Video Das Klimahaus Bremerhaven

Hier wird Wissenschaft zum Erlebnis für Groß und Klein: Das Klimahaus in Bremerhaven führt den Besuchern die Folgen des Klimawandels vor Augen.

Das Klimahaus Bremerhaven: Aufwändige Architektur

Auf dem Hafengelände der Weserstadt entstehen für 300 Millionen Euro die "Havenwelten": Unter anderem sollen hier ein neuer Yachthafen und ein dutzend Ausstellungshäuser entstehen. Bereits geöffnet haben das Deutsche Auswandererhaus, das Deutsche Schifffahrtsmuseum und der Zoo am Meer.

Doch über der Hauptattraktion kreisen noch die Baukräne: Am 1. März 2009 soll das Klimahaus fertiggestellt sein. Animationen zeigen ein Gebäude mit aufwendiger Architektur: Über die 125 lange und 82 Meter breite Innenkonstruktion aus Beton wölbt sich eine futuristisch geschwungene Hülle aus Glas.

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Ein Touristen-Magnet: Das Klimahaus Bremerhaven

Das Klimahaus Bremerhaven

Das Klimahaus wird auf einem 40 Hektar großen Hafengelände am Weserufer entstehen

Spektakulär sollen auch die rund 150 Räume im Klimahaus Bremerhaven ausfallen. Die Idee: Von Raum zu Raum sollen die Besucher von Bremerhaven aus auf dem achten östlichen Längengrad einmal um die Welt reisen und dabei neun verschiedene Klimazonen kennen lernen.

Der Weg wird steile Felsen hinaufführen und in tiefe Gletscherspalten hinein, durch heißen Wüstensand und schwülen Regenwald, sogar durch Unterwasserlandschaften mit eigens gezüchteten Fischen und Korallen. Das Konzept mit seiner Mischung aus interaktivem Science-Center, Museum und Aquarium sei in Europa einzigartig, sagt Geschäftsführer Arne Dunker. "Das Klimahaus Bremerhaven wird wie ein Zündfunke wirken und den Tourismus in Bremerhaven beleben."

Die Stadt kann es brauchen, sie steckt seit Jahren in der Krise: Jeder Fünfte hier ist arbeitslos, zwei von fünf Kindern leben von Hartz IV, rund 30 Prozent aller Haushalte sind überschuldet. Die Havenwelten sollen die Rettung bringen.

Das Geld dafür stammt hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln, auch die 70 Millionen Euro, die für den Bau des Klimahauses angesetzt sind. Entsprechend umstritten ist das Großbauprojekt. Kritiker sehen die maritime Erlebniswelt als riskante Strukturhilfe und fordern, das Geld lieber für soziale Projekte einzusetzen.

Klimahaus Bremerhaven: Ein "hervorragender Partner" der Forschung

Die Befürworter ficht das nicht an. Vor allem das Klimahaus Bremerhaven als Hauptattraktion erfährt breite Unterstützung: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat die Schirmherrschaft übernommen.

Beim renommierten Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven freut man sich über einen "hervorragenden Partner", und auch der Deutsche Wetterdienst und das Max-Planck-Institut für Meteorologie verteilen Vorschlusslorbeeren. Damit die anvisierten 600.000 Besucher pro Jahr auch tatsächlich ins Klimahaus kommen, wird ein enormer Aufwand für die Gestaltung der Räume betrieben.

Auf dem 8. Längengrad um die Welt

Viermal ist ein Rechercheteam in den vergangenen fünf Jahren auf dem achten östlichen Längengrad um die Welt gereist, um zu erfahren, wie Menschen sich an klimatische Bedingungen angepasst haben. Übergreifende Themen der Ausstellungen im Klimahaus sind daher nicht nur Funktion und Wirkung des Klimas, sondern auch der Klimawandel und seine Folgen. "Wir möchten die Besucher dafür sensibilisieren, welche Verantwortung sie selbst für das Klima tragen", sagt Friedo Meger, künstlerischer Leiter des Klimahauses.

Das Klimahaus Bremerhaven

Futuristische Architektur: Säulen, wellenförmige Galerien und Wendeltreppen prägen das Innenleben des Klimahauses

Die Ausstellungsbereiche

Im ersten Ausstellungsbereich des Museums, der "Reise", erfahren die Besucher im Schweizer Isenthal, welche Folgen die Erderwärmung haben kann: Die Permafrostböden sind hier ein großes Stück weit geschmolzen, Videoprojektionen zeigen Bilder von eisfreien Felsmassiven, und plötzlich wird im Raum ein Steinschlag ausgelöst, der auf die Besucher herab stürzt - die wenig später aufatmen, weil es sich nur um Tischtennisbälle handelt.

Einige Räume weiter geht es um die Menschen im Niger, die mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen haben - beide Probleme werden sich in Folge des Klimawandels noch verschärfen. Der Weg führt durch ein ausgetrocknetes Flussbett, eine künstliche Sonne blendet die Augen.

Die Besucher lernen in den Ausstellungsbereichen via Videos die 11-jährige Mariam kennen und nehmen für kurze Zeit Teil am beschwerlichen Alltag des kleinen Mädchens, indem sie Hirse stampfen oder Wasser aus dem nahen Brunnen fördern.

