Lake Hoare - 10. November

Nach einer Woche in der Olympus Range kehren Lars Abromeit und George Steinmetz zurück in die Gegenwart. Am Lake Hoare treffen sie die Glaziologen Thomas Nylen und Martyn Tranter und erleben den Charme einer Almhütte
7a39779b65ac5f07a047b6e0a2739ccf

Das Forscher-Camp am Lake Hoare mit Aussicht auf den Canada Glacier

Nachdem wir fast eine Woche lang die Geologen Adam Lewis, Douglas Kowalewski und Allan Ashworth bei ihrer Reise in eine Zeit, in der es in der Antarktis noch warm war, begleitet haben, kehren wir zurück in die Gegenwart. Per Hubschrauber fliegen wir zum Lake Hoare, einem von einer fünf Meter dicken Eisschicht überfrorenen See im Taylor Valley. Hier treffen wir auf die Glaziologen Thomas Nylen und Martyn Tranter. Sie haben ihre Zelte an einer Hütte aufgeschlagen, die hier die ganze Saison über als Refugium für Forscher bewirtschaftet wird.

Lake Hoare ist der logistische Dreh- und Angelpunkt der Dry Valleys. Rein geographisch liegt er unvorstellbar weit von der menschlichen Welt entfernt. Doch fast jeden Tag landet hier ein Helikopter, um Instrumente und Vorräte für die Camps in den Tälern abzuliefern und Proben und Abfälle zurück nach McMurdo zu bringen. Es gibt Solarstrom in üppigen Mengen, eine direkte Telefonverbindung nach McMurdo, ein drahtloses Internetsystem, und beim Abwasch kostenlos eine atemberaubende Aussicht auf den Canada Glacier dazu.

Die Steilwand des Gletschers, der als weiße Raupe in das Taylor Valley hineinragt, trifft nur knapp 50 Meter vom Camp entfernt auf den gefrorenen See. Für ein paar Wochen im Jahr speist das Eis ein System aus Schmelzwasserflüssen, die das Ökoystem in den tieferen Schichten des Sees aus einem monatelangen Winterschlaf wecken. Wie diese Lebensadern entstehen, versuchen Nylen und Tranter auf den Gletschern zu entschlüsseln. Sie vermuten, dass sonderbare Schmelzwasserblasen im Innern des Gletschers, so genannte "Cryoconite Hole", von Bakterien und Algen zum Überwintern genutzt werden - und im Sommer, wenn die Blasen auftauen, den biologischen Kreislauf des Tales ankurbeln.

4673feadcb8eeabc0f961c86dfe76873

Der "Canada Glacier" ragt als weiße Raupe in das Taylor Valley hinein

bb4937fa32d13f271fcc796f62ccdca5

Das Camp von Lake Hoare hat den Charme einer Almhütte: Nach den Tagen im Olympus Range mutet das Leben hier geradezu paradiesisch an

Das Camp von Lake Hoare hat den Charme einer Almhütte. Nach den Tagen im Olympus Range kommt uns das Leben hier geradezu paradiesisch vor, zumal die Hüttenwirtin Rae Spain, die schon seit 25 Jahren am See lebt, nicht ohne Grund als die beste Köchin des amerikanischen Antarktis-Programms gilt. Wir füllen die Mägen, die Akkus unserer Computer und Gemüter, erkunden mit Nylen zusammen die bizarren Canyons, die das Schmelzwasser in den Gletscher gegraben hat, und bestaunen die glasklare Eisschicht des Sees, in der Gasblasen schweben wie Planeten im Weltall. Auch wenn es nicht leicht fällt, sich von dieser Oase wieder zu lösen, wollen wir morgen wieder aufbrechen. Zum Ende des Tales - um weiter verstehen zu lernen, wie das Leben in der bizarren Welt der Trockentäler der Kälte trotzt.

GEO.de Newsletter