Hurrikan "Katrina": Chronologie einer Katastrophe

Vor drei Jahren, am 29. August 2005, traf der verheerendste Sturm aller Zeiten die Südstaaten-Metropole New Orleans

"Katrina" bildete sich am 23. August 2005 als gemäßigter Hurrikan der Stufe 1 über dem Atlantik, östlich der Bahamas. Von hier brauste der Sturm nach Florida, überquerte danach den Golf von Mexiko, wo er seine größte Kraft entwickelte: mit Windgeschwindigkeiten um 280 Stundenkilometern.

Über eine Million Menschen flüchten

Am 29. August traf "Katrina" in Louisiana auf die US-Südküste – und verlor an Kraft: Meteorologen setzten ihn auf der Hurrikan-Skala von Stufe 5 auf Stufe 3 herab, mit einem Tempo von immer noch 200 Stundenkilometern. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1,2 Millionen Bewohner der Golfküste auf der Flucht vor der Naturgewalt.

Warten auf die Katastrophe

Auch New Orleans stellte sich auf das Schlimmste ein. Da weite Teile der Stadt mit seinen damals 450 000 Bewohnern unterhalb des Meeresspiegels liegen, befürchtete man eine Flut. Zwei Dämme schützen New Orleans vor dem Lake Pontchartrain und dem Mississippi.

Im Nu säuft die Stadt ab

Am Nachmittag des 29. August erfüllten sich die schlimmsten Befürchtungen: Eine Sturmflut durchbrach die Dämme auf 150 Metern. Das Wasser schoss in das Zentrum wie in einen Topf. Alles, was im Weg stand, wurde von der Welle fortgerissen: Menschen, Autos, ganze Häuser. Gleichzeitig fielen sintflutartige Regenfälle. Rasch stand die schmutzige Flut bis zu 7,60 Meter hoch in der City. Etwa 1500 New Orleanians waren tot.

Ein Stadion als trügerische Rettungsinsel

Noch während das Unwetter tobte, suchten zehntausende Menschen Zuflucht im "Louisiana Superdome", einem Footballstadion, das im Nu völlig überfüllt war mit Familien, Jungen und Alten – und Banden, die für Unsicherheit sorgten. Es gab keine Verpflegung, kein Wasser. Menschen kollabierten, starben – eine humanitäre Katastrophe bahnte sich an.

Die Stunde der Verbrecher

Für die übrige Bevölkerung außerhalb des Stadions wurden die ersten Stunden nach Katrina zur Tortur. Die Stadt war von der Außenwelt fast völlig abgeschnitten. Es gab kein Trinkwasser, keinen Strom. In den überfluteten Straßen verbreiteten Plünderer und Gewalttäter Angst und Schrecken. Es kam zu zahlreichen Morden, Überfällen und Vergewaltigungen. Rettungskräfte wurden beschossen.

Eine Stadt im Ausnahmezustand

Schließlich verfügten die Behörden die komplette Räumung der Stadt. Am 1.9.2005 verhängte die Gouverneurin von Louisiana darüber hinaus das Kriegsrecht über New Orleans. Eilig heran geholte Einheiten der Nationalgarde patrouillierten durch die Quartiere und hatten Erlaubnis, Plünderer an Ort und Stelle zu erschießen.

Für Obdachlose startet eine Odyssee

Erst am 4. September gelang es, die Menschenmenge im "Superdome" mit Bussen zu evakuieren – zuerst in ein anderes Stadion und eine Messehalle nach Houston, wo die Verhältnisse aber nicht besser waren. Nach und nach ging es für die obdachlos gewordenen New Orleanians weiter: an zahlreiche Evakuierungsorte überall in den USA.

444a90f770d5ba3602566e653bdfbc78

Überflutete Gebiete nach "Katrina"

Kein Sturm brachte größeren Schaden

Am 31. August 2005 löste sich Katrina über dem Festland auf. Nur allmählich wurde das Ausmaß der Verwüstung deutlich. Während seines Laufs über mehrere Bundesstaaten, soll der Hurrikan einen Rekordsachschaden von 100-130 Milliarden Dollar angerichtet haben. Angesichts der menschlichen Tragödien warfen sich Regionalregierung und Washington gegenseitig Versagen beim Krisenmanagement vor.

Hilfe gibt es scheinbar nicht für alle

Für New Orleans gewährte Präsident Bush 10,6 Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe. Bis heute (August 2008) sind etwa zwei Drittel dieser Summe investiert. Das weltberühmte Touristenviertel French Quarter ist schon zu fast 100 Prozent wiederhergestellt. In Lower Ninth Ward hingegen, einem Stadtteil, der nur von Schwarzen bewohnt wurde, sind erst 11 Prozent der früheren Wohnungsdichte erreicht.

Hat man die Vertriebenen vergessen?

Noch immer leben zehntausende New Orleanians in Notquartieren, vor allem arme Familien, Kranke und Alte, weit verstreut im ganzen Land. Die Wohnwagenparks allerdings, die vom staatlichen Katastrophenschutzamt FEMA organisiert worden waren, sind kürzlich aufgelöst worden: Nach mehr als zwei Jahren wurde festgestellt, dass das Innere der so genannten "FEMA Trailers" mit Formaldehyd verseucht ist.

Haben die Schwarzen keinen Platz mehr?

Streit ist in New Orleans entbrannt, ob "Katrina" nicht ein Katalysator für die zuvor schon existierende Zweiklassengesellschaft geworden ist: Auf der einen Seite die Schwarzen, die von staatlicher Zuwendung leben und im Sturm buchstäblich ertrunken sind. Auf der anderen Seite die Weißen, deren Häuser nicht nur auf flutsicherem Terrain stehen, oberhalb vom Zentrum, sondern die auch als erste in den Genuss der Wiederaufbauhilfe gekommen sind.

Katrina wird die Menschen in New Orleans noch lange beschäftigen.

aa5ccf20951d6e6668081bac4c3344c6

Anteil der Haushalte, die im Juni 2008 wieder Post an ihre alte Adresse bekommen

GEO.de Newsletter