1) Pots first

Falsche und zu kleine Gefäße gehören zu den häufigsten Anfängerfehlern. Also, im Zweifel etwas größere kaufen. Ein Loch im Boden ist ganz wichtig, um Staunässe zu vermeiden. Und die Töpfe müssen so stehen, dass sie genug Sonne kriegen. Das geht auch, indem Sie sie "stapeln": ein Regal mit großen Abständen, darauf die Kästen - fertig sind Ihre hängenden Gärten. Das spart nebenbei Platz bei kleinen Balkonen. Liegt Ihr Balkon im Erdgeschoss nach Norden? Dann geht leider nicht viel - außer Pfefferminze oder Brunnenkresse.

2) Nicht zu viel vornehmen

Zumindest für Beginner unter den Balkon-Gärntern gilt: nicht zu kompliziert! Für die ersten Erfolgserlebnisse sollte man mit Blattsalat, Gurken, Tomaten, Erdbeeren oder Kräutern wie Petersilie, Rosmarin oder Minze anfangen. All das wächst so ziemlich von alleine und muss nicht so viel gegossen werden. Zucchini stellt ebenfalls wenig Ansprüche - und ist sehr produktiv: im Hochsommer reifen mehrere pro Woche. Auch Kartoffeln vermehren sich in einem alten Reissack (gibt’s in Thai-Läden) wie die Karnickel.

3) Es geht auch ohne Torf

Ein Hochmoor braucht 1000 Jahre, um einen Meter in die Höhe zu wachsen. Aber der Torfabbau für den Gartenbedarf macht diese Arbeit der Natur im Handumdrehen zunichte. Das schadet nicht nur der Artenvielfalt, sondern auch dem Klima. Denn in Mooren ist mehr Kohlendioxid gespeichert als in allen Wäldern der Erde. Achten Sie darum darauf, dass die Blumenerde torffrei ist. Gibt's im Biomarkt oder im gut sortieren Baumarkt.

Hier erfahren Sie mehr über das Gärtnern ohne Torf.

4) Auf gute Nachbarschaft

Achtung: Manche Pflanzen können sich einfach nicht "riechen". Vor allem Kräuter: Schnittlauch und Petersilie zum Beispiel. Rosmarin und Salbei dagegen stecken ihre Wurzeln und Blätter gern zusammen. Salat passt zu fast allen Gemüsesorten, aber nicht zu Petersilie oder Sellerie. Möhren harmonieren nicht mit Roter Beete, Radieschen vertragen sich nicht mit Gurken oder Zwiebeln.

5) Gemüse als Balkonzierde: schöne und essbare Pflanzen

Sie wollen keine dünnen Bohnenstengel oder fette Kohlköpfe auf dem Balkon? Dann weichen Sie doch auf die Supermodels unter den Gemüsen aus! Zum Beispiel Kapuzinerkresse für Salate - die rankt sich mit ihren bunten, großen Blüten sehr grazil an Balkongeländern hoch. Auch Goldmelisse oder Stiefmütterchen sehen schön aus - und sind Farbtupfer im Salat! Malven sind auch essbar, brauchen aber etwas Platz. Und Kräuter wie Lavendel blühen auch wunderschön - da haben Sie gleich ein wenig Provence auf Ihrem Balkon.

6) Chemie gehört ins Labor!

Man glaubt es kaum - aber auch die deutschen Hobbygärtner greifen oft und gern ins Giftregal. Dabei gibt es die Bio-Alternativen in jedem Baumarkt oder Gartencenter. Und wer sein Gemüse gern vegan züchten will - denn Bio-Dünger besteht oft aus tierischen Erzeugnissen -, kann eine Wurmfarm aufmachen. In "Veranda Junkies" zeigt eine Veganerin, wie’s geht: die Tierchen wandeln alle natürlichen Küchenabfälle in Kompost um. Und gegen Blattläuse hilft Sud aus Wermutkraut - oder Marienkäferlarven: einfach kaufen und aussetzen.

7) Bienen bedienen

Den Bienen geht’s schlecht - aber jeder blühende Balkon hilft ihnen! Auch deswegen sollten wir auf chemische Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten. In der Stadt sind es vor allem die Wildbienen, die sich über Nistplätze wie alte Stängel vom Vorjahr freuen. Oder über geeignete Nahrungsquellen: Ihre Erdbeeren oder Tomaten werfen außerdem nichts ab, wenn keine Insekten zum Bestäuben da waren. Und wenn Sie selbst der Wildbiene ein Zuhause bieten wollen, hier gibt’s Tipps: stadtbienen.org

8) Einmachen nicht vergessen

Monatelang nur Unkraut gezupft und gegossen, und dann ist alles auf einmal reif? Dann ab in Omas Keller, die alten Einmachgläser holen! Kräuter kann man auch trocknen, Sirup kochen oder Basilikum frisch zu Pesto verarbeiten. Die "Veranda Junkies" machen vor, wie Sie Gemüse, Beeren oder Blätter haltbar machen.

9) Und das Wichtigste zum Schluss: Einfach loslegen!

Ein bisschen einlesen ist sicher gut, aber: probieren geht über studieren! Samen oder Setzlinge kaufen, in die Erde setzen und gießen ist wirklich ein Kinderspiel. Wir versprechen Ihnen: zu sehen, wie die ersten Triebe durch die Erde stechen, das zaubert noch dem größten Griesgrummel ein Lächeln auf die Lippen. Und viel falsch machen kann man nicht: Im schlimmsten Fall fällt die Ernte beim ersten Mal etwas geringer aus. Was auch hilft: mit Freunden fachsimpeln, dabei die frische Luft genießen - und auf den grünen Daumen anstoßen!

Buchtipp

Die Tipps basieren auf den grünen Lehren von Cornel Rüegg, Autor des Buches "Veranda Junkies"