Medizin: Die Iron-Maus

Muskelgruppen von Nagern, die zu extremen Ausdauerleistungen befähigen, können gentechnisch aktiviert werden

Muskelfasern lassen sich nicht nur histologisch in glatte oder quergestreifte Muskulatur unterscheiden, sondern auch nach Enzym-Aktivität klassifizieren. Der Großteil der Säugetiermuskeln enthält demgemäß entweder Fasern der langsam kontraktierenden Typen I und IIa, die Ausdauerleistungen ermöglichen, oder des Typs IIb: Diese können sich schneller zusammenziehen und werden für kurzzeitige Höchstleistungen, zum Beispiel bei Sprints, gebraucht. Typ IIX dagegen, der etwa bei Mäusen 15 bis 20 Prozent der Muskelmasse ausmacht, kann beides: Er ist sowohl ausdauernd wie auch schnell.

Zumindest bei den Nagern lässt sich der Anteil an diesen Supermuskelfasern steigern, wie eine Studie des Teams um Bruce Spiegelman von der Harvard Medical School ergab. Dazu aktivierten die Forscher bei ihren Test-Tieren das Gen PGC-1 beta. Es schaltet eine Kaskade weiterer Gene an, die bewirken, dass nahezu alle Muskelfasern im Körper in den Typ IIX umgewandelt werden. So schufen die Forscher regelrechte "Ironman-Mäuse", die auf dem Laufband 25 Prozent mehr Ausdauerleistung zeigten. Hat Spiegelman eine neue Dopingmethode gefunden? Den Missbrauch kann er nicht ausschließen. "Das eigentliche Ziel unserer Arbeit ist es jedoch, Patienten zu helfen, die an erblich- oder altersbedingtem Muskelabbau leiden." Ob Triathleten und Ultramarathonläufer von Natur aus über einen höheren Anteil an Supermuskeln verfügen, ist bislang noch p nicht erforscht.

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