Sonntag, 11. Juni 2006

Der Merapi bleibt ruhig. Doch mangels guter Sicht gibt es keine zuverlässige Beurteilung über die Stabilität des Vulkans

Heute blieb der Vulkan ungefähr auf dem Aktivitätslevel von gestern, was als ruhig

bezeichnet werden kann, wenn man es mit dem vergleicht, was vielleicht noch bevorsteht.

Der Merapi hat ein sehr persönliches Aktivitätsmuster, was sich dadurch äußert, dass seine

Aktivität meistens in einem mehrtägigen Rhythmus steigt und sinkt. Im Moment befindet er

sich laut meinen Kollegen vom Observatorium in Yogyakarta immer noch in der Steigungsphase, die Änderungen sind jedoch gerade nicht sehr dramatisch.

Bis jetzt gibt es mangels guter Sicht leider immer noch keine zuverlässige Beurteilung, ob das Ereignis vom Freitag genügend Material vom Dom entfernt hat, so dass er jetzt erst mal wieder stabil ist. Unser Radar jedenfalls zeigte gestern eine relativ kleine Aktivität am Dom an. Ich habe den vergleichsweise ruhigen Tag heute dazu genutzt, endlich mal wieder länger als sechs Stunden zu schlafen, was mir komischerweise sogar echt schwer fiel.

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Die Eruption von Yogyakarta aus

Zwar hat das Hotel hier einen erstklassigen Pool, aber mir kommt das angesichts der

Zerstörung um mich herum irgendwie menschenverachtend vor, sich hier im Pool zu tummeln,

während nur wenige Kilometer von mir entfernt Hunderttausende zum Teil schwer

verletzt in der sengenden Sonne unter freiem Himmel wohnen müssen, weil nicht genügend

Geld für temporäre Unterkünfte da ist. Leider gibt es genug Leute, die trotzdem den ganzen

Tag hier am Pool rumhängen.

Dass die Lage der Obdachlosen wirklich schlimm ist, habe ich von einem Mitarbeiter

der Hilfsorganisationen im Hotel erfahren. Wer den Menschen hier helfen möchte, kann Spenden an eine der Hilfsorganisationen vor Ort richten, zum Beispiel an "Handicap International". Informationen unter www.handicap-international.de

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