Neuseeland Maori-Fluss erhält Rechte als Person

Ein einzigartiges Gesetz sichert in Neuseeland einem Wasserlauf Rechte zu – Rechtsbeistand inklusive
Whanganui

Der Wanghanui River ist nicht nur eine touristische Attraktion - sondern auch mythischer Vorfahr der Maori

Der Whanganui-Fluss auf der Nordinsel Neuseelands ist nur der drittlängste Wasserlauf des Landes. Aber wie kein anderer repräsentiert er die Schönheit und Vielfalt der Landschaft, die er auf dem Weg zum Pazifik durchfließt: Bergland, Regenwälder, ausgedehntes Grasland und Küstendünen. Aber noch etwas macht ihn weltweit einzigartig: In dieser Woche trat ein Gesetz in Kraft, das ihn zu einer Person erklärt. Und mit Rechten ausstattet – ähnlich den Grundrechten der Menschen.

Die Richter folgten damit der Argumentation der Maori, der Fluss sei kein Ding, sondern ein Lebewesen. Tatsächlich spielt der Whanganui River in der Weltanschauung der Ureinwohner, der  Whanganui Iwi, eine zentrale Rolle. Sie sehen und verehren in ihm einen mythischen Vorfahren. „Die Sicht der vergangenen 100 Jahre ist, dass man den Fluss besitzen und managen kann. Doch für uns ist er ein lebendes Wesen, ein unteilbares Ganzes“, sagte Gerrard Albert, der Verhandlungsführer des Maori-Stammes. „Wir sind nicht die Herrscher über die Natur, sondern ein Teil von ihr“, so Albert weiter. „Dieser Grundüberzeugung gemäß wollen wir leben.“

„Es mag manchem zunächst merkwürdig vorkommen, dass ein Naturgegenstand als juristische Person anerkannt wird“, erklärte Chris Finlayson, Verhandlungsführer der Regierung. „Aber es ist nicht merkwürdiger als der Status von Stiftungen, Unternehmen oder Aktiengesellschaften.“

Ähnlich wie das deutsche kennt auch das neuseeländische Recht einen Unterschied zwischen natürlichen und juristischen Personen. Natürliche Personen können nur Menschen sein. Juristische Personen dagegen sind beispielsweise Vereine und Stiftungen. Und in Neuseeland gehört nun auch ein Fluss dazu.

Da der seine Interessen vor Gericht nicht selbst vertreten kann, bekommt er zwei Vertreter an die Seite gestellt: einen von der neuseeländischen Regierung und einen von den Whanganui Iwi.

Das Gesetz markiert den Endpunkt des wohl ältesten Rechtsstreits Neuseelands. Seit über 140 Jahren kämpfen die Maori um die Anerkennung des Flusses als Lebewesen.

Für Natur- und Tierschützer ist das Gesetz ein weiterer Schritt auf dem Weg zu effektiverem Natur- und Tierschutz. So fordern Tierrechtler Persönlichkeitsrechte für unsere nächsten Verwandten, um sie vor der Willkür des Menschen zu schützen. Und der australische Philosoph John Hadley plädiert für Eigentumsrechte für Tiere, um ihre Lebensräume besser schützen zu können.