New Orleans wird geräumt

Die Behörden haben mit der völligen Evakuierung der überfluteten Stadt begonnen - und kämpfen gegen immer mehr Plünderer

Auch drei Tage nach dem Durchzug des Wirbelsturms "Katrina" ist die Lage in den drei schwer getroffenen US-Südstaaten Louisiana, Alabama und Mississippi noch völlig unübersichtlich. Für die Höhe der Opferzahlen und der Sachschäden gibt es keine seriöse Schätzung. New Orleans ist zu 80 Prozent überschwemmt. Die Löcher im Damm zum benachbarten Lake Pontchartrain konnten bis zur Stunde nicht geschlossen werden. Das Wasser füllt den Kessel, in dem New Orleans zwei Meter unter dem Meeresspiegel liegt, immer weiter an.

Es gibt keinen Strom, kein Trinkwasser, selbst das Mobiltelefonnetz ist zusammengebrochen, so dass die meisten Katastrophengebiete keinen Kontakt zur Außenwelt haben. In den Straßen treiben Leichen, Tierkadaver, Trümmer und Müll. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, die Temperatur liegt bei über 30 Grad Celsius, auch nachts. Die Gesundheitsbehörden fürchten den Ausbruch von Cholera und Typhus. Eine unbekannte Zahl von Menschen, die seit drei Tagen auf ihre Bergung warten, werden verdursten.

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Die Satellitenaufnahme vom 30. August, 11.45 Uhr Ortszeit, zeigt ein Bild der Verwüstung: 80 Prozent der Stadt New Orleans sind überflutet - und aus dem Lake Pontchartrain (links der Bildmitte) und dem Mississippi strömt noch mehr Wasser nach

In New Orleans hat man mit der Evakuierung tausender Menschen begonnen, die seit Montag im Football-Stadion "Superdome" ausharren. 500 Busse wurden bereitgestellt, um das erste Kontingent in die 500 Kilometer entfernt gelegene Stadt Houston in Texas zu fahren. Auch dort werden die Flüchtlinge in einem Stadion unterkommen, dem "Astrodome". Allerdings müssen sie hier nicht mit den katastrophalen Hygiene- und Nachschubverhältnissen rechnen, die im "Superdome" herrschen. Hier tragen die Sanitäter bereits Atemmasken gegen den beißenden Gestank.

Derweil nutzt eine stetig wachsende Zahl von Plünderern das Durcheinander, um Läden, Büros und Supermärkte auszurauben. Massenhaft sind den Einbrechern auch nagelneue Waffen in die Hände gefallen. Inzwischen wurde das Kriegsrecht verhängt. Die Stadtpolizei ist von Rettungseinsätzen entbunden, um die Anarchie in den Griff zu bekommen. Immer wieder sollen Schießereien zu hören sein. 10 000 Nationalgardisten sind in Marsch gesetzt, um das Hilfspersonal vor Ort zu unterstützen. Die US-Navy hat Lazarettschiffe, -stationen und Hubschrauber entsandt. Zu Hunderten sind Privatleute mit ihren Bootsanhängern Richtung New Orleans unterwegs, um bei der Suche nach Überlebenden zu helfen.

Die Behörden rechnen inzwischen damit, dass Monate vergehen werden, bis die Bewohner nach New Orleans zurückkehren können. Bevor die Dämme nicht repariert sind, werde man auch die ausgefallenen Pumpen nicht instand setzen. Stellenweise erreicht der Pegel im Stadtgebiet bereits neun Meter.

Noch immer herrscht in den Krisengebieten im Süden der USA blankes Chaos. Ist die Regierung Bush überfordert? Darf Umweltminister Trittin daran erinnern, dass die USA den Treibhauseffekt miterzeugen und deshalb selbst schuld sind an der Katastrophe?
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