1. Auto

Das Auto, des Deutschen liebstes Kind, kommt beim Psychotherapeuten Schmidbauer nicht gut weg. Er schreibt: "Die Erwartungen an das Auto sind so irrational und widersprüchlich wie jene an die ideale Mutter. Die kopflose Gier sitzt auf dem Thron, von technischem Genie, brillanter Planung und künstlerischem Design servil umgeben. Das Auto mobilisiert eine enorme Erfindungskraft, aber diese Erfindungskraft wird von einem egoistischen Tyrannen gelenkt, der für alles blind ist, was nicht zu seinem rauschhaften Verlangen nach Macht und Kraft, Sicherheit und Bequemlichkeit passt."

2. Plastik

"Plastik ist insofern eines der dümmsten Materialien, weil es geeignet ist, perfekt alle Spuren zu verwischen, aus denen wir sonst etwas über Geschichte und Machart eines Dings erfahren. Wer ein Plastikteil entwirft, bewegt sich in reiner Abstraktion; die Fähigkeiten einer Spritzgussmaschine ersetzen seinen Kontakt mit dem Material."

3. Wochenendhaus

"Um in das Schlaraffenland zu gelangen, in dem gebratene Tauben dem Besucher in den Mund fliegen und Bäche Wein, Milch oder Honig führen, ist es notwendig, sich durch eine dicke Mauer aus Brei hindurchzufressen. Das aktuelle Äquivalent zu diesen Breimauern ist die Distanz des Großstädters von seinem Haus auf dem Land, beziehungsweise die des Landbewohners von seinem Arbeitsplatz in der City. Es ist uns selbstverständlich geworden, uns durch solche Breimauern hindurchzufressen, wobei eine der beschönigenden Vokabeln die vom 'Pendler' ist, als reiche der Schwung, der ihn irgendwo hinführt, auch aus, ihn zurückzubringen."

4. Kugelschreiber

"Ein typisches Merkmal dummer Dinge ist die Verführung des Nutzers durch eine perfekte und komfortable Funktion. Das Ding ist billig zu haben, bleibt aber undurchschaubar und lässt den Nutzer auf gänzlich unberechenbare Weise plötzlich im Stich. Dann wird es weggeworfen und richtet Schaden an."

5. Spielkonsole

"Der Mensch hat sich den vielfältigsten Lebensraum erobert. Entsprechend verspielt sind seine Kinder. Vielmehr: Sie waren es, bis die Spielkonsole erfunden wurde. Die bisher im kindlichen Spiel den ganzen Organismus bewegende Übung konzentriert sich; sie wird sesshaft, sie erfasst nur noch Finger und Augen, die mit Tasten und einem Stöckchen oder Wärzchen arbeiten, das auch in Deutschland Joystick heißt und nicht mit Luststock übersetzt wird."

6. Kühlschrank

Ein (...) Eiskeller ist ein kluges Ding. Er nutzt, was die Natur bietet, ohne sie zu stören. Er schärft die Sinne und die Voraussicht. Wenn die Dicke der Eisschicht im Keller gut gewählt ist, reicht sie bis zum nächsten Winter. Wie viel ökologische Geistesschwäche im Kühlschrank eingebaut ist, bemerkt man im Winter, wenn draußen die Kälte klirrt und drinnen der Kompressor surrt.

7. Hackfleisch

"Es mag richtig sein, dass die Jagd unsere Erbanlagen geprägt hat. Dennoch ist der Fleischkonsum auf einem von Übernutzung bedrohten Planeten ein Ärgernis. Wenn wir von Fleischdummheit reden, dann nimmt das Hackfleisch eine mittlere Position ein, etwa in der folgenden Steigerung: Fleisch, Hackfleisch, Pressfleisch ..."

8. Bildschirm

"Schon heute fällt in den Kindergärten auf, dass die Bildschirmgeneration motorisch ungeschickter ist als alle Generationen vor ihr. Viele Kinder können nicht auf Bäume klettern und geraten aus dem Gleichgewicht, wenn sie auf einem Bein hüpfen sollen. Es fallen ihnen keine Spiele ein. Wenn sie keine Zuwendung oder Ablenkung bekommen, werden sie unruhig. Wenn ihnen etwas abverlangt wird, aggressiv."

9. Fernsteuerung

"Die Fernsteuerung ist ein dummes Ding, weil sie Bewegungen raubt, die sonst nötig wären, und jene sinnlos fragmentierten Abende schafft, in denen ein hypnotisierter Konsument von einem frustrierenden Kanal zum nächsten zappt. Der Zwang, aufzustehen und den Kanal mit eigener Hand zu wechseln, wäre eine heilsame Übung, die uns die Konstruktion der meisten modernen Fernseher gestohlen hat."

10. Handy

"Mobiltelefone spenden ihren Nutzern die Illusion, sie könnten selbstständig sein und gleichzeitig den Komfort der Abhängigkeit pflegen. Man trennt sich nicht mehr von den Eltern, man zappt sie weg und zappt sie wieder her, wenn Not am Kinde ist."

Buchtipp

Wolfgang Schmidbauer: Enzyklopädie der Dummen Dinge, oekom verlag, 2015, 240 Seiten, 17,95 Euro

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