Clueso in Äthiopien "Diese Bilder nimmt man mit nach Hause"

Seit vielen Jahren unterstützt der Musiker Clueso die Initiative "Viva con Agua". Zehn Tage ist er durch Äthiopien gereist, um sich deren Wasser- und Hygieneprojekte vor Ort anzuschauen. Wir sprachen mit dem Künstler über seine Erfahrungen in einem der ärmsten Länder der Welt
Clueso in Äthiopien

Der Musiker Clueso ist  zu den Wasserprojekten von Viva con Agua gereist, um Bewusstsein für die Situation in Äthiopien schaffen

Du bist mit Freunden und Vertretern des gemeinnützigen Vereins „Viva con Agua“ durch Äthiopien gereist. Wie hast du die Wasserknappheit vor Ort erlebt?

Wenn man einen 12-Jährigen trifft, der kilometerweit einen Kanister auf dem Kopf trägt, wird einem das Problem sehr bewusst. Vor allem, wenn man mal versucht den Kanister selbst eine Weile zu tragen. Diese Bilder nimmt man mit nach Hause. Und dann guckst du ins Klo, ziehst ab und denkst: Und dafür nutzen wir Trinkwasser?!

Deine Beziehung zum Wasser hat sich also verändert?

Zumindest nehme ich die Selbstverständlichkeit, mit der wir Wasser nutzen anders wahr. Wir diskutieren hier oft über die Qualität unseres Leitungswassers. Aber wir vergessen dabei, dass sehr viele Teile der Welt überhaupt keinen Zugang zu genießbarem Wasser haben. Da muss man sich fragen: Was ist eigentlich die Realität? Für mich ist sie das, was auf den überwiegenden Teil der Menschen zutrifft. Unser Komfort ist eigentlich die Ausnahme. Mein Engagement für „Viva con Agua“ zielt deshalb auch darauf Lebensfreude zu verbreiten und die Sinne dafür zu schärfen, wie gut es uns geht.

Gerade in Deutschland ernten Künstler, die sich engagieren, auch hämische Kommentare...

Unsere Reise wurde von der Firma Adobe mitunterstützt. Dazu gab es in den Sozialen Netzwerken Stimmen, die sagten, wir hätten uns kaufen lassen. Was natürlich Unsinn ist. Das schöne am Internet ist aber, dass sich so etwas fast von selbst regelt. Es entsteht eine offene Diskussion zwischen Kritikern und Unterstützern, in die ich kaum eingreifen muss.

Video-Interview: Ein Gespräch über Musik als völkerverbindendes Element

Wie kam es eigentlich dazu, dass du „Viva con Agua“ schon von Beginn an unterstützt?

Weil es ein ganz normales Kennenlernen war. Ich fand die Gründer cool und wir haben gut zusammengepasst. Nur so funktionieren dann auch die gemeinsamen Projekte. Ähnlich ist es übrigens mit meiner Musik: Wenn ich Songs aufnehme mit Leuten, die ich sehr gerne mag, dann werden die auch gut.

Hast du nach deiner Reise das Gefühl, die Hilfe bewirkt wirklich etwas?

Wenn du in einem Dorf bist und 200 Menschen in die Augen blickst, deren Lebensqualität enorm gestiegen ist, nur weil sie jetzt einen Brunnen haben, dann spürst du: Ja, die Hilfe bringt etwas – auch wenn es vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Was müsste passieren, damit es mehr ist?

Das Bestreben muss natürlich sein, dass sich die Leute irgendwann selbst helfen können. Aber dafür muss man ein Fundament bilden und Wissen weitergeben. Es ist auch ein großes Ziel „Viva con Agua Äthiopien“ aufzubauen, wo Äthiopier selbst Ideen entwickeln und umsetzen. Ein Projekt in Sodo im Süden Äthiopiens hat mich deshalb besonders beeindruckt. Hier waren die Äthiopier richtig mit dabei – unter ihnen ein 15-Jähriges Mädchen. Sie hat ein paar Probleme in der Schule, aber im Wasserprojekt ist sie total engagiert. Und wer weiß: Vielleicht macht sie ja irgendwann „Viva con Agua Äthiopien“. Immerhin gibt es seit 2015 auch Viva con Agua in Uganda – einige junge Studenten bauen die Organisation dort gerade auf und haben auch schon eigene Spendengelder gesammelt, z.B. während eines Festivals zum Weltwassertag. Die Bewegung „Viva con Agua“ wird international!

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