Wirbelstürme: Fakten über "Ike" und Co.

Warum hat „Ike“ einen Namen? Welches waren die zehn schlimmsten Wirbelwinde? Und beschert uns der Klimawandel eine stürmische Zukunft?
In diesem Artikel
Woher haben Hurrikans ihre Namen?
Was unterscheidet Hurrikans, Taifune und Zyklone?
Wie entstehen Hurrikans?
Was ist die Saffir-Simpson-Skala?
Welche Regionen sind besonders gefährdet?
Ist der von den Forschern gemessene Trend eine Folge des Klimawandels?
Gibt es in Zukunft mehr Stürme wie „Ike“?

Woher haben Hurrikans ihre Namen?

Wenn während der Saison vom 1. Juni bis 30. November jedes Jahres die Hurrikans Hochkonjunktur haben, herrscht auf Wetterkarten großes Durcheinander. Wer soll die vielen Wirbel auseinander halten? Schon vor über 50 Jahren kamen Militär-Metereologen deshalb auf die Idee, besonders große Hurrikans mit Namen zu versehen. Entsteht ein Wirbel über dem Atlantik, im Golf von Mexiko oder in der Karibik, erhält er, bei ausreichender Größe, einen Jungen- oder Mädchennamen, seit 1979 stets im Wechsel. Diese Namensliste wird auf sechs Jahre voraus festgelegt. Deshalb weiß man schon heute, dass auf den aktuellen Hurrikan „Ike“ als nächstes „Josephine“ folgen wird, dann „Kyle“, „Laura“ etc.

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die zuständigen Behörden in den verschiedenen Weltregionen eigene Kulturen bei der Namensvergabe angeeignet. So vergibt der Wetterdienst der Philippinen einheimische Mädchennamen, die auf „ng“ enden. Im Nordwestpazifik hören die Wirbelstürme seit 2000 weniger auf Menschennamen, sondern auf die von Pflanzen, Tieren, Vögeln. Außerdem dürfen 14 Nationen und Territorien jeweils zehn eigene Vorschläge zur insgesamt 140 Positionen umfassenden Liste beisteuern. – Angesichts der oftmals verheerenden Dimensionen der Naturgewalt eine geradezu possierliche Beschäftigung.

Was unterscheidet Hurrikans, Taifune und Zyklone?

Hurrikans kommen meist in Nord-, Mittelamerika und der Karibik vor, daher leitet sich auch der Name ab. „Hurrikan“ ist ein Wort aus dem Indianischen, entweder aus einer Maya-Sprache oder der Sprache der karibischen Taino-Indios. Es gelangte über das Spanische „huracán“ ins Englische und von diesem ins Deutsche. Auch das Wort „Orkan“ ist dem entlehnt. Vermutlich heißt „Hurrikan“ so viel wie „Gott des Windes“, denn in der Mythologie der Maya war der Name des Wind-, Blitz- und Sturmgottes „Huracan“.

Taifune richten ihre verheerende Wirkung vorwiegend in Ost- und Südostasien an, woraus sich der vermutlich chinesische Ursprung von „Taifun“ erklärt: „tai fung“, was so viel bedeutet wie „großer Wind“. Es könnte auch Bezüge zum altgriechischen „typhon“ haben, das sich ebenfalls mit „Wirbelwind“ übersetzen ließe.

Eindeutig griechisch ist der Ursprung des Begriffs „Zyklon“, eines Wirbelsturmes, der vor allem im Golf von Bengalen auftritt. „Kiklonas“ heißt so viel wie „Der Rotierende“ – ein sprechender Name, denn das ist genau, was Zyklone und auch Hurrikans mit warmer Luft machen: sie lassen sie unter großem Druck kreisen.

Wie entstehen Hurrikans?

Ein Hurrikan kann nur unter ganz bestimmten Bedingungen entstehen und seine zerstörerische Kraft entfalten. Er braucht eine Meeresfläche mit einer Wassertemperatur von mindestens 27 Grad Celsius in wenigstens 60 Metern Tiefe – was erklärt, weshalb die eher warmen pazifischen Meere eine ideale „Nahrung“ für Tiefdruckwirbel darstellen. Sommer und Frühherbst sind insofern auch die Hochzeiten für Hurrikans. Bei starker Sonneneinstrahlung verdunsten große Mengen an Wasser in den tropischen Ozeanen und werden von der Luft aufgenommen.

Der aus dem Verdunstungsprozess entstehende Wasserdampf steigt in bis zu 20 Kilometern Höhe und setzt enorme Energien frei. Aus einem noch eher harmlosen Sturm wird aber erst dann ein lebensbedrohlicher Hurrikan, wenn sich auch mit Hilfe der Erddrehung eine kreisförmige Tiefdruckzone im Zentrum der feuchtwarmen Luftmassen herausbildet. In diesem „Auge“ des Hurrikans, das ein Ausmaß von 30 bis 60 Kilometer haben kann, ist es fast windstill, während außen bis zu 3,6 Millionen Tonnen Luft mit einer Windstärke von mindestens 180 Stundenkilometern rotieren.

