Meteorologie: Loch im Norden

Die Ozonschicht am arktischen Himmel war 2011 dünn wie nie zuvor. Warum?

In den 1980er Jahren tat sich über der Südpolregion der Himmel auf: Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), bis dahin Treib- und Kältemittel in Spraydosen und Kühlschränken, hatten buchstäblich ein Loch in die schützende Ozonhülle der Erde gefressen. Schließlich gelang es, durch ein weitgehendes Verbot von FCKW den weiteren Abbau zu stoppen. Seither regeneriert sich die Hülle am Südpol allmählich, obwohl das Loch noch lange nicht verschwunden ist.

Jetzt hat ein internationales Team von Wissenschaftlern erstmals ein Ozonloch über der Arktis registriert, das in der Größe an jenes der Antarktis heranreicht. Der Grund für die zeitweise über 80-prozentige Reduktion von Teilen der Hülle ist aber wohl kein neuer menschengemachter Ozonfresser. Vielmehr konnten Teile der "alten" FCKW-Verbindungen, die immer noch in der Stratosphäre vorhanden sind, dort erstmals ihre volle Wirkung entfalten.

Denn der Winter 2010/2011 war in den oberen Luftschichten der Arktis ungewöhnlich frostig. Ein besonders kräftiger Kaltluftwirbel hielt sich dort von Dezember bis März - das war in dieser Form noch nie registriert worden. In dem kalten Wirbel, der wie eine Barriere gegen einen Luftaustausch mit anderen Schichten wirkt, werden Ozonmoleküle (Verbindungen aus drei Sauerstoffatomen) durch FCKW vermehrt zu "normalen" Sauerstoffmolekülen (zwei Atome) abgebaut.

Dass es besonderer Bedingungen bedarf, bevor ein Loch am Himmel aufreißt, mag auch erklären, warum seit Langem die Südhalbkugel grundsätzlich stärker davon betroffen ist als der Norden. Am Südpol ist die Stratosphäre kälter, und dadurch sind die Wirbel stabiler als am Nordpol. Das Forscherteam hat nun jedoch festgestellt, dass Löcher auch über der Nordpolarregion auftreten, wenn die Kälte nur lange genug anhält.

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