Eisenfresser im Eis

In der Antarktis leben fremdartige Wesen in Seen tief unter dem ewigen Eis

Vor 1,5 Millionen Jahren schnitten gewaltige Kräfte der Erde einen Fjord in der Nähe des heutigen McMurdo- Sundes vom offenen Meer ab. Später schob sich ein Gletscher über das Wasser des antarktischen Sees. Unter seinem 400 Meter dicken Eis herrschten fortan Finsternis und eisige Kälte.

Eine seltsame Naturerscheinung ermöglichte jetzt die Entnahme von Proben aus dieser abgeschotteten Welt. Aus dem Taylor-Gletscher ergießen sich von Zeit zu Zeit Wasserfälle von rotbrauner Farbe, die sogenannten Blood Falls. Sie stammen aus dem vier Kilometer entfernten See, der vor wenigen Jahren bei Radarmessungen entdeckt worden ist.

Das Wasser, so fanden die amerikanische Geomikrobiologin Jill Mikucki und ihre Kollegen heraus, ist klar und sehr salzig. Und es enthält überhaupt keinen Sauerstoff. Dennoch entdeckten die Forscher unterschiedliche Arten von Mikroorganismen, deren Vorfahren einst im freien Ozean lebten.

Die Nachkommen haben sich inzwischen an eine völlig neue Diät gewöhnt: Reste von organischen Kohlenstoffverbindungen werden von ihnen in einem Schwefel-Eisen-Kreislauf zersetzt.

Zwar leben auch an "Schwarzen Rauchern" der Tiefsee Organismen, die sich von Schwefel ernähren, doch die chemischen Abläufe und ihre Endprodukte sind andere. "Schwefelwasserstoff haben wir in dem Wasser aus den Blood Falls kaum gefunden", erläutert Mikucki den wesentlichen Unterschied. "Hier ist Eisen das letzte Glied in der Kette."

Das Metall, das aus dem felsigen Untergrund stammt, erklärt zugleich die rotbraune Farbe des Wasserfalls. Es reagiert mit dem Luftsauerstoff, das Ergebnis: Rost.

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