Hurrikans lassen sich schon von weitem an ihrer dunklen Wolkenwand erkennen, aus der sich sintflutartige Regenschauer ergießen. Mit einer relativ geringen Geschwindigkeit von acht bis 80 Stundenkilometern bewegt sich dieser bedrohliche Wolkenwirbel dann auf küstennahe Gebiete zu.

Was ist die Saffir-Simpson-Skala?

Hurrikans fegen mit einer Windstärke von 12 und mehr über Meer und Küste, was einer Geschwindigkeit von 118 Stundenkilometern entspricht. Die ursprüngliche Beaufort-Skala, benannt nach dem irischen Hydrographen Francis Beaufort (1774–1857) reichte nicht mehr aus, um die immer höheren Windstärken eines Hurrikans messen und dessen mögliches Gefahrenpotenzial vorhersagen zu können. Deshalb entwickelten die US-amerikanischen Wissenschaftler Herbert Saffir und Bob Simpson 1969 eine neuartige Skala, die später nach ihnen benannt wurde.

Sie teilt die Hurrikane in insgesamt fünf Kategorien ein, beginnend mit 1 und ausgerichtet am Maß der jeweils höchsten mittleren Windgeschwindigkeit. Bewertungsgrößen sind die Höhe der vom Sturm erzeugten Meereswellen und der Luftdruck im Zentrum des Wirbelsturmes. Die Windgeschwindigkeit muss nach einer Vorgabe der World Meteorological Organisation (WMO) über 10 Minuten gemittelt werden, um zu verhindern, dass kurze und zufällige Windböen die Werte nicht verfälschen können. Der auf der Saffir-Simpson-Skala ermittelte Wert kann mögliche Schäden an der Küste prognostizieren.

Welche Regionen sind besonders gefährdet?

Hurrikans entstehen vorwiegend vor der südamerikanischen Nordküste und vor der Küste Westafrikas. Zu den besonders gefährdeten Regionen gehören der Golf von Mexiko, Florida und die Südostküste der USA. Gefahrengebiete sind aber auch die tropischen Gewässer und Inseln der Karibik, ferner Indien und der südostasiatische Raum.

Die zehn tödlichsten Hurrikane in den USA sind:

  1. September 1900, Galveston/Texas: 8000-12000 Tote
  2. September 1928, Lake Okeechobee/Florida: 2500-3000 Tote
  3. August 2005, „Katrina“, New Orleans etc.: 1500 Tote
  4. 1893, Cheniere Caminda: 1100-1400 Tote
  5. 1893 Sea Islands: 1000-2000
  6. 1881 South Carolina: 700
  7. 1957 „Audrey“, Louisiana/Texas: über 410 Tote
  8. 1935 Keys/Florida: 408
  9. 1856 Last Island/Louisiana: 400 Tote (sowie ca. 200 Tote auf See)
  10. 1926 Florida, Minnesota, Alabama: 380 Tote

(Quelle: Hurricane Research Division)

Ist der von den Forschern gemessene Trend eine Folge des Klimawandels?

Hurrikane bilden sich über dem offenen Meer, sofern dessen Oberflächenwasser mindestens 27 Grad warm ist. Erwärmt sich das Wasser der tropischen Gewässer weiter, erscheinen stärkere Stürme als logische Konsequenz. Doch da setzt bereits die wissenschaftliche Kontroverse ein. Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung stimmt zwar zu, dass das Klima der Erde aufgeheizt werde. Doch was die Folgen anlangt, seien alle Modelle so widersprüchlich, „ dass wir keine belastbaren Vorhersagen machen können.“

Ist die dichte Folge von Hurrikans wie „Hanna“, „Gustav“ und „Ike“ in der diesjährigen Saison also bloß ein Zufall? Tatsächlich kamen die Bewohner der Risikogebiete in den Jahren 2006 und 2007 recht glimpflich davon. Und es sind keineswegs Stürme der letzten Jahre – mit Ausnahme von „Katrina“ 2005 -, die die meisten Opfer gefordert haben. Den traurigen Rekord hält ein Hurrikan, der 1900 auf Galveston in Texas traf und mindestens 8000, vielleicht sogar 12 000 Menschen ums Leben gebracht hat.

Gibt es in Zukunft mehr Stürme wie „Ike“?

Anfang September 2008 erregte eine Studie der Florida State University Aufsehen. Die Wetterexperten hatten die Satellitendaten von Hurrikans zwischen 1981 und 2006 näher untersucht. Das Ergebnis: Die Windgeschwindigkeiten hätten zugelegt, von durchschnittlich 224 auf 250 Stundenkilometer. Die Konsequenz: Tropenstürme könnten in Zukunft noch größere Zerstörungen anrichten als bislang.

Christopher Landsea, der wissenschaftliche Direktor des amerikanischen National Hurricane Center, kritisiert jedoch, dass der von der Florida State University untersuchte Zeitraum zu kurz sei, um stichhaltige Aussagen machen zu können. Unstrittig sei, dass Hurrikans in den letzten zehn Jahren vermehrt und verheerender aufgetreten seien als zuvor. Doch solche Zyklen habe es seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer gegeben, seit die Stürme unter meteorologischer Beobachtung stehen.

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