New Orleans droht zu versinken

Der Wirbelsturm "Katrina" hat die US-Südstaaten in einen Alptraum gestürzt

Etwa 48 Stunden nach dem Durchzug des Wirbelsturms "Katrina" erinnert die Lage in New Orleans an ein finsteres Kino-Szenario: 80 Prozent der Häuser, so Bürgermeister Ray Nagin, stehen bis zur ersten Etage im Wasser, mit Pegelständen von bis zu sechs Metern. Und durch zwei Dammbrüche fließt stetig Wasser aus dem benachbarten Lake Pontchartrain nach. Da New Orleans in einer Mulde liegt, zwei Meter unter dem Meeresspiegel, droht die Stadt bis zum Niveau der Seeoberfläche vollzulaufen.

Zehntausende Menschen haben sich in das Football-Stadion der Stadt geflüchtet. Doch auch dort sind die Zustände katastrophal: Die Lufttemperatur beträgt auch nachts 32 Grad Celsius. Es gibt keinen Strom, die Trinkwasserversorgung ist ausgefallen, die Toiletten sind übergelaufen und es fehlt an Nahrungsmitteln. Das US-Militär plant mit Hochdruck die Evakuierung der Eingeschlossenen. Die Krankenhäuser der Stadt werden bereits komplett geräumt.

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Die Satellitenaufnahme vom 30. August, 11.45 Uhr Ortszeit, zeigt ein Bild der Verwüstung: 80 Prozent der Stadt New Orleans sind überflutet - und aus dem Lake Pontchartrain (links der Bildmitte) und dem Mississippi strömt noch mehr Wasser nach

In den überfluteten Straßen treiben hunderte Plünderer ihr Unwesen. Sie brechen in Geschäfte und Büros ein, versuchen Autos zu stehlen. Es hat bereits Schießereien mit der Polizei gegeben. Soldaten der Nationalgarde schützen die Hotels im Touristenviertel "French Quarter" vor den Räubern. Andernorts sind Spezialkräfte unterwegs, um die Ordnung wiederherzustellen.

Die Zahl der Toten geben die Behörden inzwischen mit 50 bis 80 an, gehen aber davon aus, dass in der nächsten Zeit noch sehr viel mehr Leichen entdeckt würden. In Mississippi sind nach Angaben des Gouverneurs Haley Barbour auf einem rund 100 Kilometer langen Küstenstreifen alle Bebauungen vom Wirbelsturm zertrümmert worden. Die Sturmflut ist fast zehn Kilometer tief ins Landesinnere vorgedrungen. In New Orleans sind bislang 30 größere Gebäude eingestürzt. Zur Zeit schätzt man, dass allein im Bundesstaat Louisiana eine Million Menschen obdachlos geworden sind.

In den Fluten treiben Leichen. Noch kümmert sich keiner um sie. Die Einsatzkräfte konzentrieren sich darauf, mit Booten und Hubschraubern tausende Überlebende von Hausdächern zu bergen. Erschwert wird die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen durch das ausgefallene Telefonnetz. Auch lässt sich auf dem Landweg kaum Nachschub in die Stadt bringen. Zwei Brücken über den Lake Pontchartrain beispielsweise sind unpassierbar, so dass der Osten von New Orleans nicht erreicht werden kann.

Die US-Marine hat Versorgungsschiffe in Marsch gesetzt, die die Hilfskräfte an Land unterstützen sollen. Die Einsatzleiter im Katastrophengebiet gehen inzwischen davon aus, dass die Region mindestens einen Monat lang im Ausnahmezustand bleiben wird. Im Moment bemühen sich Ingenieure fieberhaft darum, das aus dem Lake Pontchartrain nachfließende Wasser zu stoppen. Sollten sie keinen schnellen Erfolg haben, sagt Ray Nagin, der Bürgermeister von New Orleans, würde es nur noch ein paar Stunden dauern, bis das Wasser den letzten Winkel erreicht hat.

Noch immer herrscht in den Krisengebieten im Süden der USA blankes Chaos. Ist die Regierung Bush überfordert? Darf Umweltminister Trittin daran erinnern, dass die USA den Treibhauseffekt miterzeugen und deshalb selbst schuld sind an der Katastrophe?
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