem Nachtschwärmer zum Tanzen zwischen die meterdicken Betonwände. Nun ist zusätzlich auf dem Dach ein urbanes Biotop geplant. Fraglich sind nur noch Art und Ausmaß der Bepflanzung. Die Konzepte sehen bereits vielversprechend aus.

Mexico City, Vertical Gardens

Warum das Grün nicht direkt dort ansiedeln, wo Luftverschmutzung entsteht? Dies ist der Gedanke hinter den Vertical Gardens in Mexico City. Hunderte Betonpfeiler der Großstadttraßen sind mit Efeu und anderen Wucherpflanzen bewachsen. Gekrönt wird das ganze von rechtwinkligen Skulpturen, an denen 50.000 Pflanzen emporranken. Sie stehen an einer der meistbefahrenen Kreuzungen der Metropole, die wegen des Smogs gelegentlich auch „Mexsicko City“ genannt wird.

Manila, grüne Streetart

Diese Pflanzen und Gebilde in Manila sind zwar nur aufgemalt, haben aber einen Clou. An den Betonwänden und Pfeilern der Hauptverkehrsader inmitten der philippinischen Hauptstadt verschönert die grüne Streetart nicht nur die Umgebung. Sie leistet dank bestimmter Dioxide einen kleinen Beitrag zur besseren Luft. Das kann bei den Millionen täglich vorbeifahrenden Autos durchaus einen Unterschied machen, auch wenn es das Problem natürlich nicht löst.

Zürich, MFO-Park

Stillgelegte Industrie wird häufig zum Spielplatz kreativer Stadtplaner. In der ehemaligen Maschinenfabrik Oerlikon in Zürich entstand ein 100 Meter langes und 17 Meter hohes Stahlgerüst, das über die Jahre immer weiter zuwuchert. Treppen, Galerien, Balkone, Rankenseile und Pflanzenplattformen machen die Konstruktion zu einem verwinkelten Garten auf mehreren Ebenen. Im Inneren finden Kulturveranstaltungen statt, im Herbst erstrahlt der Pflanzenpalast im Rot des Wilden Weins.