Dauerpatienten Nord- und Ostsee, Flüsse und Seen

Grund zur Freude bietet die Badegewässerqualität: Demnach ist der Zustand von 91 Prozent aller untersuchten Gewässer „ausgezeichnet“. Anders sieht es allerdings bei der Bewertung des ökologischen Zustandes von Binnengewässern und Meeren aus. Nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie sollten bis 2015 alle Flüsse in einem mindestens guten Zustand sein. Kommentar des UBA: „Dieses Ziel wurde verfehlt.“ Im Stichjahr waren immer noch fast ein Fünftel aller Flüsse in einem schlechten Zustand. Grund dafür sind vor allem Eingriffe des Menschen wie Begradigungen und überschüssige Nährstoffe aus der Landwirtschaft.

Zu viel Verkehr

Die gute Nachricht zuerst: Güter- und Personenverkehr sind seit 1991 wesentlich effizienter geworden. Die schlechte: Der Energieverbrauch insgesamt sinkt einfach nicht – sondern stagniert auf einem hohen Niveau. Um das Ziel der Bundesregierung, den Verbrauch gegenüber 2005 bis 2050 um 40 Prozent zu verringern, noch zu erreichen, müssten weitergehende Maßnahmen ergriffen werden. Gemeint ist damit auch eine Maut für alle Autobahnnutzer.

Die Landwirtschaft belastet Böden, Grundwasser und Klima

Positiv: Die Fläche von biologisch wertvollem Grünland steigt wieder – eine Folge der letzten EU-Agrarreform. Auch der Anteil an artenreichen Mischwäldern wächst. Erfreulich ist auch, dass die Flächen wachsen, die biologisch bewirtschaftet werden. Denn der ökologische Landbau schont Boden, Grundwasser und Klima. Allerdings wachsen diese Flächen nicht so schnell wie wünschenswert wäre. Heute liegt der Anteil der Bio-Flächen bei nur 6,5 Prozent. Problematisch bleibt weiterhin der sogenannte Stickstoffüberschuss. Denn über Düngemittel und Gülle landet doppelt so viel Stickstoff auf deutschen Äckern wie ihnen in Form Ernteertrag wieder entzogen wird. Der Überschuss landet im Grundwasser, in Flüssen und Bächen – und schließlich in Nord- und Ostsee.

Klimarettung verschoben

Nicht besser sieht es im Bereich Klima aus. Seit 1990 sind die Emissionen zwar um mehr als ein Viertel gesunken. Klingt nach viel, ist es aber nicht, gemessen an den Zielen der Bundesregierung. Demnach sollen die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent, bis 2050 um bis zu 95 Prozent zurückgehen. Im Problemfeld Verkehr sind sie seither sogar leicht gestiegen. Fazit des UBA: "Ohne massive und rasche zusätzliche Anstrengungen werden die gesetzten Ziele nicht erreicht."

Der Energieverbrauch sinkt zu langsam

Der Energieverbrauch für das Heizen von Gebäuden sank von 2008 bis 2015 um mehr als 11 Prozent – dank besserer Neubaustandards und einer energetischen Sanierung des Bestandes. Auch der Anteil der erneuerbaren Energien am verbrauchten Strom stiegt in den vergangenen Jahren rasant: von 6,2 Prozent im Jahr 2000 auf 31,7 Prozent im Jahr 2016. Allerdings sinkt der gesamte Verbrauch von Kohle, Öl, Gas und anderen Energieträgern bei weitem nicht so stark wie geplant. Das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, den Verbrauch gegenüber 2008 bis 2050 zu halbieren, dürfte kaum zu erreichen sein. Denn bisher sank der Verbrauch nur um knapp 7 Prozent.

Flächenschwund und ökologische Verarmung nicht gestoppt

Jeden Tag wird in Deutschland eine Fläche von 66 Hektar Boden zugepflastert, asphaltiert oder bebaut: viel zu viel. Von dem Ziel der Bundesregierung, den Flächenfraß bis 2020 auf 30 Hektar täglich zu begrenzen, sind wir weit entfernt. Auch die Artenvielfalt auf dem Acker schwindet, abzulesen an einst so wichtigen Vogelarten wie Kiebitz oder Feldlerche. Ihre Bestände schrumpfen dramatisch.

Wir konsumieren weiter klimaschädlich

Die Emissionen der privaten Verbraucher (gemeint ist Kohlendioxid, das zum Beispiel bei der Verbrennung von Benzin und Heizöl entsteht, aber auch in gekauften Produkten steckt) sind seit 2000 nicht gesunken. Sondern sogar leicht gestiegen – von 660 Millionen Tonnen auf 668 Millionen Tonnen. Schuld daran sind laut UBA auch Importgüter, die im Ausland klimaschädlich hergestellt werden.

Beim Recycling ist noch Luft nach oben

Siedlungsabfälle werden heute schon zu zwei Dritteln wiederverwertet. Allerdings gibt es in einigen Bereichen noch Nachholbedarf. So stellt das UBA fest, dass noch immer Kunststoffe aus Gewerbeabfällen und Verpackungen ungenutzt auf der Mülldeponie oder in der Müllverbrennungsanlage landen. Nämlich mehr als eine Millionen Tonnen jährlich.

Grüner wirtschaften

Unternehmen, die umweltfreundlich und kostensparend produzieren wollen, können sich nach EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) zertifizieren lassen. Dabei werden die Umweltaspekte von Produkten und Dienstleistungen durchleuchtet. Bislang haben sich 1225 Unternehmen mit 2111 Produktionsstandorten zertifizieren lassen. Im Jahr 2030 sollen es nach dem Willen der Bundesregierung 5000 sein. Da ist also noch Luft nach oben.