Botanik: Leckere Mieze

Die alte Erdbeersorte "Mieze Schindler" soll helfen, die Aromaschwäche moderner Züchtungen zu beheben

Groß und rot sind handelsübliche Erdbeeren wohl, ertragreich und hart im Nehmen – also schädlingsresistent, druckfest und lange haltbar. Doch auf dem Weg von der Wildart zur kommerziellen Frucht ist das Aroma auf der Strecke geblieben.

Züchtungsforscher Detlef Ulrich vom Julius-Kühn-Institut (JKI) in Quedlinburg hat die Aromamuster alter Sorten wie der "Mieze Schindler“ mit modernen Züchtungen verglichen und spricht von einer regelrechten genetischen Geschmacks-Erosion. Seine Analysemethode konnte insgesamt 200 flüchtige Substanzen feststellen. Während in der "Mieze“ noch ein reichhaltiger Cocktail aus kurzkettigen Fruchtsäuren steckt, ist von all dem in Elsanta, einer der häufigsten Handelssorten, fast nichts erhalten.

Vor allem die Schlüsselsubstanz Methylanthranilat – verantwortlich für die waldbeerartige Note – ist bei ihr völlig verschwunden. Die Quedlinburger Forscher kreuzten deshalb die leckere, aber empfindliche Gartenerdbeere Mieze Schindler mit modernen Sorten: Jährlich entstehen nun 10 000 bis 15 000 neue Linien, unter denen bereits einige sehr "geschmackvolle Kandidaten“ identifiziert werden konnten.

GEO.de Newsletter