Wie man einen Planeten verschwinden lässt

Astronomen entdecken immer mehr Himmelskörper in unserem Sonnensystem - doch die Zahl der Planeten nimmt nicht zu. Sondern ab. Teilnehmer eines internationalen Kongresses haben jetzt den Pluto zum "Zwergplaneten" degradiert

Erst 1930 hatte der amerikanische Astronom Clyde Tombaugh den Himmelskörper am Rande unseres Sonnensystems entdeckt. Mit einem Durchmesser von nur rund 2300 Kilometern war er zwar klein - und zudem auf einer recht exzentrischen Bahn unterwegs. Doch die Fachwelt war sich damals sofort einig, mit dem Pluto ein neues Mitglied der Planetenfamilie entdeckt zu haben.

Mittlerweile haben Astronomen in unserem Sonnensystem immer neue Himmelskörper ausgemacht. So tummeln sich Hunderte von ihnen, darunter einige von der Größe Plutos, im so genannten Kuiper-Gürtel jenseits der Bahn des Neptun.

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Neuordnung der Gestirne: oben die geschrumpfte Familie der eigentlichen Planeten, unten die neue Kategorie der Zwergplaneten

Mit dem Wissen verändern sich auch die Begriffe

Jetzt hat die astronomische Fachwelt reagiert: Die 26. Generalversammlung der International Astronomical Union (IAU) beschloss am vergangenen Donnerstag eine neue Definition dessen, was Planet ist und was nicht. Demnach kann den Planetenstatus nur noch beanspruchen, wer sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne befindet, annähernd runde Form hat und wer mit seiner Anziehungskraft die Umgebung seiner Umlaufbahn von kosmischer Materie gesäubert hat.

Den "echten" Planeten stellten die Wissenschaftler der IAU die "Zwergplaneten" gegenüber. Sie sind nach dem Willen der IAU nun solche Himmelskörper, die ihren Orbit nicht leergefegt haben, aber ansonsten der Planeten-Definition genügen. Da Pluto als Kind des materiereichen Kuiper-Gürtels gilt, muss er sich ab sofort mit dem Titel "Zwergplanet" begnügen. Schwacher Trost: Pluto gilt nun immerhin als Prototyp der neuen Klasse. Die weiteren Mitglieder heißen bisher Ceres und 2003 UB313. Weitere werden in Kürze folgen.

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Das bisher schärfste Foto von der Pluto-Oberfläche. Die braune Farbe soll von gefrorenen Methanvorkommen herrühren

Das Ergebnis überrascht nicht nur Laien: Noch vor wenigen Tagen hatten auch Fachleute für wahrscheinlich gehalten, dass die IAU die bisher neunköpfige Planetenfamilie um drei weitere Mitglieder erweitern würde: den Pluto-Begleiter Charon, Ceres und das Objekt 2003 UB313. Sogar von dutzenden, womöglich hunderten, Neuzugängen war die Rede.

Alles nur Medienrummel?

Der Beschluss erntete nicht nur Zustimmung: So rufen nun die Befürworter von Plutos Planetenstatus unter www.save-pluto.de zum Protest auf. Und Spiegel online ermunterte seine Leser, Alternativen zu dem obsoleten Merksatz "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten" zu erfinden (die Anfangsbuchstaben stehen für Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto). Die Absurdität vieler Einsendungen spricht für sich. So dichtete ein User: "Mit Vorsatz entwendeten Medienrummel jagende Sternforscher unseren Neunten!"

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