Energie: Strom durch Strömung

Mitten in New York, im East River, soll der erste Gezeiten-Turbinenpark der Welt entstehen

Noch in diesem Jahr will der Stromkonzern "Verdant Power" sechs neu entwickelte Unterwasserrotoren vor Manhattan im Fluss versenken. Die Rotorköpfe werden an Betonpfeilern befestigt, die man in neun Meter Tiefe in den Bo-den rammen will. Angetrieben werden die Rotorblätter der Turbinen dann durch die bis zu vier Knoten schnelle Gezeitenströmung des in den Atlantik mündenden East River. Gemeinsam sollen die Rotoren eine Spitzenleistung von 200 Kilowatt erzeugen.

Das reicht zunächst nur für die elektrischen Anlagen in einem Parkhaus und ein paar technische Geräte aus einem Supermarkt. Doch Unternehmenschef Trey Taylor schwebt für die nächsten Jahre Größeres vor: Er möchte das Feld auf 200 bis 300 Turbinen erweitern. Die könnten auf einer Fläche von rund 1,6 Kilometern Länge und 82 Metern Breite bis zu zehn Megawatt produzieren.

Die Vorteile der Rotoren: Sie sind anders als bei Wind- und Solaranlagen wetterunabhängig, denn auf die Gezeiten ist im Unterschied zu Wind und Sonne immer Verlass. Auch greifen die Turbinen nicht wie die Windkraftparks ins Landschaftsbild ein. Einzig die Fische könnten sich gestört fühlen - wenn auch die Hersteller versichern, die Rotoren seien aufgrund ihrer langsamen Drehgeschwindigkeit und eines Schutzschirms aus Speichen für Wassertiere weitgehend ungefährlich.

Für den Fall des Ausbaus des Gezeitenparks haben sich in New York schon die ersten größeren Abnehmer für den umweltschonend produzierten Strom gemeldet - unter anderem die Columbia University und das UN-Hauptquartier. Doch "Verdant Power" hofft vor allem auf einen Einsatz seiner "Unterwasser-Stromfarmen" in Entwicklungsländern. Die leicht zu installierenden, kostengünstigen Turbinen lassen sich in allen Fließgewässern einsetzen, deren Strömungsgeschwindigkeit mindestens drei Knoten beträgt.

Definition des Gezeitenkraftwerks

Energiequelle der Zukunft?

Prototyp von 2002/3 In New York

Prototyp in Frankreich:

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GEO Nr. 05/97
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