1. Cabernet Sauvignon in Deutschland

Schon heute gedeihen schwere rote Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot auf deutschen Weinhängen, sie machen aber nur einen geringen Anteil des Weinbaus aus. Nimmt in den kommenden Jahrzehnten die Zahl an Hitzetagen und tropischen Nächten weiter zu, könnten insbesondere sonnige Südlagen zu warm für hitzeempfindliche Sorten wie den Riesling werden, prognostiziert das Deutsche Weininstitut, ein Vermarktungsbüro der deutschen Weinwirtschaft. Schon jetzt profitieren außerdem die nördlichsten deutschen Gebiete wie etwa die Mansfelder Seen bei Höhnstedt – ihr Wein dürfte künftig besser werden.

2. Kalmare statt Kabeljau

Schon heute erwärmt sich das Wasser der Nordsee immer früher im Jahr. Um zu laichen, braucht der Kabeljau jedoch niedrige Temperaturen von vier bis sechs Grad Celsius, dann schlüpfen die Larven zwei bis vier Wochen später. Falls dies wegen der Erwärmung zu früh im Jahr erfolgt, finden sie nicht genug Nahrung und verhungern. Fische aus wärmeren Meeren, etwa die Streifenbarbe, werden bald in der Nordsee überwintern können. Südlich von Helgoland werden regelmäßig laichende Sardellen beobachtet. In den Niederlanden gibt es bereits Fischer, die gezielt Kalmare fischen. Bei einer anhaltenden Erwärmung des Klimas ist damit zu rechnen, dass diese Arten sich weiter nach Norden ausbreiten.

3. Längere Trockenperioden

Falls es gelingt, den CO2-Ausstoß spürbar zu verringern, wird die Erdtemperatur bis 2040 im Schnitt um zwei Grad Celsius steigen. Für die deutsche Landwirtschaft könnte das bedeuten, dass Sorten, die an ein kühles, feuchtes Klima angepasst sind (etwa Roggen, Winterweizen), weniger gut gedeihen. Dafür dürften künftig Pflanzen, die bisher nur weiter südlich angebaut wurden, auch in Deutschland zu voller Reife gelangen. Auf längere Trockenperioden ist die Landwirtschaft heute vielerorts nicht vorbereitet. Landwirte sollten künftig ihre Felder stärker beregnen und entsprechende Anlagen installieren, auch wenn es teuer ist. Denkbar wäre auch, dass Staat und Versicherungen gemeinsam mit den Landwirtschaftsverbänden Policen entwickeln, um Ernteausfälle, etwa durch Schädlingsbefall, abzumildern.

4. Fehlende Überschwemmungsflächen

Überschwemmungen wie 2002 oder 2013 im Elbe- und im Donaugebiet waren auch deshalb so verheerend, weil die Flusssysteme an vielen Stellen begradigt und unmittelbar entlang der Ufer eingedeicht sind. Dadurch fehlen natürliche Überschwemmungsflächen. Im Rahmen eines WWF-Projekts werden zwischen 2010 und 2017 auf einem sieben Kilometer langen Abschnitt etwa 25 Kilometer elbabwärts von Vockerode die Deiche ins Hinterland verlegt.

5. Helle Häuser

Der kühlende Effekt hellerer Fassaden, hat der Meteorologe Joachim Fallmann vom britischen Wetterdienst ermittelt, reduziert die Bewegung der Luft und bewirkt, dass etwa Feinstaub in unteren Luft- schichten verbleibt. Begrünte Dächer oder sogar Fassaden tragen dazu bei, die Luft zu reinigen. Und das Kiessubstrat, auf dem die Pflanzen wachsen, nimmt Regenwasser auf. In Bremen gibt es bereits eine Straße, die an zunehmenden Starkregen angepasst ist. Die Rinnsteine, die Bürgersteige von Fahrbahnen trennten, sind dort breiten Auffangbecken gewichen, die bei Starkregen das Wasser auf Freiflächen leiten – Parkplätze, Spielplätze oder Seitenstraßen. Dort versickert es, ohne Schaden anzurichten. In derselben Straße wurde auch der Feldahorn gepflanzt, der Wetterextreme besser verträgt als klassische Straßenbäume.

6. Tropische Mücken

Seit 1976 geht am Oberrhein die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) gegen Stechmücken vor. Die beiden Hubschrauber, die sie dazu einsetzt, verteilen in jedem Frühsommer etwa 200 Tonnen eines Eisgranulats, das Wirkstoffe des Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) enthält. Die BTI-Toxine zersetzen die Darmzellen der Insekten. Zusätzlich versprühen Hunderte Mitarbeiter BTI mit Handspritzen. Die KABS verteilt außerdem BTI-Tabletten für private Regentonnen. Dadurch sterben bis zu 95 Prozent der Stechmücken. Seit einigen Jahren treten in Südwestdeutschland potenzielle Überträger tropischer Krankheiten auf; der Stich der Asiatischen Tigermücke etwa könnte zu Denguefieber führen, jener von Sandmücken zu Leishmaniose. Voraussichtlich werden tropische Mücken in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland heimisch werden.

7. Schnee-Farmen

Wissenschaftler des Schweizer Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) optimieren das „Snow Farming“: Sie tragen große Schneemengen zusammen und bedecken sie etwa mit Sägemehl und einer reflektierenden weißen Folie. Bei guten Bedingungen „übersommern“ auf diese Weise vier Fünftel des geschützten Schnees. Fabian Wolfsperger vom SLF rechnet damit, dass nach 2050 zwar in Lagen über 2000 Meter noch Schnee fallen wird und etwa Skisprungturniere auf Naturschnee möglich bleiben werden. Die Zeit des Wintersports als – einigermaßen erschwingliches – Massenphänomen werde aber wohl bald vorübergehen.