Hurrikane: Wirbelnde Monster

Immer wieder müssen die Bewohner Mittel- und Nordamerikas mit Zerstörungen durch tropische Wirbelstürme rechnen. Viele von ihnen entstehen in den warmen Gewässern vor der Küste Afrikas

Viele der Wirbelstürme, die in den Sommer- und Herbstmonaten die Küsten Mittel- und Nordamerikas heimsuchen, entstehen und wachsen in den Gewässern vor der Westküste Afrikas. Um einen Wirbelsturm vom Schlag Katrinas auszubrüten, muss das Meer hier mindestens 27 Grad Celsius warm sein. Dann verdunsten große Mengen Wasser, die als Wasserdampf aufsteigen. Zunächst bilden sich nur Gewitterwolken, doch schon bald bringt das Luftdruckgefälle innerhalb des Baby-Hurrikans einen tödlichen Prozess in Gang: Da im Zentrum des zukünftigen Wirbelsturms ein geringer Luftdruck herrscht, strömen Luftmassen in Erdnähe von der Peripherie nach. Unter dem Einfluss der Erdrotation wird das ganze System in eine Drehbewegung versetzt. Die so genannte Corioliskraft sorgt dafür, dass sich Tiefdruckgebiete - also auch ein Hurrikan - auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn wirbeln, auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn.

Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h

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Montag, 29. August: Um 14.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit wütet der Hurrikan "Katrina" an der Nordküste des Golfs von Mexiko

Stellt sich dem Sturm kein Hindernis entgegen, wie auf offenem Meer, kann er weiter wachsen und bedrohliche Ausmaße annehmen. Doch erst wenn er eine Windgeschwindigkeit von 118 Kilometern pro Stunde, also die Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala, erreicht hat, spricht man von einem Hurrikan. Eingeteilt werden die Wirbelstürme nach der Saffir-Simpson-Skala von 1 ("schwach") bis 5 ("verwüstend"). Die schlimmsten Hurrikane überhaupt, zu denen auch Katrina gehört, erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern. Zum Vergleich: In Europa erreichen Stürme "nur" Höchstgeschwindigkeiten um 120 Stundenkilometer.

Marsch auf das Festland

Hurrikane wie Katrina bewegen sich von ihrem Entstehungsort vergleichsweise langsam in westlicher Richtung. Katrina wälzte sich mit rund 20 Kilometern pro Stunde auf das Festland zu.Sobald ein Hurrikan das Festland erreicht hat, schwächt er sich ab. Denn die Wärme und Feuchtigkeit, die ihn bisher ernährt haben, fehlen nun. Bis zum Ende eines solchen Wirbelsturms vergehen eine bis maximal vier Wochen. Der Methusalem unter den Hurrikans ist der Sturm "John", der im Jahr 1994 31 Tage lang über den Pazifik zog.

Im Auge des Sturms

Hurrikane können gewaltige Ausmaße annehmen; Durchmesser von mehreren hundert Kilometern sind keine Seltenheit. Der Hurrikan "Tip" hatte mit 2200 Kilometern den bisher größten beobachteten Durchmesser. In der Höhe ragen die meteorologischen Ungeheuer bis zu 18 Kilometer in die Erdathmosphäre auf.Während der Wind am Rand eines Hurrikans verheerende Geschwindigkeiten erreicht, ist es in seinem Zentrum vollkommen windstill. Eine trügerische Ruhe, denn schon nach wenigen Minuten oder Stunden beginnt der Wind wieder in Sturmstärke zu wehen - diesmal aus der anderen Richtung.

Die Hurrikan-Saison ist verzweifelt lang

Die offizielle Hurrikan-Saison dauert von Juni bis November; in dieser Zeit müssen die Bewohner der Küsten Mittel- und Nordamerikas immer wieder mit schweren Verwüstungen und Überschwemmungen rechnen.Hurrikane können selbst Europa noch schwere Regenfälle bringen; doch ihre Windgeschwindigkeiten haben sich dann den gemäßigten Breiten angepasst, ihre tödliche Energie ist verpufft.

Mehr Informationen über Hurrikane auf den Seiten der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA): www.noaa.gov

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