Astronomie Warum der Polarstern abnimmt

Der Polarstern, fixer Begleiter am nächtlichen Sternenhimmel, ist dabei, zu verschwinden

Seit Generationen haben Astronomen ihre Beobachtungen des Sterns festgehalten, der immer genau im Norden steht. Hilding Neilson hat solche gesammelten Notizen am Argelander Institut für Astronomie in Bonn ausgewertet und mit heutigen Beobachtungen verglichen. Ergebnis: Der Polarstern wechselt seine Helligkeit in einem Vier-Tage-Rhythmus. Dabei hat sich dieser Takt im Laufe des letzten Jahrhunderts jedes Jahr um 4,5 Sekunden verlängert. "Dafür gibt es nur eine Erklärung", glaubt Neilson: "Der Polarstern muss ständig Unmengen von Masse verlieren." Genauer gesagt: Polaris, so der lateinische Name des Sterns, verliert 100 Millionen Mal so schnell Masse wie unsere Sonne! Das wird der irdische Beobachter zwar auch innerhalb der nächsten 100 Jahre nicht merken: Die Leuchtkraft des Polarsterns wird erhalten bleiben, da noch genügend Fusionsmaterial in seinem Inneren übrig ist. Doch in 100 000 Jahren könnte sich seine Leuchtkraft dramatisch ändern. Zurzeit strahlt er etwa 2000-mal so hell wie die Sonne. In vermutlich 100 000 Jahren wird er allmählich zum Roten Riesen, erstrahlt also für einige Zeit noch einmal besonders hell, und endet schließlich als Weißer Zwerg, der von der Erde aus mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen wäre. Der Helligkeits-"Puls" des Sterns entsteht übrigens aus dem Wechselspiel zweier Kräfte. Die Materie der äußeren Schicht seiner Gashülle strebt aufgrund der Schwerkraft nach innen. Dabei verdichtet sich diese Schicht so sehr, dass die bei der Kernfusion freigesetzte Energie, also etwa Licht, kaum hindurchdringen kann: Erst nach einigen Tagen hat sich genügend Druck im Inneren aufgebaut, um die Schicht aufzureißen. Ein starker Lichtstrom entweicht und lässt den Stern aufscheinen.

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