Das Klimahaus Bremerhaven

In verschiedenen Ausstellungsbereichen können die Besucher die Auswirkungen des Klimawandels beobachten - zum Beispiel an einem samoanischen Pazifikstrand

Viele Räume im Klimahaus zeigen, dass Menschen auf anderen Kontinenten - vor allem in Afrika - viel stärker unter den Folgen des Klimawandels leiden werden als die Europäer. Gleichwohl kann Jeder im Alltag eine Menge tun, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren - und so helfen, die drastischen Folgen des Klimawandels in anderen Ländern zu mildern.

Um das zu verdeutlichen, soll es dutzende Experimentierstationen im Klimahaus geben, etwa einen Fahrsimulator, auf dem die Besucher spritsparendes Fahren üben können. Nachhaltigen Eindruck dürfte auch jene Station des Museums hinterlassen, an der man sich seine eigene CO2-Bilanz ausrechnen lassen kann.

Der zweite Ausstellungsteil heißt "Elemente", er beschäftigt sich mit Feuer (bzw. Wärme), Wasser, Erde und Luft und zeigt, wie sie im Wechselspiel das Wetter bestimmen. Über 100 interaktive Exponate sollen zum Beispiel erklären, wie Stürme und Hagel entstehen oder welche Rolle Meeresströmungen für das Klima spielen.

Wie werden wir in 50 Jahren leben?

Antworten auf diese Frage versucht der dritte Ausstellungsteil zu geben, der "Perspektiven" heißt. Die kapselartigen "Raumkörper", die auf dieser Ebene stehen, greifen die neun Klimastationen der Weltreise wieder auf. Ausgehend von Prognosen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie werden Szenarien entworfen, wie sich das Klima in der Schweiz, im Niger oder auf den Inseln Samoas in den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnte.

11.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, Experimentierstationen und Multimedia-Installationen - das Klimahaus wird viel Energie verschlingen. Durch ein ausgeklügeltes Energiekonzept wollen die Betreiber zwar nach eigenen Angaben fast die Hälfte des Bedarfs mit regenerativer Energie decken.

Für die andere Hälfte werden sie jedoch auf konventionelle Energie zurückgreifen müssen. So wird das Klimahaus mit dem Makel leben müssen, über den Klimawandel aufklären zu wollen - und doch selbst ein wenig zum Klimawandel beizutragen.

Das Klimahaus Bremerhaven

Der gesamte Innenraum des Klimahauses ist von einer 10 000 Quadratmeter großen Glasfassadenkonstruktion umgeben

Wie klimafreundlich ist das Klimahaus Bremerhaven?

11500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 150 Räume allein in der Ausstellung, große Exponate wie Aquarientanks, die beleuchtet, beheizt oder gekühlt werden müssen: Das Klimahaus wird viel Energie verbrauchen. Doch bis zu 50 Prozent des Bedarfs wollen die Betreiber mit regenerativer Energie decken. Möglich wird das durch ein spezielles Bau- und Energiekonzept:

  • Kühlung: Das Gebäude ruht auf Betonpfählen, die bis zu 15 Meter tief in den Untergrund gegossen wurden. 464 davon sind so genannte "Energiepfähle". Diese sind von Kunststoffrohren durchzogen, durch die eine Kühlflüssigkeit strömt. Sie nimmt die Temperatur des Bodens auf, die ganzjährig zwischen 6 und 12 Grad liegt.

    Mit der so gewonnenen Kälte werden große Teile des Gebäudes gekühlt, einige davon auch im Winter, z.B. die Aquarien, in denen permanent viel Wärme entsteht. Auf dem Dach sollen Wasserkühltürme montiert werden, die nach dem Prinzip der "freien Kühlung" die Außenluft nutzen. Das funktioniert bis zu einer Außentemperatur von 15 Grad.
     
  • Strom: Eine Photovoltaik-Anlage, die auf einem benachbarten Gebäudeteil montiert wird, liefert einen Teil des Stroms.
     
  • Wasser: In Bottichen auf dem Dach wird Regenwasser aufgefangen und über ein Rohrsystem ins Gebäude geleitet. Es dient als WC-Spülung und zur Bewässerung der Pflanzen im Klimahaus.
     
  • Belüftung: Überall dort, wo sich Ausstellungsräume direkt an der doppelten Fassade befinden, sorgen regelbare Öffnungen in der Außenhülle für eine natürliche Luftzufuhr. Abhängig von der Außentemperatur werden sie bei Wärme geöffnet und bei Kälte geschlossen. Im Winter funktioniert die doppelte Fassade wie ein Wintergarten: Die unmittelbar angrenzenden Räume heizen sich auf.
     
  • Heizung: Das Klimahaus bezieht Fernwärme von der Stadt Bremerhaven aus thermischer Abfallverwertung. Bei diesem Verfahren wird die bei der Verbrennung von Abfällen entstehende Wärme nahezu vollständig aufgefangen und zu Verbrauchern wie dem Klimahaus geleitet.