Der erste Europäer auf dem Mond

Am Sonntagmorgen endet die "SMART-1"-Mission der ESA im Staub des Erdtrabanten: ein großer Schritt für die europäische Raumfahrt
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Der Weg ist das Ziel

Wenn am Sonntag um 7.41 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Raumsonde SMART-1 mit 7200 Km/h in den Mondstaub rast, werden die Forscher im Kontrollzentrum in Darmstadt jubeln. Denn die Sonde wird weit mehr als einen zirka einen Meter tiefen und zehn Meter breiten Krater hinterlassen. Schon jetzt hat SMART-1 mit seinen Instrumenten wertvolle Daten zur Zusammensetzung und Geologie der Mondoberfläche geliefert.

An Bord des Mondkundschafters von der Größe eines Kühlschranks befinden sich miniaturisierte und hoch empfindliche Messinstrumente und Kameras. So machte die superkompakte Digitalkamera die schärfsten Aufnahmen von der Mondoberfläche, die jemals aus einer Mondumlaufbahn geschossen wurden. Für Forscher weitaus interessanter sind jedoch die Aufnahmen des Röntgenteleskops D-CIXS. Das Instrument, nicht größer als ein Toaster, lieferte erstmals detaillierte Informationen über die chemische Zusammensetzung der gesamten Mondoberfläche. Und damit einen wichtigen Hinweis auf die Entstehung des Mondes.

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Gefangen im Schwerefeld des Mondes: SMART-1

Kosmischer Crash immer wahrscheinlicher

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SMART-1 wird seine Mission auf einer von Gebirgen umgebenen Ebene beenden - dem "Lake of Excellence" (rote Markierung)

Zum ersten Mal konnten Wissenschaftler mit Hilfe des Teleskops auf dem Mond nicht nur Aluminium und Silikon nachweisen, sondern auch Kalzium und Magnesium - Mineralien, die auch im Erdinneren in großen Mengen vorkommen. Der Nachweis stützt die These, dass der Mond - zumindest teilweise - aus Erdgestein besteht. Ein Gestirn von der Größe des Mars muss demnach kurz nach der Entstehung der Erde in den jungen Planeten gerast sein. Aus der Explosionswolke und umherfliegenden Gesteinstrümmern formte sich innerhalb weniger tausend Jahre der Erdtrabant.

Wassereis, das die Forscher in den Kratern der Polregionen vermutet hatten, konnte die Sonde allerdings nicht entdecken.

Der Weg ist das Ziel

Ziel der Mission war nicht nur die Erforschung des Mondes. Den Ingenieuren ging es zunächst darum, einen neuartigen Antrieb zu testen. Das Ionentriebwerk der Sonde verbrauchte auf der ganzen Reise nur 50 Kilogramm Xenon-Gas.

Mit dem Schub, der dem Gewicht einer Postkarte entspricht, wand sich die Sonde spiralförmig zunächst um die Erde. In 14 Monaten legte die Sonde rund 100 Millionen Kilometer zurück, um in eine Mondumlaufbahn zu gelangen.

Der Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Raketentriebwerken: Ionengetriebene Raumfahrzeuge kommen langsam, aber stetig in Fahrt und brauchen weniger Treibstoff.

Triebwerke wie das jetzt getestete sollen bei zukünftigen interplanetaren Missionen zum Einsatz kommen.

Das furiose Ende von SMART-1 ist für Hobby-Astronomen sogar von der Erde aus zu beobachten. Die ESA-Experten werden die Sonde auf der erdzugewandten Seite des Mondes abstürzen lassen - und erhoffen sich noch aus der Analyse der aufstiebenden Materiewolke wertvolle Aufschlüsse über die Zusammensetzung der Mondoberfläche.

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Das Ionentriebwerk von SMART-1: Elektrisch geladene Teilchen werden in einem magnetischen Feld beschleunigt und erzeugen einen Rückstoß. Den benötigten Strom liefern Sonnensegel mit 14 Meter Spannweite

SMART-1: Mit Ionen zum Mond
SMART-1
SMART-1: Mit Ionen zum Mond
In der Nacht vom 27. auf den 28. September startete die erste Mond-Mission der Europäer. Ihr Ziel ist nicht nur der immer noch rätselhafte Erdtrabant. Die Forscher wollen auch neue Techniken für zukünftige Expeditionen ins Weltall erproben

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