Biologie: Blaue Pracht in der Nacht

Wenn die Sonne untergegangen ist, erscheint das Meeresleuchten in herrlichen Farben. Wie kommt es dazu?

"Ich war überall am Atlantik und am Pazifik; es gab keine Nacht ohne Biolumineszenz", sagt der Meeresbiologe Woodland Hastings von der Harvard Universität. Dass das Leuchten von Mikroorganismen des Planktons herrührt, ist längst bekannt. Und Hastings hatte bereits 1972 eine Vermutung, wie das Licht "angeknipst" wird. Doch erst jetzt bestätigte ein Forscherteam um Thomas De- Coursey vom Rush University Medical Center in Chicago diese Theorie. Dafür untersuchten die Molekularbiologen fluoreszierende Dinoflagellaten, die zum Phytoplankton zählen. Offenbar besitzt die Zellmembran dieser Mikroorganismen einen speziellen Kanal, der durch elektrische Reize geöffnet wird, welche von der Bewegung des Wassers ausgelöst werden.

Diese Kanäle lassen nur positiv geladene Protonen durch. Ist der Kanal aktiviert, gelangen Protonen zu einer mit Leuchtstoffen gefüllten Kammer der Zelle, wo dann eine chemische Reaktion mit den Leuchtproteinen Luciferin und Luciferase in Gang gesetzt wird. Die "Glühwürmchen" der Meere haben damit quasi eine Art Lichtschalter. Vermutlich knipsen die Einzeller ihr Licht an, um Feinde abzuschrecken. Außerdem erregt das Leuchten die Aufmerksamkeit von Feinden der Feinde. So könnten sich die Einzeller indirekt ihrer Gegner entledigen. Das Meeresleuchten ist nicht immer bläulich wie auf diesem Foto eines Malediven-Strandes. Andernorts - bedingt durch die vorherrschende Phytoplanktonspezies - glimmt es auch grünlich.

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