An der Grenze des Möglichen

Wie Mikroben in der extremen Kälte, Dürre und monatelangen Finsternis der Antarktis überleben
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Canyons in den Gletschern: Transportwege für Nährstoffe und Mikroben, die in die Seen der Trockentäler gespült werden

So leblos die antarktische Wüste auf den ersten Blick scheint, so reich ist doch ihre biologische Vielfalt, die sich in Fels- und Eisnischen vor dem Wetter verbirgt. Im Sandgestein der Transantarktischen Bergkette etwa hausen Pilze, Bakterien und Algen - genährt allein von dem kargen Streulicht, das bis tief in die Felsporen eindringt.

Diese Urwälder der Antarktis werden zwar nur wenige Millimeter groß, aber mehr als 200 000 Jahre alt. Andere Mikroben überwintern im Eis: Die Gletscher, die in die antarktischen Trockentäler hineinragen, sind von Staub übersäht, der sich in der Sonne erwärmt und so zahllose Wasserlöcher in den Eispanzer schmilzt. Diese so genannten "Cryoconite Holes" überfrieren mit einer Decke, bleiben im Inneren aber flüssig - und bieten Kieselalgen und Cyanobakterien, Wimper- und Bärtierchen Schutz für den Winter.

Vier Monate im Jahr herrscht dann völlige Finsternis. Algen überdauern diese Zeit, indem sie austrocknen und in eine Art "Winterschlaf" fallen. Selbst Jahrzehnte später können sie daraus wieder erwachen: Sobald in der Sonne die ersten Schmelzwasserbäche sprudeln, erstrahlen an Berghängen frische Algenbeete in rot, grün und orange.

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Wenn Staub in die Gletscher einschmilzt, bilden sich "Cryoconite Holes" - Blasen aus Wasser, in denen Mikroben gedeihen können

Kein Bewohner in dieser Welt, die mit ständigem Mangel zu kämpfen hat, kommt allerdings über das Maß eines Millimeters hinaus. Das mächtigste Raubtier der Frostwüste ist ein Wurm, Scottnema lindsayae, der 0,7 Millimeter groß wird - und die Steppe nach Algen und Hefe-Bakterien abgrast.

Fadenwurm, Scottnema lindsayae

Der "Löwe der Antarktis" frisst Bakterien und Algen. Im Winter sinkt er in einen Kälteschlaf, trocknet aus - und lässt sich vom Wind in neue Jagdgründe wehen.

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