Astronomie: Die Finsternis in der Sonne

Verbirgt sich die Dunkle Materie womöglich im Innern von Sternen?

Noch hat niemand den rätselhaften Stoff gesehen oder seine Existenz zweifelsfrei nachgewiesen. Dennoch sind viele Astronomen überzeugt, dass über 80 Prozent der Materie im Universum aus Dunkler Materie bestehen - so genannt, weil sie weder Licht aussendet noch mit Licht reagiert. Anders als durch die Gegenwart dieser unbekannten Materieform lässt sich die Rotationsgeschwindigkeit der Galaxien im Weltall nicht erklären. Denn diese drehen sich wesentlich schneller, als es aufgrund ihrer sichtbaren Materie eigentlich möglich wäre - sie müssten durch die Zentrifugalkräfte auseinandergerissen werden, wenn nicht die Schwerkraft einer unsichtbaren Materie sie zusammenhalten würde.

Woraus dieser Stoff besteht und wo genau er existiert, ist aber unbekannt. Die neueste Idee aus dem Spekulationslabor der Astronomen: Sterne wie unsere Sonne könnten im Laufe ihrer Milliarden Jahre langen Reisen durch die Galaxien Teilchen der Dunklen Materie eingesammelt haben. Diese hätten sich dann möglicherweise im Kern der Sonnen angereichert. Forscher der Royal Holloway University of London und der University of Oxford haben eine hypothetische Sonne mit Dunkler Materie im Kern am Computer simuliert. Ergebnis: Die Teilchen der Dunklen Materie absorbieren einen Teil der Hitze im Sonnenkern und transportieren die Wärme an die Oberfläche. Dadurch würden sich in unserer Welt bestimmte Eigenschaften der Hitzeausbreitung in unserer Sonne erklären lassen, die die Sonnenforscher bisher noch nicht schlüssig begründen konnten.

Gleichzeitig verringerte die Dunkle Materie im Computermodell die Anzahl der von der Sonne ausgestrahlten Neutrinos, die bei der Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium entstehen. Tatsächlich registrieren Detektoren auf der Erde weit weniger Neutrinos als eigentlich erwartet.

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