Lava, die auf Gletscher fällt

Am Mount Erebus, dem südlichsten aktiven Vulkan der Welt, blicken Antarktis-Forscher in die Tiefe des Erdinneren
8388f3be1b0e35a6aaf798e37d4063d6

Treffpunkt Vulkan: Am Fuß des Mt. Erebus, am Cape Royds, liegt die südlichste Pinguin-Kolonie der Welt. 4000 Adélie-Paare kommen jedes Jahr im Sommer zum Brüten hierher

Die Gipfelkette der Transantarktische Berge, die sich quer durch den Kontinent zieht, markiert ein tektonisch aktives Grabensystem, das die Erdkruste unter dem weißen Panzer gemächlich zerreißt. Auf dem Eis sind die Kräfte der Unterwelt kaum zu spüren, am Mt. Erebus aber, am Rande des Schelfs, brechen sie aus der Tiefe hervor. Der 3900 Meter hohe Vulkan schleudert sechs- bis zehnmal am Tag glühende Lava-Bomben in hohem Bogen hinaus auf die Gletscher. Im Kraterbecken brodelt ein Lava-See; und an den Flanken haben vulkanische Gase unterirdische Labyrinthe ins Eis geschmolzen.

Ein internationales Vulkanologen-Team bewacht das Feuer im Eis schon seit Jahren. Sie haben es mit einem Netz aus Instrumenten

umspannt: Seismographen registrieren das Zittern des Bodens, Mikrofone lauschen dem vulkanischen Grollen, ein Videokamera am Kraterrand observiert jeden Ausbruch. Im Winter 2005/2006 konnten die Forscher sogar mit "Radarfallen" die Größe und Geschwindigkeit der Lava-Bomben berechnen - und wollen nun aus ihren Ergebnissen ein komplettes "Panorama" vom Herzschlag des Vulkans zusammenstellen.

Immer wieder steigen die Wissenschaftler dafür zum Krater hinauf. Sie vertrauen dabei auf ihr Geschick, die unkalkulierbare Gefahr der Erdkräfte so genau wie nur möglich zu kalkulieren. Wie fatal indes schon ein winziger Irrtum sein kann, zeigen Videoaufnahmen von einer Eruption, die sich am 3. Dezember 2005 ereignete - nur wenige Stunden, nachdem die Forscher in Begleitung des GEO-Teams neue Instrumente am Kraterrand aufgebaut hatten.

Mehr zum Thema

Eine Satelitenbildaufnahme vom Mount Erebus
GEO.de Newsletter