Kuriose Wissenschaft: Angriff der Killertomate

Mark Chase, Biologe der Royal Botanic Gardens im englischen Kew, setzt sich dafür ein, auch Tomaten und Petunien zu den fleischfressenden Pflanzenarten zu zählen

Wie verrichtet denn die Tomate ihr mörderisches Handwerk?

Die Härchen am Stamm von Tomaten – insbesondere von wild wachsenden Arten – können für kleine Insekten eine tödliche Falle bilden. Die Tiere verfangen sich und verenden.

Na und? Die Tomate kann die Tiere doch nicht verdauen!

Das nicht. Aber wenn die Tiere verwesen, kann sie die dabei entstehenden Nährstoffe aufnehmen. Sie ernährt sich also von den Verfallsprodukten der Tiere, die sie erlegt hat.

Ein sehr ungewöhnliches Verständnis von fleischfressend...

Nicht für Botaniker. Alle Forscher sind sich einig, dass die südafrikanische Taupflanze Roridula dentata fleischfressend ist, dabei ernährt diese sich viel komplizierter: Wenn ein Insekt auf ihr stirbt, muss es erst von einer Wanze gefressen werden. Sie gewinnt die Nährstoffe aus dem Kot der Wanze.

Tomaten im Garten ernähren sich aber nicht von Insekten.

Unsere heutigen Zuchtpflanzen wachsen auf so nährstoffreichen Böden, dass eine verwesende Fliege tatsächlich kaum ins Gewicht fällt. Doch ihre wilden Vorfahren wachsen oft auf sehr mageren Böden; da können ein paar zusätzliche Proteine einen entscheidenden Vorteil im Kampf ums Überleben bieten.

Fast jede Pflanze nutzt Reste verendeter Lebewesen. Wo liegt die Grenze zwischen fleischfressend und vegetarisch?

Gräser zum Beispiel sind eindeutig nicht karnivor. Sie haben keine geeigneten Härchen, sondern keinen Tau oder Schleim ab und können deshalb keine Insekten fangen.

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Sind Tomaten wirklich Fleischfresser?

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