Fairer Handel Das taugen die Nachhaltigkeitssiegel

Die Zeitschrift "test" hat fünf der bekanntesten Siegel unter die Lupe genommen. Wie aussagekräftig sind sie wirklich?

Berichte über Kindersklaven auf Kakaoplantagen schrecken uns jedes Jahr aufs Neue auf - vor allem an Weihnachten. Aber es tut sich was: Immer mehr Menschen wollen wissen, wo und wie Nahrungsmittel produziert werden. Und von wem. Im Jahr 2014 machte der faire Handel erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro - Tendenz steigend.

Alle Fair-Trade-Label haben den Anspruch, den Lebensbedingungen der Erzeuger - meist in den Schwellen- und Entwicklungsländern des globalen Südens - zu verbessern. Sei es durch garantierte Abnahmepreise, Schulungen oder verbesserten Arbeitsschutz. Oft ist auch der Schutz der Umwelt inklusive - etwa durch eine gleichzeitige Bio-Zertifizierung.

Neben dem Fairtrade-Siegel, das 78 Prozent aller fair gehandelten Produkte ziert, gibt es noch weitere. Die Zeitschrift "test" hat insgesamt fünf der bekanntesten unter die Lupe genommen. Allerdings nicht das - ebenfalls sehr bekannte - Gepa fair+-Siegel - weil es nicht auf eigenen Standards basiert. Glaubwürdig sei es trotzdem, versichert "test". Ein wenig irreführend ist, dass "test" auch das Siegel der Rainforest Alliance unter die Lupe nahm. Das Siegel erhebt nämlich gar nicht den Anspruch, ein Fairtrade-Siegel zu sein. Der Rainforest Alliance geht es vor allem um Nachhaltigkeit von Anbau und Produktion.

Fairer Handel wirkt!

Verbessert der Kauf von Produkten mit den untersuchten Logos die Situation der Bauern? Das Fazit der Tester lautet: Ja! Wobei das Naturland Fair-Logo am besten abschneidet.

Für Verwirrung können allerdings so genannte Mischprodukte wie Schokolade sorgen. Denn jedes Siegel bestimmt selbst, wie hoch der Anteil der fair produzierten Rohstoffe mindestens sein muss. Bei Naturland müssen mehr als die Hälfte des Kakaos nach den Kriterien des Siegels produziert worden sein. Hier lohnt sich also ein Blick auf die Verpackungsrückseite.

Der Test im Einzelnen: www.test.de/Nachhaltigkeitssiegel-Koennen-Verbraucher-Fairtrade-Utz-Co-vertrauen

Das taugen die Nachhaltigkeitssiegel

Das Siegel Naturland Fair gilt als Testsieger

Dem Naturland Fair-Siegel bescheinigte "test" eine "sehr hohe Aussagekraft" - als einzigem von allen fünf getesteten. Die Umsetzung in der Praxis (wurden die Produkte nach den Vorgaben erzeugt? Sind sie zurückverfolgbar?) bewerteten sie mit "sehr gut". Auch das Management, so befand "test" sei "sehr gut". Alle gelabelten Produkte sind gleichzeitig auch bio.

Mehr Informationen auf der Website des Anbieters: www.naturland.de

Das taugen die Nachhaltigkeitssiegel

Sehr bekannt aber auch gut? Transfair Fairtrade

Das Transfair Fairtrade-Siegel hat nach Einschätzung der Tester eine "hohe" Aussagekraft. Auch beim Marktführer sei die Umsetzung der Prinzipien und das Management "sehr gut". Die Zeitschrift attestiert dem Siegel "sehr starke, übergreifende Kriterien". Ebenfalls positiv: Rund 80 Prozent der gelabelten Produkte sind auch bio.

Mehr Informationen auf der Website des Anbieters: www.fairtrade-deutschland.de

Das taugen die Nachhaltigkeitssiegel

Die Produkte des Rapunzel Naturkost-Siegel "Hand in Hand" sind nicht nur fair sondern auch bio

Das Rapunzel Naturkost-Siegel "Hand in Hand" besteht seit 1992. Seine Aussagekraft ist nach Meinung von "test" "hoch", die Umsetzung der Kriterien "sehr gut". Besonders lobenswert: Alle gelabelten Produkte sind nicht nur fair, sondern auch bio. Das Management schneidet etwas schlechter ab - mit "befriedigend". Grund dafür ist, dass die Organisation über kein standardisiertes Verfahren für Wirkungsanalysen verfüge.

Mehr Informationen auf der Website des Anbieters: www.rapunzel.de/fairtrade-hand-in-hand

Das taugen die Nachhaltigkeitssiegel

Nur noch mit einem "mittel" wurde das Rainforest Alliance bewertet

Die Aussagekraft des 2003 von Rainforest Alliance eingeführten Siegels fanden die Tester "mittel". Grund dafür: "Der Standard setzt auf Produktionssteigerung, fordert aber keine Mindestpreise oder Prämien, gibt keine Verbesserungsanreize." Die Umsetzung und das Management dagegen sind nach Meinung der Zeitschrift "gut". Die Rainforest Alliance merkt dazu an, dass es ihr vorrangig um die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien geht - nicht um fairen Handel im engeren Sinne. Ein direkter Vergleich mit den anderen Siegeln sei darum problematisch.

Mehr Informationen auf der Website des Anbieters: www.rainforest-alliance.org

Das taugen die Nachhaltigkeitssiegel

Utz Certified ist das weltweit größte Zertifizierungsprogramm für Kakao

Utz Certified ist das weltweit größte Zertifizierungsprogramm für Kakao, mit Erzeugern in 37 Ländern. Der Anbieter überwacht seine Wirkung mit vielfältigen Analysen und agiert sehr transparent. Allerdings sei seine Aussagekraft nur "mittel", die Kriterien "weniger anspruchsvoll".

Mehr Informationen auf der Website des Anbieters: www.utz.org

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