Der populäre Irrtum: Viel Wirbel um nichts

Fließt das Wasser auf der Südhalbkugel wirklich anders aus der Badewanne ab als auf der Nordhalbkugel?

Nein, tut es nicht. Verbreiter der falschen These erklären gern, dass die sogenannte Corioliskraft die Abflussstrudel der nördlichen Hemisphäre links herum, jene auf der anderen Erdhälfte umgekehrt rotieren lässt. So wie das etwa bei Tiefdruckgebieten der Fall ist.

Aber: Mit der Drehrichtung des Wannenwassers hat die Corioliskraft, eine Folge der Erdrotation, so gut wie nichts zu tun. Weswegen es links- wie rechtsdrehende Strudel überall auf der Erde gibt. Die Corioliskraft wirkt nämlich umso schwächer auf eine Strömung, je kleiner die Strömungsregion ist.

Bei den winzigen Ausmaßen häuslicher Wasserabflüsse ist die Corioliskraft deshalb so klein, dass alle möglichen anderen Dreh-Faktoren wichtiger werden: die Richtung, aus der das Wasser eingelassen wird, das Gefälle, die Form des Abflussrohrs oder die Art eines Luftzugs, der gerade das Badezimmer durchweht. Nur unter extrem kontrollierten Bedingungen (24 Stunden ruhendes Wasser, kreisförmige Wanne) konnte ein amerikanischer Strömungsphysiker 1962 den minimalen Einfluss der Corioliskraft im Abfluss nachweisen. Übrigens: Am Äquator ist die Corioliskraft gleich null. Aber der Strudel dreht sich doch. Mal so, mal so.

GEO.de Newsletter