1. Wasser aus der Flasche ist gesünder

Leitungswasser ist eines der in Deutschland am besten kontrollierten Lebensmittel. Gesundheitliche Gefährdungen durch Rückstände aus der Landwirtschaft (Pestizide, Nitrat) sind so gut wie ausgeschlossen. Zudem enthalten die meisten Mineralwässer nur wenig mehr Mineralien als Leitungswasser (sind dabei aber um ein Vielfaches teurer - in Hamburg zum Beispiel kostet ein Liter Leitungswasser nicht einmal 0,2 Cent, für ein prestigeträchtiges Mineralwasser muss man dagegen locker das 500-Fache berappen). Die meisten lebenswichtigen Mineralien nehmen wir ohnehin mit der festen Nahrung auf. Allerdings enthalten einige Mineralwässer größere Mengen Kalzium, die für Vegetarier und Veganer interessant sein können. Außerdem zu beachten: Punkt 2 unserer Irrtümer-Liste

2. Wenn die Wasserwerke die Grenzwerte einhalten, kommt garantiert sauberes Wasser aus meiner Leitung

Nicht unbedingt. Denn die Wasserversorger sind zwar für die Reinheit ihres Produkts verantwortlich – aber nur vom Wasserwerk bis zum Hausanschluss. Die Rohrleitungen im Haus sind Sache des Eigentümers. Falls im Haus noch Bleileitungen verlegt sind, müssen Schwangere und Kinder sicherheitshalber zu Mineralwasser greifen. Und bei ihrem Vermieter darauf drängen, dass die Bleirohre durch unbedenkliche Materialien ersetzt werden. In jedem Fall sollten Sie Wasser, das länger in der Leitung gestanden hat, vor dem Trinken so lange laufen lassen, bis es kalt ist.

3. In Deutschland gibt es genug Grundwasser, da ist Wassersparen Unsinn

Die Deutschen verbrauchen privat immer weniger Wasser. Vor 25 Jahren waren es im Durchschnitt noch 144 Liter pro Kopf und Tag. Heute sind es nur noch 121 Liter. Aber macht das Wassersparen überhaupt Sinn? Richtig ist: Unsere Grundwasserreserven reichen locker, um unseren Bedarf zu decken. Allerdings gibt es gute Gründe für das Wassersparen. Denn ökologisch relevant ist auch der Energieverbrauch für die Förderung, Aufbereitung, den Transport und die Reinigung von Leitungswasser. Besonders das Erhitzen von Wasser kostet viel Energie: Rund 13 Prozent unseres Energieverbrauchs zu Hause gegen auf das Warmwasser-Konto. Langes Händewaschen ist also ok. Aber bitte kalt.

Auch dass durch die Wassersparerei unsere Abwasserkanäle verschlammen, ist nicht ganz richtig. Denn zwar sind die Abwassermengen durch unseren sparsameren Wasserverbrauch gesunken. Allerdings sind für das Durchspülen von Abwasserkanälen starke Regengüsse ohnehin sehr viel effektiver. Das zusätzliche Durchspülen ist nur selten erforderlich – und dient dann vor allem der Geruchsbeseitigung.

4. Wasserarmen Weltgegenden nützt es gar nichts, wenn wir in Deutschland weniger Wasser verbrauchen

Stimmt nicht. Zumindest dann nicht, wenn man nicht nur das Wasser einrechnet, das wir direkt aus dem Hahn zapfen – sondern auch unseren virtuelle Wasserverbrauch. Zwar nutzen die Deutschen im Schnitt „nur“ 121 Liter täglich. Doch weit mehr Wasser ist in Produkten versteckt, die wir jeden Tag kaufen: fast 4000 Liter. Denn in vielen Produkten stecken enorme Mengen Wasser – die oft in Gegenden verbraucht werden, in denen das Nass knapp ist. Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch werden 17.871 Liter Wasser benötigt. Mit derselben Menge könnte man auch 110 Vollbäder nehmen.

5. Wasser ist farblos

Ob Leitungs- oder Meerwasser: Wasser reflektiert nicht einfach nur das Himmelsblau. Es hat tatsächlich eine Farbe: blau. Das kann man allerdings nur sehen, wenn man – wie etwa Taucher –  in eine längere Wassersäule blickt. Ein Glas mit Trinkwasser reicht dafür nicht aus. Die Farbe rührt daher, dass die Wasserstoffatome (H) im Wasser (H2O) das Molekül in Schwingung versetzen. Und bestimmte Kombinationen dieser Schwingungen schlucken 100-mal mehr rotes als blaues Licht. Darum bleiben aus dem Sonnenlicht vor allem die blauen Anteile übrig.