Interview "Der Himmel braucht das Licht nicht"

Immer mehr Straßenlaternen und Strahler machen landauf, landab die Nacht zum Tag. Dagegen protestiert die "Initiative gegen Lichtverschmutzung". Wir sprachen mit ihrem Mitglied Andreas Hänel

Herr Hänel, wie sind Sie auf das Thema aufmerksam geworden?

Das lag größtenteils an der Resonanz der Besucher unseres Planetariums: All jene, die wie fasziniert unter dem projizierten Sternenhimmel saßen und mir sagten, dass sie so etwas lange oder noch gar nicht gesehen haben. Wie kann das sein?

Deshalb wurden Sie Mitglied der Initiative gegen Lichtverschmutzung?

Ja. Schon 1993, während einer Ausstellung zur Lichtverschmutzung in der Stadthalle Osnabrück, nahmen wir uns des Themas an. Fast gleichzeitig schlossen wir uns zu einer Gruppe von rund 20 Menschen zusammen. In Anlehnung an die "Vereinigung der Sternenfreunde" wollten wir gemeinsam etwas tun.

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Dr. Andreas Hänel arbeitet im Natur- und Umwelt-Planetarium des Museums am Schölerberg

Zum Beispiel?

Größtenteils informieren und beraten wir heute Interessenten für Beleuchtungsanlagen. Immer mehr Kommunen und Firmen kommen auf uns zu und zeigen Interesse an alternativen Lichtquellen. Außerdem unterstützen wir die Errichtung von Sternenparks, also Orten, die noch fast unangetastete Himmelsqualität vorweisen können. Sie faszinieren die Besucher durch den nahezu natürlich dunklen Sternenhimmel, der nur geringfügig durch künstliches Licht aufgehellt ist. Und sie leiten die Menschen auf den richtigen Weg. Als weitere Aufgabe haben wir uns der Messprogramme angenommen, mit denen wir die Lichtverschmutzung untersuchen. Es gibt eine Menge zu tun.

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Die Lichtverschmutzung zeigt sich nicht nur in Großstädten wie hier in Hong Kong deutlich

Und, nimmt die Lichtverschmutzung zu?

Das ist nicht ganz leicht zu beantworten. Der sogenannte "Rebound-Effekt" ist nicht zu unterschätzen: Viele Menschen steigen nach dem Motto "kost' ja nix" auf LEDs um - und gehen umso verschwenderischer mit Licht um.

Die Zahlen sind alarmierend: Messungen aus der Schweiz zufolge sind meist nur noch 200 bis 500 Sterne für das Auge sichtbar, in der Innenstadt noch weniger. Früher waren es ungefähr 2500. Das ist nur eine Auswirkung der Lichtverschmutzung, aber mit der können wir in Sternenparks zum Umdenken bewegen.

Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, damit die Lichtverschmutzung abnimmt?

Mehr Menschen müssen auf abgeschirmte Beleuchtung und zielgerichtetes Licht umrüsten - und auch einfach mal das Licht ausmachen. Niemand profitiert von blendendem, streuendem Licht, das in den Himmel scheint. Der Himmel braucht das Licht nicht. Und wir brauchen keine beleuchtete Kirche mitten in der Nacht. Oder Werbeflächen, die heller sind als die Straße, auf der wir uns bewegen. Die EU muss sich des Themas annehmen und maximale Lichtmengen für solche Orte gesetzlich festlegen.

Wie könnten solche Gesetze aussehen?

Einige Regionen Italiens und das Land Slowenien machen es vor: Es sollten abgeschirmte Leuchten eingesetzt werden, die das Licht nur auf die Straße lenken. Sie wirken dann zudem weniger blendend und dämmen die Lichtverschmutzung im Umkehrschluss ein. In Slowenien gilt seit 2007 ein derartiges Gesetz. Es ist das erste wirksame Gesetz und sollte als Vorlage für weitere EU-Staaten gelten.

Was kann jeder Einzelne jetzt schon tun?

Ich würde mir wünschen, dass jeder mehr darauf achtet, wann er Licht einsetzt. Fragen Sie sich mal, ob Sie die jeweilig platzierten Lampen wirklich brauchen, dort wo sie sind. Muss die Hausbeleuchtung unbedingt nächtelang durchbrennen oder täte es auch ein Bewegungsmelder?

Earth Hour

Im Rahmen der "Earth Hour" schalten am 31. März wieder Millionen Menschen weltweit das Licht aus. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, der "Stunde für unseren Planeten", setzen sie ein Zeichen für den Klimaschutz und gegen die Lichtverschmutzung.

Mehr zur Initiative gegen Lichtverschmutzung gibt es unter www.lichtverschmutzung.de

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