Wie berechenbar sind Erdbeben?

Der Verlauf seismischer Katastrophen war bislang nicht absehbar. Nun haben amerikanische Wissenschaftler einen Anfangserfolg errungen

Der Tsunami Ende 2004 und das verheerende Erdbeben in Kaschmir am 8. Oktober 2005 wurden ausgelöst durch unerwartete, massive Verwerfungen der Erdkruste. Und trotz langer Bemühungen, derartige Ereignisse vorhersagen oder in ihrem Verlauf abschätzen zu können, hat sich bisher kein Erfolg abgezeichnet. Viel schlimmer noch: Die Daten der Geowissenschaftler deuteten darauf hin, dass eine Vorhersage der Schwere seismischer Aktivitäten nicht nur aufgrund unzureichender Messungen, sondern grundsätzlich unmöglich sei. Dem wissenschaftlich einschlägigen "Kaskaden-Modell" zufolge, so die Lehrmeinung, könne sich eine Verwerfung völlig ungeordnet ausbreiten und das Ausmaß einer derartigen Katastrophe nur im nachhinein bestimmt werden.

Die ersten Sekunden sind aufschlussreich Die amerikanischen Geologen Erik Olsen und Richard Allen kamen aufgrund besonders akribischer Analysen von Erdbebendaten zu einem hoffnungsvolleren, wenn auch noch ungenügenden Ergebnis: Offenbar lässt sich zumindest aus dem Verlauf der ersten zwei bis vier Sekunden eines Bebens abschätzen, welche Stärke es in der Folge haben wird. Die Ergebnisse beziehen sich auf insgesamt 71 größere Beben, darunter 24 der Magnitude 6, von denen 1842 verschiedene Arten von Ausbreitungswellen im Umkreis von 100 Kilometern zum jeweiligen Epizentrum aufgezeichnet worden waren.

Frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass sich die Struktur der Daten eines kleinen Erdbebens nicht von der eines größeren unterscheidet. Nun konnten die Forscher belegen, dass die seismographische Darstellung schon der ersten Sekunden eines Bebens der späteren Gesamtschau ähnelt und Aufschluss über die Stärke der Erschütterung gibt.

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Das Beben im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Indien hatte die Stärke 7,6. Die radiometrische Aufnahme zeigt südlich des Flusses Jhelum einen gewaltigen Erdrutsch (graugrün)

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