Green Living Wer viel verdient, schadet der Umwelt mehr

Besserverdiener leben meist klimaschädlicher als Menschen mit kleinem Einkommen. Das zeigt eine Erhebung des Umweltbundesamts. Ob sie sich für umweltbewusst halten, spielt kaum eine Rolle
Umweltauswirkungen des Konsums

Mehr Luxus, mehr Umweltauswirkungen: Wer mehr verdient, hat meist auch eine schlechtere Ökobilanz

Welche Personengruppe lebt besonders umweltfreundlich? Wer gut verdient, gut gebildet ist und sich biologische Lebensmittel und energieeffiziente Geräte leisten kann? Das sollte man meinen. Aber weit gefehlt. Nach einer aktuellen Studie des Umweltbundesamts ist das Gegenteil richtig: In der Regel sind Besserverdiener die weitaus größeren Umweltsünder als Geringverdiener. Einfach, weil sie mehr konsumieren. Sie unternehmen mehr und weitere Reisen, sie wohnen auf größerer Fläche, verbrauchen mehr Energie zum Heizen und kaufen mehr Geräte.

Besonders deutlich wird das am Beispiel Mobilität: Wer 2014 monatlich weniger als 1300 Euro netto zur Verfügung hatte, gab durchschnittlich 62 Euro für seine motorisierte Mobilität aus. Also etwa für das eigene Auto, Flug- oder Bahnreisen. Wer dagegen zwischen 5000 und 18.000 Euro verdiente, investierte mehr als das Zehnfache, 677 Euro. Für die Wohnung und das Heizen ist es immerhin noch das Dreifache, 472 Euro bei den Geringverdienern, 1334 Euro bei der höchsten Einkommensgruppe.

Umweltbewusstsein spielt kaum eine Rolle

Auch wenn es zunächst erstaunt: Menschen aus einfacheren Milieus, die sich selbst für nicht besonders ressourcenschonend halten und kein ausgeprägtes Umweltbewusstsein haben, belasten die Umwelt offenbar weniger. Umgekehrt überschätzen die gut gebildeten Besserverdiener die Auswirkungen ihres ökologischen Konsums. Und neigen dazu, CO2-Schwergewichte wie Fernreisen bei der Selbsteinschätzung unter den Tisch zu kehren. "Mehr Einkommen fließt allzu oft in schwerere Autos, größere Wohnungen und häufigere Flugreisen - auch wenn die Menschen sich ansonsten im Alltag umweltbewusst verhalten", sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Ob jemand Flug-Erdbeeren im Winter kauft, streng nach dem Saisonkalender lebt oder den Müll vorbildlich trennt, fällt demnach kaum ins Gewicht. Entscheidend sind in der Gesamtbetrachtung meist die Posten "Wohnen" und "Mobilität", die so genannten "Big Points" der privaten Ökobilanz.

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass Männer deutlich mehr Energie verbrauchen als Frauen: rund 2000 Kilowattstunden im Jahr zusätzlich. Ob jemand auf dem Land oder in der Stadt wohnt, spielt für den Energieverbrauch dagegen keine nennenswerte Rolle. Und noch etwas fällt auf: Der Westen der Republik lebt in puncto privater Energieverbrauch auf größerem Fuß als der Osten. Und der Norden ist sparsamer als der Süden. Oder einfach ärmer?

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