Statistik: Waidmanns Unheil

Dass Jäger einander unbeabsichtigt zur Strecke bringen, kommt bei der Truthahnpirsch besonders häufig vor

Eine Vorschrift im US-amerikanischen Staat Pennsylvania verlangt, sämtliche Jagdunfälle akribisch zu dokumentieren: Jahreszeit, Eigenschaften des Geländes, Art der gejagten Spezies, Abstand des Schützen zum Opfer und die persönlichen Daten der Betroffenen - jedes Detail ist gefragt. Eine Studie des Penn State College of Medicine kommt aufgrund der im Zeitraum zwischen 1987 und 1999 erhobenen Daten über 1345 Unfälle zu interessanten Schlussfolgerungen.

Offenbar sind Verletzungen bei der herbstlichen Jagd auf Truthähne besonders häufig: 7,5 von 100000 Jägern fangen sich dabei eine Schrotladung ein - das ist Spitze im Vergleich zu anderen Jagdformen. Tödlich jedoch endet am häufigsten die Pirsch auf Reh und Hirsch: 10,3 Prozent der angeschossenen Waidmänner erliegen ihren Schussverletzungen.

Grund dafür ist zum einen, dass bei der Jagd auf die Vögel weit streuender Schrot, beim Anlegen auf Hochwild aber Kugelgeschosse zum Einsatz kommen. Zum anderen benutzen Truthahnjäger spezielle Tarnkleidung und imitieren die Lockrufe der Vögel - ein weiterer Grund, weswegen sie mitunter zur Zielscheibe von Jagdkollegen werden.

Deshalb ist es ratsam, zumindest auf unauffällige Camouflage zu verzichten. Wie die Studie nachweist, wurde durch den zeitweilig vorgeschriebenen Einsatz leuchtend orangefarbener Kleidung das Risiko erheblich reduziert - und der Jagderfolg sogar noch gesteigert.

In Skandinavien, wo alle Jahre wieder zahlreiche Menschen auf der Elchjagd irrtümlich unter Beschuss geraten, verfolgt man eine ähnliche Idee: Dort setzen viele Jäger farbige Kappen oder Helme auf, wenn sie auf die Pirsch gehen. Den Elchen ist dies von Straßenarbeitern vertraut und daher nichts, was sie beunruhigt und in die Flucht schlägt. In Deutschland ist die Todesrate unter Jägern sehr niedrig - dank einer strengen Jagdprüfungsordnung liegt sie bei etwa ein bis zwei Fällen pro Jahr.

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