Astronomie: Supernovae als Killer

Wenn ein Nachbarstern unserer Sonne explodiert, wird es gefährlich für die Erde. Das haben Forscher bislang unterschätzt. Womöglich ist ein irdisches Massensterben vor 440 Millionen Jahren auf eine solche Katastrophe zurückzuführen
In diesem Artikel
Kein Anlass zur Sorge

Durchschnittlich alle 100 Millionen Jahre stürzt ein mehr als zehn Kilometer großer Asteroid oder Komet auf die Erde. Der Einschlag setzt die Energie von etwa zehn Milliarden Hiroshima-Bomben frei und hüllt die Erde für Monate in eine für das Sonnenlicht undurchdringliche Staubhülle; die setzt sich im Laufe der Zeit als zentimeterdicke Schicht auf dem Boden ab. Ein Großteil der Pflanzen stirbt, und Tiere verlieren so ihre Lebensgrundlage.

War eine Supernova verantwortlich für das urzeitliche Artensterben?

Eine solche kosmische Bombe könnte, so vermuteten Forscher bisher, auch die Ursache für ein Massensterben vor 440 Millionen Jahren gewesen sein. Dieser Katastrophe waren damals die weit verbreiteten Trilobiten, eine urtümliche Gliederfüßerform, zum Opfer gefallen. Doch ein Wissenschaftlerteam um Adrian Melott von der Universität Kansas wunderte sich darüber, dass von diesem Artensterben am Übergang vom Erdzeitalter des Ordovizium zum Silur besonders solche Lebewesen betroffen waren, die sich - wie die Trilobiten - häufig dicht unter der Meeresoberfläche aufhielten. Die Bewohner tieferer Meereszonen dagegen überdauerten.

Tödliche GammastrahlungDies deutet nach Ansicht der US-amerikanischen Wissenschaftler auf eine andere Form von Katastrophe hin: Supernova-Explosionen setzen Gammastrahlung frei, die in einer Kaskade chemischer Reaktionen die Ozonschicht der Erde zerstört. Dadurch hätte die Intensität der UV-Strahlung unserer Sonne auf der Erde zugenommen und überwiegend Lebewesen getötet, die nicht durch eine dicke Wasserschicht geschützt waren.

63a7e5ceac62cbbab1984a9667c45949

Im Jahr 1054 explodierte eine Supernova. Die Spuren dieses Ereignisses sind noch heute im Krebsnebel zu sehen. Hätte die Rotationsachse des Sterns damals in Richtung Erde gezeigt, wäre durch die frei werdende Strahlung die irdische Biosphäre zerstört worden

Kein Anlass zur Sorge

Weil sich solche Katastrophen extrem selten und erdfern ereignen, hielten Wissenschaftler sie als Erklärung bislang nicht für wahrscheinlich. Astronomische Beobachtungen der letzten zehn Jahre haben aber gezeigt, dass die radioaktive Abstrahlung einer Supernova stark gerichtet sein kann. In solchen Fällen ist die Intensität entlang der Rotationsachse des explodierenden Sterns besonders groß. Hätte die Achse eines unbekannten Sterns vor Urzeiten genau zur Erde gezeigt, könnte die Strahlungsdosis durchaus ausgereicht haben, um in relativ weiter Ferne eine Katastrophe auszulösen. Was die nähere Zukunft betrifft, besteht kein akuter Anlass zur Sorge. Astronomen kennen alle Sterne in gefährlicher Distanz, bei denen sich eine Explosion anbahnt. Zurzeit ist keiner dieser Kandidaten im kritischen Zustand.

Alle GEOSKOPE aus dem Magazin Nr. 5/05

Astronomie: Supernovae als Killer
Astronomie: Supernovae als Killer
Wenn ein Nachbarstern unserer Sonne explodiert, wird es gefährlich für die Erde. Das haben Forscher bislang unterschätzt. Womöglich ist ein irdisches Massensterben vor 440 Millionen Jahren auf eine solche Katastrophe zurückzuführen
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Biologie: Hirsche, die jodeln, röhren nicht
Gen-Untersuchungen bestätigen eine lang gehegte Vermutung: Der östliche und der westliche Rothirsch bilden zwei verschiedene Arten
GEOlino Buchtipps zum Lesen
Statistik: Waidmanns Unheil
Dass Jäger einander unbeabsichtigt zur Strecke bringen, kommt bei der Truthahnpirsch besonders häufig vor
GEO.de Newsletter