Zeitreise zum biologischen Urknall

Begann das irdische Leben im Eis?
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Mit einem Radargerät, das auf eine selbstgebaute Karre montiert ist, ermitteln zwei Glaziologen die Größe eines Mineralsees, der unter dem Taylor-Gletscher begraben liegt. An Orten wie diesem, so glauben sie, könnten die ersten Organismen der Erde entstanden sein.

Ursuppe, Tiefsee oder doch eine Nische im Schnee: Über die Frage, wo die Wiege des Lebens zu finden ist, zanken sich Wissenschaftler bis heute erbittert. Sicher ist nur, dass sich vor ungefähr 3,5 Milliarden Jahren erstmals Moleküle bildeten, die sich selbstständig vermehren und so organische Zellen aufbauen konnten. Wo aber fand die Initialzündung hierfür statt?

In einer heißen Umgebung wie zum Beispiel an den "rauchenden Schloten" am Meeresgrund wäre zumindest die nötige "Reaktionswärme" vorhanden, um langkettige organische Moleküle an mineralreiche Oberflächen zu binden. Allerdings: Zuviel Hitze zerstört solche Ketten nur, sagen die Kritiker dieser Theorie - und glauben daher, dass die Bruststätte unseres Daseins von Kälte umgeben war.

So hat der Physiker Hauke Trinks von der TU Hamburg-Harburg auf mehreren Expeditionen in Grönland belegen können, dass sich Hohlräume im Eis bestens als Schutzkammern für einfache organisch-chemische Reaktionen eignen. Und in der Antarktis haben Wissenschaftler der "Montana State University" unter Gletschern verborgene, mineralreiche Seen entdeckt, die sie ebenfalls als ein "perfektes Modell" für die Wiege des Lebens halten: "Nicht zu warm, aber chemisch stabil." Tatsächlich haben sich hier, abgeschottet vom Licht, einfache Bakterien entwickelt, die sich allein von Eisen und Schwefel ernähren.

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Der Hamburger Physiker Hauke Trinks hat mehrere Monate in der Arktis verbracht, um herauszufinden, ob das Leben im Eis entstanden sein könnte. Hören Sie einen Ausschnitt aus dem Hörbuch "Im Königreich der Eisbären" (1,9 MB, 2:05 Min.)

Verfolgen Sie die Arbeit der Antarktisforscher in den Trockentälern.
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