Ernährung und Nachhaltigkeit Ist Tofu schlecht für die Umwelt?

Viele Vegetarier und Veganer decken ihren Proteinbedarf mit Soja-Produkten, wie zum Beispiel Tofu. Schaden sie damit Klima und Umwelt?
Tofu

Bohnenquark, wie Tofu auch genannt wird, ist ein traditionelles Lebensmittel in China. Und beliebt bei Vegetariern

Ist der Verzehr von Tofu schlecht fürs Klima?

"Euretwegen wird der Regenwald gerodet!", schallt es manchem Vegetarier entgegen. Der Konsum sojahaltiger Produkte wie Tofu oder Sojamilch soll schuld daran sein, dass der Regenwald in Südamerika schwindet. Was wiederum den Klimawandel antreibt. Sind vielleicht gerade diejenigen die wahren Umweltsünder, die versuchen, sich besonders rücksichtsvoll zu ernähren und Tofu zu essen? Was ist dran an dem Vorwurf?

Zunächst einmal: Nichts und niemand ist allein schuld daran, dass der Regenwald gerodet wird. Nicht der südamerikanische Bauer, der Grasland oder Wald in Ackerland umwandelt, nicht die Regierung eines Landes, kein multinationaler Agrarkonzern, nicht weltweite Wirtschaftsbeziehungen, nicht die Konsumenten von Produkten wie Tofu, die aus der Bohne hergestellt werden. Es sind alle zusammen.

Alle zusammen haben dafür gesorgt, dass Brasilien seine Anbauflächen in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt hat und nun jährlich fast 90 Millionen Tonnen Soja erzeugt. Überwiegend für den Export. Zum Beispiel nach Deutschland.

Hier landen die Sojabohnen in allen möglichen Produkten. Unter anderem in Speiseölen, Schokolade, Keksen, Speiseeis, aber auch in Biokraftstoffen, in Schmieröl, Druckfarbe, Folien, Zigarettenfiltern, Hautcremes oder Medikamenten. Aus den Konsumwelten der Industrienationen sind Sojabohnen gar nicht wegzudenken. Und niemand, der nicht Selbstversorger ist, hat einen Überblick darüber, wie viel Soja er wirklich konsumiert.

Der weitaus größte Anteil unserer Soja-Importe, mehr als 80 Prozent, landet aber nicht in Vegetarier-Snacks – sondern in eiweißreichen Futtermitteln für die industrielle Tiermast. Und das ist in mehrfacher Hinsicht problematisch.

Denn in den Ursprungsländern werden nicht nur Grünland und Regenwald in Ackerwüsten verwandelt. Zum Einsatz kommen inzwischen fast ausschließlich (90 Prozent) gentechnisch veränderte Pflanzen, massiver Glyphosat-Einsatz inklusive.

Kollateralschäden in Soja-Importländern

Aber auch Europa leidet unter den millionenschweren Importen der Sojabohnen. Denn deren Nährstoffe landen, nachdem sie durch die Mägen des Mastviehs gegangen sind, als Gülle und Mist auf unseren Äckern. Und finden sich schließlich als Nitratbelastung in unserem Grundwasser wieder.

Darüber hinaus ist die Fleischproduktion, mit oder ohne Soja, ineffizient. Um eine Kalorie fleischlicher Nahrung zu erzeugen, braucht es sieben pflanzliche Kalorien. Daraus ergibt sich ein Punktvorteil für Vegetarier und Veganer: Sie verwerten die pflanzlichen Nährstoffe direkt. (Übrigens kann der menschliche Körper Soja-Eiweiß ähnlich gut verwerten wie tierisches.)

Natürlich hat der Pflanzenesser, der nicht auf die Herkunft seiner Lebensmittel achtet, immer noch einen winzigen Teil des brasilianischen Regenwalds auf dem Gewissen. Aber – je nach den sonstigen Konsumgewohnheiten – einen viel kleineren als regelmäßige Steakesser. Britische Forscher haben errechnet, dass Veganer im Vergleich zu Fleischessern nur rund die Hälfte der Treibhausgasemissionen verursachen.

Die unbedenklichste Lösung ist Soja aus ökologischem, europäischem Anbau. Auf manchen Produkten prangt schon der Hinweis "Mit Bio-Soja aus Europa". Allerdings ist der Anbau hierzulande noch eine Nische, selbst der konventionelle. Rund 30.000 Tonnen Soja ernten deutsche Bauern im Jahr. Dem steht das 140-Fache an Importen gegenüber.

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